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Isernhagen Wie ein Verein behinderten Hunden hilft – und ihre Besitzer unterstützt
Umland Isernhagen

Burgwedel: Wie der Verein Handicap-Hunde Tieren und Besitzern hilft

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19:48 16.01.2020
Auf den Handicap-Hund gekommen: Leonard (von links) und Cora Hackel mit Lieselotte, Tanja Kawall mit Leni und Anne-Marie Bestehorn mit Matti und Coco. Quelle: Mark Bode
Burgwedel/Isernhagen/Burgdorf

Wenn Cora und Leonard Hackel mit ihren drei Hunden spazieren gehen oder auf einer Radtour unterwegs sind, werden sie oft von anderen Menschen wie Sonderlinge betrachtet. Manchmal müssen sie sich auch verletzende Sprüche anhören: „Das ist Tierquälerei“ oder „Was ist das? Das gehört eingeschläfert“ – so etwas ist keine Seltenheit. Neben zwei gesunden Hunden besitzt das Ehepaar aus Ramlingen seit einem Jahr auch Lieselotte. Und wenn Lieselotte, ein Mischling, dessen Alter schwer zu bestimmen ist, draußen unterwegs ist, ist das deutlich zu hören. „Tock, tock, tock“: Jeder Schritt erzeugt einen Ton. Denn Lieselotte muss an den Hinterbeinen Orthesen tragen, um sich fortbewegen zu können.

Einschläfern war für neue Besitzer keine Option

„Es gibt natürlich Grenzen, bis wohin man einem Tier noch helfen kann. Aber viele Hunde können mit einer Menge Lebensqualität weiterleben“, sagt Tanja Kawall, die Vorsitzende des 2018 gegründeten Vereins Handicap-Hunde und Freunde. Das sieht auch das Ehepaar Hackel aus Ramlingen so. Die Vorbesitzer wollten Lieselotte einschläfern lassen. Cora Hackel erfuhr davon und wollte das nicht hinnehmen. „Das stand für uns nicht zur Debatte.“

Mischlingshündin Lieselotte mit ihren "Schuhen". Sie muss beim Gassigehen diese speziellen Orthesen an den Hinterbeinen tragen. Quelle: Mark Bode

Allerdings waren aufgrund von starkem Milbenbefall, einer Ohrenentzündung, Tumoren im Körper und einer erforderlichen Operation der Milchleiste für die Behandlungen mindestens 5000 Euro fällig geworden. Dazu kamen noch die Kosten für die Anfertigung der speziellen Orthesen in Mannheim. Hackels nahmen Kontakt zum Verein auf und fanden Hilfe. „Die ganzen Behandlungen hätten unsere finanziellen Möglichkeiten sonst überstiegen“, gesteht Leonard Hackel.

Das Team des Vereins Handicap-Hunde, allen voran Kawall und ihre Stellvertreterin Anne-Marie Bestehorn, möchte möglichst vielen Besitzern beeinträchtigter Tiere helfen. Allein durch den Jahresbeitrag der bislang 25 Mitglieder in Höhe von jeweils 12 Euro ist das nicht möglich. „Wir sind auf Spenden angewiesen“, sagt die Vorsitzende. Doch es geht den Tierfreunden auch darum, möglichst schon vor der Anschaffung eines beeinträchtigten Hundes aufzuklären, was auf die neuen Besitzer zukommen wird. Aber auch später beraten sie noch gern. Kawall und Bestehorn können dabei aus langjähriger eigener Erfahrung berichten. Sie besitzen selbst mehrere behinderte Hunde.

Matti darf nur mit Maulkorb vor die Tür

Bestehorns Sorgenkind ist der deutsche Schäferhund Matti. Auf einen flüchtigen Blick sieht er gesund aus, doch schnell fällt auf, dass das Tier viel zu dünn ist. „Er hat eine deformierte Speiseröhre“, sagt die Besitzerin. Das Futtermanagement stellt selbst sie vor große Herausforderungen: Fünfmal am Tag muss Matti mindestens eine halbe Stunde lang in einem speziell angefertigten Stuhl sitzen, damit er in aufrechter Position Püriertes – und das nur in kleinen Portionen – zu sich nehmen kann. „Frisst er versehentlich etwas anderes, besteht die Gefahr, dass er sich verschluckt. Das kann zu einer Lungenentzündung führen“, erklärt Bestehorn. Deshalb geht es nur mit Maulkorb vor die Tür. „Das verschreckt dann viele, weil sie denken, das Tier wäre gefährlich. Aber es geht dabei nur um den Schutz des Hundes“, sagt Kawall.

Ein echter Schoßhund: Anne-Marie Bestehorn mit ihrer Cocker-Dackel-Mischung Coco. Quelle: Mark Bode

Einmal Handicap-Hund, immer Handicap-Hund

Bestehorn möchte das Tier trotz allem Aufwand nicht abgeben, ebenso wenig die Hackels ihre Lieselotte oder Kawall ihren Leni, den sie seit fünf Jahren besitzt. Der frühere rumänische Straßenhund hatte eine Wirbelfraktur erlitten und ist inkontinent. „Wir haben uns zu Hause damit arrangiert“, sagt sie. „Leni ist glücklich.“ Ein Beleg dafür ist in ihren Augen, dass das Tier daheim durchaus in der Lage ist, über einen Golden Retriever zu springen, um die Couch zu erreichen.

„Natürlich benötigt ein gehandicapter Hund etwas mehr Zeit. Aber darauf kann man sich einstellen“, sagt Cora Hackel. „Sie isst, sie trinkt. Sie bewegt sich nur etwas langsamer als andere Hunde. Es ist toll, ihre positive Entwicklung zu sehen“, ergänzt sie mit Blick auf Lieselotte. „Die meisten, die sich einmal auf einen Hund mit Handicap eingelassen haben, würden sich immer wieder für einen entscheiden“, fügt Kawall hinzu.

Als Matti, der während des Treffens lange Zeit ruhig in seinem Körbchen gelegen hatte, plötzlich anfängt, Lieselotte anzuknurren und leicht die Zähne zu fletschen, muss Cora Hackel lachen: „Auch Hunde mit Handicap können zickig sein.“

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Von Mark Bode

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