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Isernhagen Als Schausteller von Kirchhorst aus durch ganz Deutschland
Umland Isernhagen Als Schausteller von Kirchhorst aus durch ganz Deutschland
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00:16 16.03.2019
Carl-Clemens Bötticher mit seiner Oma Marianne Katharina Bötticher. Die 85-Jährige hat jahrelang mit ihrem Mann Karl-Heinz den Schießstand betrieben. Quelle: Gabriele Gerner
Kirchhorst

Eigentlich sollte er sich den Winter über ausruhen können – doch als Schausteller hat Carl-Clemens Bötticher aus Kirchhorst auch jetzt alle Hände voll zu tun. Die Vorbereitungen für die neue Saison laufen auf Hochtouren.

Mit zwei Ständen ist Bötticher auf den Jahrmärkten und Volksfesten in der Republik vertreten: Mit einem Schießstand, bei dem Schützen, die ins Schwarze treffen, ein Foto gewinnen können, und der Cuba-Cocktailbar, die sogar um eine 200 Quadratmeter große Strandfläche mit Liegestühlen erweitert werden kann. Ob Moorfest, Zehntfest, Weihnachtsdorf im A2-Center oder Schützenfest in Hannover: Manch ein Markt ist für Bötticher ein echtes Heimspiel. In der Hauptsaison allerdings geht es meist auf große Tour durch ganz Deutschland – zum Beispiel nach Düsseldorf zur „Größten Kirmes am Rhein“.

Schausteller brauchen Organisationstalent

Wer denkt, mit dem Auf- und Abbau der Stände sei es getan, irrt sich: Bis zum ersten Einsatz in ein paar Wochen muss technisch wie organisatorisch viel vorbereitet werden. Das heißt: putzen, schweißen, elektrische Anschlüsse legen. Läuft die Heizung im Wohnwagen? Funktioniert die Schießanlage? Laufen die Mixgeräte für die Cocktailbar? Alle Fahrzeuge müssen noch einmal zum TÜV. Und auch die Bürokratie nimmt viel Zeit in Anspruch: „Seit Wochen laufen die Bewerbungen für die Veranstaltungen“, sagt der 34-Jährige. Mal bewirbt Bötticher sich bei Gemeinden, mal bei Event-Agenturen. Mal ist er mit Schießstand und Cocktailbar gleichzeitig vertreten, mal nur mit einem von beiden. Die Einsätze des Jahres zu planen, erfordert ein hohes Maß an Organisationstalent. „Wenn einige Groß-Events feststehen, plane ich für die Tage davor und danach kleinere Einsätze, die sich in der Nähe befinden.“

Die goldenen Zeit sind für das sogenannte „fahrende Volk“ vorbei. Böttichers Großmutter Marianna Katharina hat sie noch erlebt: „Nach dem Krieg waren die Leute froh, dass es etwas gab, um sich zu amüsieren“, erzählt die heute 85-Jährige. Zusammen mit ihrem Ehemann sei sie ihr Leben lang mit den Buden auf Volksfesten in ganz Deutschland unterwegs gewesen. Heute sind es vor allem die Freizeitparks, die zu einer starken Konkurrenz geworden sind. Um Achterbahn zu fahren oder in die Schiffschaukel zu steigen, muss niemand mehr auf die nächste Kirmes warten.

Schon als Kind hat Bötticher Jahrmarktluft geschnuppert

Dennoch möchte Bötticher seine Arbeit als Schausteller nicht missen. Schon als kleines Kind hatte er Jahrmarktluft bei seinen Großeltern geschnuppert. Als gelernter Großhandelskaufmann, Veranstaltungstechniker und Holztechnikermeister könnte er sich auch in einem Beruf niederlassen, bei dem er jeden Abend nach Hause käme. Doch das wäre nicht sein Ding. Das Geschäft seines Großvaters will er unbedingt fortführen. „Es ist einfach ein besonderes Leben als Schausteller und eine ganz besondere Gemeinschaft im fahrenden Volk.“

Personal zieht mit von Fest zu Fest

Das fahrende Volk bedeutet für Bötticher aber auch: das fahrende Personal. Seine Mitarbeiter müssten in Brandschutz und Arbeitsschutz unterwiesen werden, das neue Waffengesetz verlange eine polizeiliche Anmeldung seines Schießstandes in jeder Stadt – obwohl nur mit Platzpatronen geschossen werde. „Die Einarbeitung dauert heute wegen der gesetzlichen Auflagen so lange, dass es gar nicht mehr möglich ist, in jeder Stadt neue Mitarbeiter anzuheuern, wie es früher der Fall war“, sagt Bötticher. Dementsprechend hat Bötticher nicht nur einen eigenen Wohnwagen auf den Festen dabei, sondern transportiert mit der Zugmaschine auch Wohncontainer für die Mitarbeiter quer durch die Republik.

Eine Frau und Kinder, die er für seinen besonderen Job regelmäßig in Kirchhorst zurücklassen müsste, hat der 34-Jährige noch nicht. Das ist auch gar nicht so einfach: Eine Partnerin, so glaubt Carl-Clemens Bötticher, finde er wohl nur im Kollegenkreis: „Man muss dieses Leben als Schausteller kennen und lieben.“ So wie er.

Schon als Kind hat der Schausteller Carl-Clemens Bötticher am Schießstand seines Großvaters Jahrmarktluft geschnuppert. Diese Tradition setzt er fort und bereitet sich auf die anstehende Saison vor.

Von Gabriele Gerner

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