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Hemmingen Vergewaltigung in Harkenbleck: Tobias H. ist voll schuldfähig
Umland Hemmingen Vergewaltigung in Harkenbleck: Tobias H. ist voll schuldfähig
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00:21 18.03.2019
Tobias H. ist wegen versuchten Mordes und besonders schwerer Vergewaltigung angeklagt. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

 Nach Ansicht eines psychiatrischen Sachverständigen ist Tobias H., der sich seit dieser Woche vor dem Schwurgericht Hannover wegen versuchten Mordes und besonders schwerer Vergewaltigung verantworten muss, voll schuldfähig. Viele Elemente des Tathergangs nahe Harkenbleck sprechen laut Gutachter Tobias Bellin dafür, dass der bereits geständige Arnumer rational handelte: Er griff sein 22-jähriges Opfer ohne Zögern an, schlug sofort auf die Studentin ein, versuchte ihr den Mund zuzuhalten und knebelte sie, um sie am Schreien zu hindern. Zudem drückte er sie immer dann tief in den Graben neben der Arnumer Straße, wenn ein Auto vorbeifuhr. Eine Alkoholfahne hatte die junge Frau bei ihm nicht bemerkt, auch sah der Sachverständige keine Anzeichen für einen Drogenkonsum des 32-Jährigen unmittelbar vor der Tat.

Der Gutachter schilderte vor Gericht die Lebensverhältnisse von H., wobei er sich großteils auf Untersuchungsergebnisse des wegen Krankheit verhinderten Sachverständigen Konstantin Karyofilis berief. Das Angebot von Bellin, am Donnerstag selbst noch einmal mit dem Angeklagten zu sprechen, hatte dieser in letzter Minute abgelehnt. H. wuchs in Hemmingen auf und verließ die Schule bereits nach der 9. Klasse. Schon seit dem 15. Lebensjahr und eventuell auch zusammenhängend mit der Trennung der Eltern begann H. ein unstetes Leben zu führen: Er kiffte, jobbte, hing viel herum und beging Straftaten wie Körperverletzung, Diebstahl, Fahren ohne Führerschein und Schwarzfahren. Im März 2017 wurde ihm in einem Urteil des Landgerichts Hannover attestiert, dass er sich weigere, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen.

Kontakte zur Transvestitenszene

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden Polizeibeamte Hinweise auf spezielle sexuelle Präferenzen. So hatte H. gelegentlich Beziehungen zu Frauen, aber auch Kontakte zur Homo- und Transvestitenszene. Es fanden sich Aufnahmen, auf denen er selbst in Frauenkleidern posiert, in einer Tasche wurden Utensilien wie künstliche Wimpern und Fingernägel entdeckt. Auch soll der Angeklagte laut dem Sachverständigen Frauen beim Joggen gefilmt haben. Bellin wies aber ausdrücklich darauf hin, dass es unzulässig sei, von diesen Neigungen auf eine „personengefährdende Sexualität“ zu schließen. Heißt: Die Vergewaltigung bei Harkenbleck steht auf einem anderen Blatt. Einen Hang zu Gewalttaten mit sexuellem Hintergrund konnte der Sachverständige bei H. nicht erkennen, auch verneinte er – unter anderem aufgrund einer sehr dünnen Faktenlage – die Frage, ob für Tobias H. eine Sicherungsverwahrung in Betracht komme.

Der Prozess wird am Nachmittag des 8. April fortgesetzt. Möglicherweise wird die Kammer schon an jenem Tag ihr Urteil fällen.

Von Michael Zgoll

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