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Isernhagen Altwarmbüchen: Senioren zahlen Handwerkern 1000 Euro Stundenlohn
Umland Isernhagen

Isernhagen Burgwedel Altwarmbüchen: Senioren zahlen Handwerkern 1000 Euro Stundenlohn

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17:28 24.10.2019
Trickbetrüger suchen sich gern ältere Opfer aus. Quelle: Archiv
Altwarmbüchen

Ein älteres Ehepaar aus Altwarmbüchen hat für die Reinigung seiner Terrasse einen rekordverdächtigen Preis bezahlt: Unterm Strich stand für die beiden Handwerker ein Stundenlohn von rund 1000 Euro. Dass die Senioren dabei übers Ohr gehauen wurden, daran blieben beim Prozess vor dem Amtsgericht Burgwedel keine Zweifel. Allerdings wurde deutlich, dass landläufige Moralvorstellungen und juristische Bewertungen keineswegs immer zum gleichen Ergebnis kommen.

Mann fordert immer mehr Geld

Im konkreten Fall hatte ein unbekannter Mittäter im Mai 2018 mittags bei den Altwarmbüchenern geklingelt und die Reinigung ihrer Terrasse angeboten. Zudem sollten für die vereinbarte Summe von 1000 Euro die Fugen mit neuem Sand gefüllt werden. Ob im Gespräch auch eine Versiegelung der Steinplatten zugesagt wurde, wie es in der Anklage wegen gemeinschaftlichen Betrugs gegen den 33-jährigen Angeklagten hieß? Möglich, aber so genau wisse er das nicht mehr, sagte der 88 Jahre alte Altwarmbüchener im Zeugenstand.

Während der unbekannte Mittäter zum Baumarkt fuhr, um den Fugensand zu besorgen, machte sich der Angeklagte mit einem Hochdruckreiniger über die Terrasse her. Doch dabei blieb es nicht: Quasi im Halbstundentakt habe sie der Mann bequatscht, dass er doch diese oder jene Fläche rings ums Haus gleich noch mitreinigen könne, sagte der Senior aus. Die Masche hatte Erfolg: „Meine Frau musste mehrmals los und neues Geld holen. So viel hatten wir doch gar nicht im Haus“, sagte der 88-Jährige.

3200 Euro für drei Stunden Arbeit

Nach drei Stunden waren so letztlich 3200 Euro Arbeitslohn zusammengekommen. „Wir sind so dumm gewesen, so viel Geld zu bezahlen“, sagte der Zeuge verärgert. „Wenn man so etwas in der Zeitung liest, dann glaubt man, das könnte einem selbst nicht passieren. Aber uns ist es passiert!“ Zur Polizei gegangen war das Ehepaar auch, „um andere zu warnen, dass sie sich nicht so übers Ohr hauen lassen“.

Dass die Altwarmbüchener einen deutlich zu hohen Preis gezahlt hatten, darin waren sich auch Richter und Staatsanwältin einig. Doch wie ist das Geschehen aus juristischer Sicht zu bewerten? Handelte es sich dabei um den angeklagten Betrug? Eindeutig nein, so die einhellige Meinung auch des Strafverteidigers. Denn der Angeklagte und sein Komplize hatten das Ehepaar nicht getäuscht, sondern offenbar die Arbeit wie zugesichert ausgeführt. „Er hat gemacht, was versprochen wurde – auch wenn es sehr, sehr teuer für sie war“, sagte Amtsrichter Michael Siebrecht.

Juristisch weder Betrug noch Wucher

Der Betrug war also vom Tisch, doch auch für eine Verurteilung wegen Wucher reichte es nicht. Dazu hätten der Angeklagte und sein Mittäter beispielsweise eine Notlage, die Unerfahrenheit, den Mangel an Urteilsvermögen oder die erhebliche Willensschwäche ihrer Gegenüber ausnutzen müssen, so Siebrecht. Das könne er so nicht erkennen. „Ein hohes Alter allein reicht da nicht aus“, erläuterte der Richter dem 88-Jährigen.

Letztlich einigten sich die Juristen darauf, das Verfahren zulasten der Landeskasse einzustellen. Um den Angeklagten nicht ganz ungeschoren davonkommen zu lassen, verfügte der Richter jedoch, dass dieser seine Anwaltskosten selbst zahlen muss. Im Gegenzug verzichtete die Staatsanwältin auf die Einziehung der 3200 Euro – darauf hatte der Verteidiger bestanden.

„Es ist für uns klar, dass Sie zu viel gezahlt haben. Aber so etwas ist nicht immer strafbar“, gab der Richter dem Ehepaar mit auf den Weg.

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Von Frank Walter

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