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Isernhagen Dieb wartet gut vier Monate in Haft auf seinen Prozess
Umland Isernhagen

Burgwedel Isernhagen Dieb wartet gut vier Monate in Haft auf seinen Prozess 

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12:29 28.05.2019
„Eine hohe Rückfallquote“ hat Amtsrichter Michael Siebrecht einem 42-jährigen Dieb bescheinigt. Quelle: dpa
Großburgwedel/Altwarmbüchen

Zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten hat Amtsrichter Michael Siebrecht jetzt einen 42-Jährigen verurteilt – der Dieb konnte das Amtsgericht dennoch als freier Mann verlassen: Er hatte seit Januar in Untersuchungshaft gesessen, weil der Anwalt seines Vertrauen vorher keine Zeit für die Verhandlung hatte.

Der gebürtige Kosovare hatte zu Jahresbeginn fünf Jeanshosen im Wert von knapp 330 Euro in einem Bekleidungsgeschäft in Altwarmbüchen gestohlen. Dafür hatte er eigens Plastiktüten so mit Aluminiumfolie präpariert, dass er damit die Sicherungssysteme des Ladens überlisten wollte. Der Plan misslang, ein Ladendetektiv ertappte den Hartz-IV-Empfänger, gab das Diebesgut an das Geschäft zurück und alarmierte die Polizei. Bei den Beamten räumte der auch vor Gericht geständige Dieb die Tat mit den Worten ein, dass er die Hosen verkaufen und damit seinen Lebensunterhalt finanzieren wolle. „Ich muss klauen, sonst komme ich nicht über die Runden“, sagte der Mann seinerzeit. Ein Richter schickte den 42-Jährigen daraufhin in die Untersuchungshaft, von dort aus nahm er Kontakt zu seinem Verteidiger auf und wartete monatelang auf die Verhandlung.

„Gewerbsmäßiger Diebstahl in besonders schwerem Fall“

Angesichts der umfangreichen Vorbereitung und dem geplanten Weiterverkauf warf der Staatsanwalt dem Kosovaren gewerbsmäßigen Diebstahl in besonders schwerem Fall vor – wegen dieses Deliktes kassierte de 42-Jährige in den vergangenen Jahren immer wieder Freiheitsstrafen. „Auch in diesem Fall kamen Sie aus der Haft heraus und wurden sofort wieder aktiv“, sagte der Vertreter der Anklage, der einen Rückfall prognostizierte und deshalb eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung von sieben Monaten beantragte. „Ich sehe bei Ihnen keinerlei positive Sozialprognose“, sagte er.

Der Verteidiger indes, auf dessen Einsatz der Dieb so lange gewartet hatte, sprach sich für eine Freiheitsstrafe von vier Monaten und zwei Wochen und damit die Dauer der Untersuchungshaft aus: „Dort gelten viel strengere Regeln und Sanktionen als im Regelvollzug“, begründete er seine Forderung und widersprach dem Staatsanwalt: Sein Mandant sei kein professioneller Dieb.

„Die Justiz ist bei Strafen ziemlich einfallslos“, sagte Amtsrichter Siebrecht zum Angeklagten: Am Anfang gebe es Geldstrafen, dann Freiheitsstrafen auf Bewährung und dann eben Haft. „Jede zeitnahe neue Tat wird mit einer weiteren Freiheitsstrafe geahndet“, sagte er mit Blick auf das umfangreiche Vorstrafenregister des 42-Jährigen, dem er zudem ein „hohes Rückfalltempo“ bescheinigte. Ihn verurteilte der Amtsrichter zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, hob nach der gut viermonatigen Untersuchungshaft aber zugleich auch den Haftbefehl auf.

Von Antje Bismark

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