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Hemmingen Darum stehen plötzlich grüne Kreuze auf dem Acker
Umland Hemmingen

Pattensen: Grüne Kreuze in Pattensen und Hemmingen zeigen Protest und Trauer der Landwirte

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18:02 25.09.2019
Starkes Symbol: Grüne Kreuze stehen auf einem Feld zwischen Koldingen und Reden. Quelle: Torsten Lippelt
Oerie/Ohlendorf

Sie stehen auf den Feldern an Land- und Kreisstraßen: große, grün angestrichene Holzkreuze. Zwischen Koldingen und Reden sind sie zu finden, zwischen Pattensen und Jeinsen und bei Schulenburg.

Heinrich Eicke, Bezirkslandwirt für Pattensen, und Burkhard Köhler, Bezirkslandwirt für Hemmingen, unterstützen die Protestaktion Grüne Kreuze (siehe Infokasten). Die Hintergründe haben sie jetzt bei einem Gespräch auf dem Hof der Familie Eicke in Oerie erläutert.

Dabei kritisieren sie unter anderem die Ausweisung sogenannter Roter Gebiete durch die Landesregierung. Dort sollen Landwirte weniger Dünger einsetzen – weniger, als der Nährstoffbedarf der Pflanzen beträgt. Auslöser für die Vorschriften ist der zu hohe Nitratgehalt im Grundwasser.

„Warum gehört beinahe die komplette Region Hannover zu den Roten Gebieten?“, fragt Köhler – auch das gesamte Gebiet von Hemmingen und Pattensen.

Burkhard Köhler (links), Bezirkslandwirt für Hemmingen, und Heinrich Eicke, Bezirkslandwirt für Pattensen, schauen auf eine Karte mit ,,Roten Gebieten". Quelle: Kim Gallop

Zweifel an den Wasseruntersuchungen

Die Düngeverordnung sei schon im Sommer 2018 verschärft worden, sagte Köhler. „Das haben wir noch mitgetragen.“ Dass die Vorschriften mit dem neuen Agrarpaket jetzt schon wieder verschärft werden sollen, hält er für falsch. „Die neuen Regelungen konnten doch noch gar nicht wirken.“

Einerseits seien die Untersuchungen des Wassers an unterschiedlichen Brunnen viel zu willkürlich und wenig aussagekräftig, sagte Eicke. „Wir haben die Kläranlagen im Verdacht“, ergänzte Köhler. Außerdem sei es doch auch im Interesse der Landwirte, nicht über den Bedarf zu düngen, betonte Eicke. „Wir wollen weder unseren Boden kaputtmachen noch das Wasser schädigen.“ Und schon aus Gründen der Wirtschaftlichkeit – schließlich kosten Düngemittel auch – werde sparsam und nur nach Bedarf gedüngt.

Bevor ein Acker bewirtschaftet wird, würden häufig Bodenproben ins Labor geschickt. „Damit wird der Grad der Düngung ermittelt“, erläuterte Köhler. Fast alle der im Calenberger Land angebauten Feldfrüchte bräuchten Stickstoff. „Das Tragische ist, dass wir den Pflanzen nicht mehr geben können, was sie braucht.“

Aussaat von Zwischenfrüchten wird erschwert

Probleme sehen beide Bezirkslandwirte auch bei der Aussaat der sogenannten Zwischenfrüchte wie Gelbsenf und Phacelia. Der gelb blühende Senf und die lilafarbene Phacelia – auch „Bienenfreund“ genannt – sollen den Boden verbessern und für die nächste Einsaat mit Zuckerrüben oder Getreide vorbereiten.

Damit die Pflanzen tief wurzeln können, brauchen sie Dünger, erläutern Eicke und Köhler. „Sonst werden sie zu mickerig und verbessern den Boden nicht“, sagt Eicke. „Und sie blühen nicht richtig“, ergänzt Köhler. Bienen und andere Insekten „fliegen“ auf die Felder mit den gelb blühenden Senfpflanzen und den lilablühenden bienenfreundlichen Phacelia. „Die ganze Welt will die Bienen retten“, sagt Köhler kopfschüttelnd, und dennoch werde der Anbau diese nützlichen und insektenfreundlichen Zwischenfrüchte erschwert.

Stummer Protest der Bauern gegen Agrarpaket

Schon länger sehen sich Landwirte immer wieder der Kritik von Politik und Gesellschaft ausgesetzt. Zudem sehen sie sich mit Vorschriften und gesetzlichen Regelungen konfrontiert, die sie teilweise sogar als schädlich für Pflanzen und Umwelt empfinden. Jüngstes Beispiel ist das sogenannte Agrarpaket, welches das Bundesministerium für Landwirtschaft und das Bundesumweltministerium Anfang September verabschiedet haben. Unter anderem soll damit der Umgang mit Düngemitteln und Insektiziden geregelt werden, um den Insektenschutz und die Wasserqualität zu verbessern. Die vorgeschlagenen Regelungen lösten die Aktion Grüne Kreuze aus, die an immer mehr Feldern bundesweit aufgestellt werden.

Sie sind ein stummer Protest gegen Maßnahmen, die – wenn sie den Bundestag passieren – nach Meinung der Landwirte die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Betriebe gefährden und das Höfesterben beschleunigen. gal

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Von Kim Gallop

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