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Hemmingen Menschen und Biber müssen sich wieder aneinander gewöhnen
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Pattensen/Hemmingen: Gewässerschau 2019: Menschen und Biber müssen sich wieder aneinander gewöhnen

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17:14 03.12.2019
Der Biber baut wieder vermehrt Dämme in der Region. Quelle: Torsten Lippelt / Archiv
Pattensen/Hemmingen

Für den seit Oktober überfluteten Acker zwischen Reden und Koldingen, für den zwei große Biberdämme in der Umgebung verantwortlich sind, wird es so schnell keine Lösung geben. Das ist jetzt aus der diesjährigen Gewässerschau hervorgegangen. Grund ist der Schutz des sich immer heimischer fühlenden Bibers, der auch an der Alten Leine und am Fuchsbach neue Dämme gebaut hat.

„Aufgrund des hohen Schutzstatus des Bibers, dem rechtlich festgesetzten Naturschutzgebiet und den schwierigen örtlichen Gegebenheiten ist eine einfache Lösung im Einklang mit Landwirtschaft, Artenschutz und Wasserschutz momentan nicht sichtbar“, betonte die Verbandsingenieurin des Gewässer- und Landschaftspflegeverbandes Mittlere Leine (GLV) Melanie Salchow vor etwa 20 Vertretern von Behörden sowie Wasser- und Bodenverbänden, Naturschutzbeauftragten und interessierten Bürgern. Der nahe zur Redener Straße gelegene Biberdamm am Fuchsbach dürfe nicht einfach entfernt werden.  

„Wir möchten Landbewirtschaftern schnell helfen“

Bislang sei immer eine Einzelfallentscheidung erforderlich – mit großem Abstimmungsaufwand zwischen den Behörden, Anliegern, Unterhaltern und Biberfachleuten. Dem wolle man jetzt entgegentreten. Auf der Suche nach künftigen Lösungen finde deshalb am 12. Dezember ein Planungsgespräch zwischen Umweltministerium, Region Hannover, GLV und weiteren Beteiligten statt. Das Ziel: Ein Pilotprojekt soll schnelle und pragmatische Lösungen ohne großen Verwaltungsaufwand bei problematischen Biberdämmen ermöglichen. „Wir möchten den betroffenen Landbewirtschaftern oder Kommunen möglichst schnell helfen“, so Umweltplanerin Salchow. Selbstverständlich unter der Maßgabe, dass dem Artenschutz genüge getan werde. „Im Zusammenleben am Gewässer müssen sich Mensch und Tier wieder einander gewöhnen und die gegenseitigen Grenzen abtasten.“

Auch der betroffene Koldinger Landwirt Hans-Heinrich Schnehage, der zusammen mit seinem Redener Kollegen Friedrich Thiemann normalerweise die neue Biberteich-Fläche zwischen den beiden Orten beackert, war zur Tour um die Gewässer gekommen. „Wenn ich realistisch bin, sehe ich da bis zum kommenden Frühjahr aber kaum eine Chance auf Maßnahmen. Wie beispielsweise die Schaffung einer Wasserabflussmöglichkeit vom Feld, wie man es bereits an der Alten Leine vor mehreren Jahren eingerichtet hat“, sagte er.

Gewässerschau als Plattform

Quelle: Torsten Lippelt

Die Gewässerschau des GLV findet jedes Jahr Ende November statt. Dabei wird der Unterhaltungsstand der Gewässer überprüft und den Beteiligten auch die Möglichkeit gegeben, eigene Anmerkungen zur Pflege und Entwicklung der Gewässer einzubringen. Als Themen können umgestürzte Bäume ebenso dazu gehören wie Entwässerungsproblematiken und naturschutzfachliche Belange. Dieses Jahr begaben sich die Teilnehmer vom Campingplatz Arnumer See aus auf eine vierstündige Tour entlang Hemminger und Pattenser Gewässer.

Unter der Leitung von Hans-Albert von Campe ging es rund sieben Kilometer an Teilstücken von Alter Leine und Arnumer Landwehr, dem Hemminger Maschgraben und Sennie/Bruchgraben vorbei zum Koldinger Mühlgraben. 15 Teilnehmer hatten sich zuvor an einer Tour unter der Leitung des Verbandsvorsitzenden Eckehardt Baumgarte zur Besichtigung von Fuchsbach, Hüpeder Bach, Schille und Gestorfer Bach beteiligt.

Bei der Gewässerschau ging es an den heimischen Gewässern entlang. Quelle: Torsten Lippelt

In diesem Jahr waren es bei beiden Touren bezirksübergreifend die gleichen Themen: Neben dem Biber ging es um Grünschnittabfall und illegalen Gehölzrückschnitt. „Überall aufgefallen sind viele, direkt an den Gewässern zu findende Kompostanlagen und Grünabfallhalden innerhalb der Ortslagen“, monierte Umweltplanerin Salchow. Hinzu kämen illegale Böschungsauffüllungen und somit Grundstücksvergrößerungen oder auch Gehölzanpflanzungen von nicht heimischen Arten, die eine Unterhaltung erschwerten.

Verstöße werden künftig geahndet

Auch immer wieder illegale Gehölzschnitte im bebauten Bereich stellten ein Problem dar. Mutmaßlich würden diese wohl geschehen, um einen Schattenwurf in private Gärten zu vermeiden. „Wir haben die Gehölze teilweise mit öffentlichen Fördermitteln gepflanzt. Unsachgemäße Pflege kann zu Rückforderungen von Fördermitteln seitens der Fördermittelgeber führen“, warnte Salchow und bot zugleich Hilfe an: Nach Rücksprache mit den Betroffenen sei der Verband grundsätzlich dazu bereit, sachgemäße Rückschnitte zu organisieren. Verstöße würden zukünftig jedoch verstärkt an die zuständige Region Hannover gemeldet.

Die Schauprotokolle der Gewässerschauen werden zum Jahreswechsel auf der neu gestalteten Homepagewww.glv52.de veröffentlicht.

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Von Torsten Lippelt

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