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Hemmingen Pattenser Landwirte vermissen Wertschätzung von Politik und Gesellschaft
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Pattensen: Landwirte vermissen Wertschätzung von Politik und Gesellschaft

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16:29 06.02.2020
Der bisherige Pattenser Bezirkslandwirt Heinrich Eicke (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Dirk Meier. Quelle: Torsetn Lippelt
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Pattensen/Hemmingen

Zu einer sehr informativen Jahresversammlung mitsamt Neuwahlen hatten sich am Mittwochnachmittag rund 100 Mitglieder der Bezirksverbände Pattensen und Hemmingen vom Landvolk Hannover im Ratskeller Pattensen getroffen.

In der mehrstündigen Veranstaltung wurden nicht nur nach dem Kassenbericht für das letzte Jahr der Vorstand entlastet und mit dem Wilkenburger Landwirt Rolf-Henning Wilke ein neuer Kassenprüfer gewählt. Es gab auch einen Wechsel bei den Vorsitzenden der Bezirksverbände Pattensen und Hemmingen. Der Hemminger Bezirkslandwirt Burkhard Köhler aus Ohlendorf verwies darauf, dass man sich darauf geeinigt habe, die diesbezügliche Wahl für Hemmingen erst im kommenden Herbst durchzuführen.

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Neuer Stellvertreter wird Jörn Munke

Sein Pattenser Amtskollege, der Landwirt Heinrich Eicke aus Oerie, teilte jedoch mit: „Dreimal sechs Jahre als Bezirkslandwirt sind genug. Ich stelle mein Amt zur Verfügung und trete nicht erneut an.“ Als Nachfolger schlug er seinen bisherigen Stellvertreter, den Landwirt Dirk Meier aus Schulenburg, vor. Dieser wurde einstimmig von den 37 wahlberechtigten Pattensern gewählt. Bei der geheimen Wahl für das Stellvertreteramt setzte sich der Pattenser Jörn Munke durch.

Meier dankte Eicke anschließend mit einem großen Präsentkorb für sein 18-jähriges Engagement als Bezirkslandwirt für Pattensen.

Christian Bötger wünscht sich mehr Fairness

Bereits vor, aber vor allem nach dem Tagesordnungspunkt der Wahlen gab es auch kritische und sachlich-informative Worte zur Entwicklung der Landwirtschaft im vergangenen Jahr und zum Bild der Bauern in den Medien und der Gesellschaft insgesamt.

So hatte Dirk-Christian Bötger, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Pattensen und Umgebung, moniert, die Teilnehmer der Fridays-for-Future-Bewegung sollten selbst mal eine Woche auf die Errungenschaften der Technik verzichten. Der Gipfel der Lebensmittelkonzerne bei Kanzlerin Merkel habe nicht allzu viel ergeben.

Hannnovers Landvolk-Chef Volker Hahn wünscht sich Lösungen, aber keine „Schweigemilliarde“ für die Landwirte. Quelle: Torsten Lippelt

Ein Mindestpreis für Lebensmittel wäre wünschenswert, sagte Bötger. Die Preissituation ändere sich aber nur durch ein anderes Kaufverhalten der Bürger. Der Druck auf die Landwirtschaft müsse „nicht geringer werden, aber fairer“, so Bötgers Wunsch. „Wenn die Gesellschaft eine andere Landwirtschaft möchte, muss sie das auch finanzieren“, sagte Volker Hahn, Vorsitzender des Landvolks Hannover, und verwies auf die beengten finanziellen Verhältnisse in der Landwirtschaft hin.

Hemmingens Bezirkslandwirt vermisst Wertschätzung

Bezogen auf den umstrittenen Agrarpakt mit seinen Düngeeinschränkungen und auf Landkarten rot markierten Gebieten wegen Nitratbelastungen, reagierte Hahn auf die vom Bund zugesagten Hilfszahlungen von einer Milliarde Euro für die Landwirte mit kritischen Worten. „Es muss faire, tragbare Lösungen geben“, sagte er, „aber kein Schweigegeld!“

Hemmingens Bezirkslandwirt Burkhard Köhler bedauerte, dass außer der Stellvertretenden Hemminger Bürgermeisterin Doris Linkhof kein Vertreter seiner Stadt an der Veranstaltung teilgenommen habe. „Auf dem Hemminger Neujahrsempfang sind die Landwirte und das Thema Landwirtschaft mit keinem Wort von Bürgermeister Claus-Dieter Schacht erwähnt worden. Feuerwehr und Sportler sind offenbar wichtiger“, sagte er.

Der Hemminger Bezirkslandwirt Burkhard Köhler äußerte sich kritisch zu Themen wie Hochwasserschutz und öffentliche Anerkennung der Landwirtschaft. Quelle: Torsten Lippelt

Dabei hätten die Landwirte unter dem Bau der B3-Ortsumgehung hinsichtlich der Zuwegung zu ihren Feldern zu leiden. Und auch die Varianten zum erforderlichen Hochwasserschutz würden wohl wieder Ackerland kosten. Verkehrstechnisch sei es durch den B3- und Stadtbahn-Bau aktuell oft chaotisch in Hemmingen-Westerfeld. Zur Bauunterbrechung der B-3-neu wegen der Wasserproblematik in der Senke bei Arnum fügte er mit Blick auf die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau an: „Darauf haben wir schon früher hingewiesen. Aber warum sollten Landwirte, die hier seit Jahrhunderten arbeiten, so etwas besser wissen ...?“

Köhler hoffte ebenso auf ein Einhalten des Bauplans wie auf einen großen Parkplatz an der geplanten Endstation der Stadtbahn bei der Firma Glende in Hemmingen-Westerfeld.

Dank an die Landjugend Pattensen

In einem eigenen Grußwort dankte Heinrich Eicke besonders der Pattenser Landjugend, die im Rahmen ihrer 72-Stunden-Aktion im vergangenen Jahr Blühstreifen angelegt und Insektenhotels gebaut hatte.

Den ausführlichen Schlussteil des Nachmittags bildete ein Vortrag von Jörg-Rafael Heim. Der Professor für Controlling, betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Energiewirtschaft/-recht von der Hamelner Hochschule Weserbergland referierte als Ausblick über die Zukunft der Energieerzeugung.

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