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Hemmingen Schacht über Römerlager Wilkenburg: „Bürger haben für Auskiesung kein Verständnis“
Umland Hemmingen

Römerlager Hemmingen-Wilkenburg: „Bürger haben für Auskiesung kein Verständnis“

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16:07 31.10.2019
Reise in die Vergangenheit: Besucher lassen sich in Wilkenburg die Zeit der Römer zurück versetzen. Quelle: Ingo Rodriguez (Archiv)
Wilkenburg

Die Diskussion um das Römerlager in Wilkenburg stockt. Hemmingens Bürgermeister Claus Schacht (SPD) hat deswegen jetzt Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) angeschrieben und ihn aufgefordert, die Fundstätte zu einem Bodendenkmal zu erklären. Damit wäre dann die geplante Auskiesung des Geländes durch die Firma Holcim vom Tisch.

Schacht erinnert an die Aussage von Weil bei einer Wahlkampfveranstaltung in Hemmingen. „Dort haben Sie formuliert, dass ein Thema wie dieses auf lokaler Ebene entschieden werden sollte. Ich gehe davon aus, dass damit die Stadt in Hemmingen gemeint war.“ Schacht fügt hinzu: „Die Bürger dieser Stadt haben für eine Auskiesung wenig bis gar kein Verständnis.“

Keine Auskiesung: Dafür Römerlager erhalten

Hemmingens Verwaltungschef bezeichnet das Römerlager als archäologischen Schatz. Wegen der Art und Zahl der Funde sei es sogar von europäischer Bedeutung. „Als anerkannt einzigartiges Bodendenkmal aus augusteischer Zeit, als Stätte der unkriegerischen Begegnung von Römern und Cheruskern, stellt es einen geschichtlich identitätsstiftender Ort dar, der sich hervorragend für Forschungs- und Bildungszwecke sowie touristisch nutzen ließe.“

Das mehr als 30 Hektar große Lager erstreckte sich über mehr als 500 mal 600 Meter und bot Platz für 20.000 Legionäre, entsprechend drei Legionen mit Hilfs- und Reitertruppen, sowie Tross und mitreisende Zivilisten. „Die überaus zahlreichen Funde bezeugen, dass es wahrscheinlich über mehrere Wochen, wenn nicht Monate genutzt wurde.“

Online-Petition zum Römerlager

Mehr als 4000 Bürger nicht nur aus der Region Hannover, sondern aus ganz Deutschland und aus dem Ausland, nutzten bisher das Bildungsangebot zum Lager und zu Römern und Germanen, organisiert von der Römer AG Leine. Schacht verweist auch auf die erste erfolgreiche Online-Petition an den Niedersächsischen Landtag, bei der fast 6000 Menschen für den Erhalt des Römerlagers votierten.

Die Größe des Lagers und die Vielzahl an mit Gold und Silber überzogenen Ausrüstungsgegenständen könnten Indiz dafür sein, dass Tiberius selbst in Wilkenburg war. „Dieser verhandelte laut Quellen mit den Cheruskern – diese lebten auch im hannoverschen Bereich. Wilkenburg liegt inmitten cheruskischer Siedlungskammern, die nächste befand sich wahrscheinlich nur wenige Hundert Meter vom Lager entfernt, dort, wo heute der Arnumer See liegt.“

Grüne sind für Erhalt des Römerlagers

Die Regionsfraktion der Bündnisgrünen spricht sich für den Erhalt des Römerlagers in Wilkenburg aus. Beim jüngsten Besuch im Hemminger Rathaus erklärte sie, dass sie sich damit der Landtagsfraktion der Grünen anschließt. „In Hemmingen wurde bereits genug Kies für die Herstellung von Beton abgebaut. Die Stadt hat ihre Pflicht getan“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulrich Schmersow. Voraussichtlich im November werde der Petitionsausschuss des Landes über das Thema abstimmen. tl

Reise in die Vergangenheit: Besucher bei einer Veranstaltung der Römer Leine AG in Wilkenburg lassen sich in die Zeit der Römer zurück versetzen. Quelle: Ingo Rodriguez (Archiv)

Die Chronik des Römerlagers

Oktober 2015:Es wird bekannt, dass in Wilkenburg ein Römerlager entdeckt wurde. Archäologen haben aus der Luft seit Längerem eine rechteckige Grabenanlage östlich der Leine wahrgenommen, die sie als Römerlager gedeutet hatten. Ausgrabungen haben die Vermutung bestätigt.

Frühjahr 2016: Der ab dem Jahr 2017 geplante Kiesabbau wird sich verzögern. Die Kirchengemeinde, der Land im geplanten Abbaugebiet gehört, will die Fläche nicht verkaufen. Das Grundstück wird auch sonst nicht für die Auskiesung zur Verfügung gestellt.

Dezember 2016: Die Denkmalbehörde der Region signalisiert, dass sie dem Kiesabbau zustimmen würde, aber unter Auflagen. Vor dem Baggern muss das Römerlager ausgegraben und alle Funde müssen dokumentiert werden.

März 2017: Der Rat der Stadt Hemmingen verabschiedet eine Resolution zum Erhalt des Römerlagers.

August 2018: Die Römer AG Leine beginnt mit der Gestaltung des Infopoints am Römerlager.

Februar 2019: Eine Initiative startet eine Landtagspetition zum Erhalt des Römerlagers. Schon Ende Februar steht fest: Es sind genug Stimmen zusammengekommen.

Oktober 2019: In einer Umfrage dieser Zeitung wird deutlich, dass sich noch nicht alle Landtagsfraktionen eine endgültige Meinung zum Römerlager gebildet haben. Die Regierungskoalition aus SPD und CDU hält noch weitere Stellungnahmen für nötig. Die FDP argumentiert, dass nur auf Basis des Denkmalschutzes agiert werden könne. Die Grünen fordern, auf den Kiesabbau beim Römerlager zu verzichten. Die AfD hatte auf Anfrage dieser Zeitung keine Stellung zu der Thematik genommen. zi

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