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Isernhagen Braune Bäume: Borkenkäfer lässt Fichten allerorts absterben
Umland Isernhagen Braune Bäume: Borkenkäfer lässt Fichten allerorts absterben
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00:18 15.04.2019
Braun und trocken: Diese Fichten in einem Waldstück in Kirchhorst sind vom Borkenkäfer befallen. Quelle: Lisa Otto
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Isernhagen

Die Temperaturen steigen, die Sonne scheint jetzt immer länger und stärker. Viele Pflanzen fangen an zu blühen und die Bäume bekommen grüne Blätter. Aber wer in Isernhagen genau hinschaut: Viele Fichten scheinen den Frühling verpasst zu haben. Braun und trocken stehen sie in den Wäldern – was ist da los? Den Grund kennt der Forstverband Fuhrberg nur zu gut: Sie sind vom Borkenkäfer befallen. „Viele Bäume waren durch die Stürme in der Vergangenheit und die extreme Trockenheit geschwächt. Da hatten die Borkenkäfer ein leichtes Spiel“, erklärt der für Burgwedel und Isernhagen zuständige Bezirksförster Christian Oehschläger. Und das könnte nur der Anfang sein: Wenn es schlecht laufe, gebe es bald gar keine Fichten mehr in Isernhagens und Burgwedels Wäldern.

Braune Bäume, wohin das Auge blickt: Schuld ist der Borkenkäfer.

Fällungen in der Brut- und Setzzeit, um den Käfer zu bekämpfen

Gleich zwei Arten des Borkenkäfers haben sich im Norden Hannovers breit gemacht: der Buchdrucker, der eher ältere Fichten bevorzugt, und der Kupferstecher, der jüngere Bäume befällt. Um den Bestand der Schädlinge zu reduzieren, sei nun schnelles Handeln gefragt. „Der Käfer muss jetzt bekämpft werden, um weitere Schäden zu verhindern“, sagt Oehlschläger. Daher lasse er die notwendigen Fällarbeiten trotz der Brut- und Setzzeit durchführen. „Bei Gefahr in Verzug ist das leider notwendig. Ansonsten versuche ich das auch immer zu vermeiden“, betont der Förster. Es bestehe aber die Gefahr, dass die befallenen Bäume auf Straßen oder gar die Autobahn kippen.

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Drei Borkenkäfer-Generationen in einem Jahr

ARCHIV - Im Rossauer Wald nahe Mittweida (Sachsen) kriecht am 16.07.2009 ein Borkenkäfer über eine Fichte. Begünstigt durch den milden Winter hat sich im Nationalpark Harz der Borkenkäfer ausgebreitet. Foto: Matthias Hiekel/dpa (zu lni "Borkenkäfer im Nationalpark Harz aktiv" vom 23.07.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa-Zentralbild

Mit einer Fläche von rund 200 Hektar – etwa drei Prozent der Gesamtwaldfläche des Verbandsgebiet – ist der Fichtenanteil noch eher gering. „Die Fichte ist zum Glück in der Minderheit hier. Aber deren Besitzer haben trotzdem das Nachsehen“, erläutert Oehlschläger. Denn durch die Trockenheit 2018 gab es gleich drei Generationen von Borkenkäfern. „Das ist schon eine Seltenheit. Diese haben jetzt alle im Boden oder scheinbar gesunden Bäumen überwintert.“

Im Zuständigkeitsbereich von Oehlschläger hat sich schon einiges getan. „Zurzeit führen wir Sanierungshiebe durch und entnehmen die befallenen Bäume“, sagt der Förster. Dies ist vor allem im 1,3 Hektar großen Fichtenwald in Kirchhorst notwendig. „Da sind massiv die Käfer in den Bäumen“, meint Oehlschläger. Zu erkennen sei dies an den braunen Baumspitzen und der teils nicht mehr vorhandenen Baumrinde. „Ich habe schon viele Bäume markiert, aber immer wenn ich dort bin, sehe ich noch weitere betroffene Fichten“, sagt er besorgt.

Holzpreise für Fichten sinken

Ein Großteil der befallenen Fichten in Kirchhorst ist mittlerweile mit einem Harvester, einem Holzvollernter, gefällt und in Stücke zersägt worden. Die Abholung erfolgt jeweils ein paar Tage nach der Fällung. „Wir versuchen das Holz noch zu verkaufen. Die Waldbesitzer hier leben zwar nicht vom Fichtenholzverkauf, aber es ist schon bitter zu sehen, dass das Holz nun sehr günstig verkauft wird“, sagt Oehlschläger. Der Borkenkäfer hat für Schnäppchenpreise gesorgt.

Vom Borkenkäfer zerfressen: Eine geschädigte Fichte in einem Waldstück bei Kirchhorst. Quelle: Lisa Otto

Fichtensterben geht weiter

Mit den Fällarbeiten in Kirchhorst sind die Sanierungshiebe aber nicht erledigt. Weitere Rohdungen sind im Waldgebiet zwischen Neuwarmbüchen und Isernhagen F.B. sowie auf Flächen in Burgwedel geplant. Und wenn die Temperaturen jetzt bald wieder über 16 Grad steigen, dann setzt ein neuer Käferflug an, sodass die Bestände regelmäßig kontrolliert und neue Befallsherden umgehend beseitigt werden müssen. „Wenn es dieses Jahr wieder extrem trocken und warm wird, kann es passieren, dass viele Fichten nicht mehr zu retten sind“, sagt Oehlschläger.

Das ist der Borkenkäfer

Der Borkenkäfer gehört zu einer Unterfamilie der Rüsselkäfer und kommt weltweit an allen Laub- und Nadelbäumen vor. Er gilt als Fortschädling, weil er starke Schäden an den Bäumen zurücklässt. Jede Art hat in der Regel eine bestimmte Baumart, die sie befällt. Sehr häufig kommen der Buchdrucker und der Kupferstecher vor. Beide gehören zu den rinderbrütenden Borkenkäfern und befallen vor allem Fichten. Nachdem sie sich in die Rinde des Baumes eingebohrt haben, legen sie dort ihre Eier ab. Die Larven der Käfer ernähern sich von den saftführenden Schichten in der Rinde – der Baum stirbt ab. Das Ausschwärmen beginnt, wenn die Lufttemperatur mehrtägig bei 17 Grad liegt. Innerhalb eines Jahres kann es bei guten Witterungsbedingungen bis zu drei Generationen der Borkenkäfer geben. Die Borkenkäfer überwintern entweder unter der Rinde eines Baumes oder im Boden. lo

Von Lisa Otto