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Isernhagen Amtsgericht: Dieb droht lange Haftstrafe
Umland Isernhagen Amtsgericht: Dieb droht lange Haftstrafe
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00:17 15.12.2018
Ein Griff in die Kasse bringt einen jungen Mann jetzt für lange Zeit hinter Gitter. Quelle: Symbolbild (Archiv)
Isernhagen

Für eine Beute von gerade einmal 100 Euro muss ein junger Mann jetzt voraussichtlich für fast drei Jahre ins Gefängnis. Der Hannoveraner war trotz vier offener Bewährungsstrafen wieder rückfällig geworden und hatte eine Isernhagener Physiotherapeutin bestohlen. Für Amtsrichter Michael Siebrecht war das Maß damit endgültig voll.

Stimmt seine Geschichte, dann hätte der 26 Jahre alte Mann mit dem noch deutlich jünger wirkenden Gesicht den Diebstahl gar nicht nötig gehabt. Er promote für ein großes Unternehmen Handys, verdiene damit zwischen 3000 und 4000 Euro netto im Monat und habe sich gerade eine Eigentumswohnung in Berlin gekauft, erzählte der Angeklagte. Früher habe er viel Mist gebaut, aber mittlerweile gehe die Kurve nach oben.

Was davon stimmt, blieb vor Gericht offen. Keine Zweifel gab es hingegen an der lange Liste mit 16 Einträgen im Zentralregister. Seit seiner Jugend war der Mann immer wieder durch Diebstähle aufgefallen. Nur rund drei Wochen vor der nun angeklagten Tat hatte er die bislang letzte Verurteilung kassiert. „Ihre Rückfallgeschwindigkeit ist enorm“, warf ihm denn auch die Staatsanwältin vor. Doch nicht nur das: Insgesamt steht der 26-Jährige gleich vierfach unter Bewährung. „An so einen Fall kann ich mich nicht erinnern“, sagte Amtsrichter Siebrecht.

Warum seine Richter-Kollegen bei den vorherigen Urteilen nicht schon einmal eine Haftstrafe ohne Bewährung verhängt hatten, das kann Michael Siebrecht auch nur vermuten – er kennt die Urteile lediglich vom Zentralregister-Auszug. Vielleicht habe der Angeklagte jeweils einen guten Eindruck hinterlassen.

Auf frischer Tat erwischt

Mitte Juni hatte der Mann die kleine Physiotherapie-Praxis in Isernhagen aufgesucht. Er habe wenig Zeit, wolle nur schnell einen Gutschein als Geschenk für seine Mutter kaufen, hatte er einer Praktikantin gesagt. Als diese wenig später mit der Inhaberin aus dem Behandlungszimmer zurückkehrte, stand der Mann hinter dem unbesetzten Empfangstresen. Die Kasse hatte er offenbar mit einem nur schlecht versteckten Schlüssel geöffnet, 40 Euro hielt er in der Hand. Angeblich habe er schon mal Geld wechseln wollen, um Zeit zu sparen, so sein schwacher Erklärungsversuch. Er habe versucht, sich damit herauszureden, dass man Eier und Kartoffeln auf dem Land doch auch so kaufe. „’Ja’, habe ich entgegnet, ’da gibt es dann einen Schlitz, um Geld reinzuwerfen. Da nimmt man sich aber nichts raus’“, sagte die Praxisinhaberin als Zeugin aus.

Die Frauen ließen sich die 40 Euro zurückgeben und wiesen dem jungen Mann die Tür. Doch offenbar hatte der erwischte Dieb nicht alles herausgerückt, aus seiner Gesäßtasche lugte ein weiterer Schein. Wie sich vor Gericht herausstellte, hatte er offenbar zumindest zwei Fünfzig-Euro-Scheine eingesteckt. Die Frauen machten deshalb ein Foto vom Täter und dem Kennzeichen seines Wagen und verständigten doch die Polizei.

Vor Gericht machte die allein arbeitende Physiotherapeutin deutlich, was der Diebstahl mental angerichtet hatte: „Das hat Angst hinterlassen. Das hätte ja auch ganz anders laufen können“, sagte sie. Ihre Praxistür halte sie seit dem Vorfall geschlossen, „die Kunden müssen jetzt leider draußen warten“.

Verteidiger: „Massives Missverständnis“

Während der Strafverteidiger von einem „massiven Missverständnis“ sprach und der Angeklagte selbst beteuerte, dass er nicht gestohlen habe, sah die Staatsanwältin den Täter des Diebstahls überführt. Sie forderte fünf Monate Haft. Diese könne man angesichts der Vorstrafen und der hohen Rückfallgeschwindigkeit auch nicht mehr zur Bewährung aussetzen.

„Man hört viel, man muss aber nicht alles glauben“, sagte Amtsrichter Michael Siebrecht und sprach von einer „hanebüchenen Geschichte“. Er schickte den 26-Jährigen letztlich sogar für sechs Monate ins Gefängnis. „Sie klauen immer wieder.“ Doch nicht nur das: „Sie müssen davon ausgehen, dass Ihre Bewährungen widerrufen werden“, gab er dem frisch Verurteilten mit auf den Weg. Diese vier Strafen summieren sich auf weitere 27 Monate, so dass dem 26-Jährigem unterm Strich fast drei Jahre Haft drohen. Aktuell geht seine Kurve also eher nach unten.

Von Frank Walter

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