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Isernhagen Radverkehrskonzept: Wie schlecht sind die Radwege in der Gemeinde?
Umland Isernhagen

Isernhagen: Experten arbeiten an neuem Radverkehrskonzept

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18:05 04.09.2019
Die Isernhagener überlegen gemeinsam, wo neue Abstellanlagen für Fahrräder aufgestellt werden könnten und markieren diese auf einer Karte. Quelle: Lisa Otto
Isernhagen N.B

Für Isernhagen wird derzeit ein Radverkehrskonzept erarbeitet. „Unser Ziel ist es, eine attraktive Radverkehrsinfrastruktur aufzubauen und so mehr Leute aufs Fahrrad zu bringen“, erläuterte Tim Kräutner, Projektleiter beim Büro Energielenker bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend in der Buhrschen Stiftung in Isernhagen N.B. Das Planungsbüro hatte den Auftrag der Gemeinde erhalten, eine Analyse des Wegenetzes vorzunehmen und ein Konzept zu erstellen. „Durch diese nachhaltige Verkehrsentwicklung können wir Emissionen verringern und so etwas zum Klimaschutz beizutragen“, sagte Kräutner. Das Interesse an diesem Projekt ist groß – das zeigte die Beteiligung am Dienstag: Gut 40 Besucher hörten sich gespannt Kräutners Ausführungen an.

Doch bevor es an die Planung für ein neues Konzept geht, machte der Experte gemeinsam mit seinen Kollegen erst einmal eine Bestandsaufnahme. Ein wichtiger Punkt auf der Agenda der Fachleute: die Sicherheit der Radfahrer im Straßenverkehr. „Um uns aber selbst einen Überblick zu verschaffen, sind wir die gesamten vorhandenen Radwege einmal mit dem Fahrrad abgefahren“, so Kräutner. Ein besonderes Augenmerk hätten sie dabei darauf gelegt, ob es Radwege mit Gegenverkehr sind oder einzelne für jede Fahrtrichtung. Ebenfalls schauten die Planer sich an, wie viele Radwege es gibt, die eigentlich Fußwege sind, aber auf denen Fahrradfahrer zugelassen sind. Auch die vorgeschriebenen Breiten der Wege wurden kontrolliert. Zudem haben sie festgehalten, wie viel Verkehr auf welchen Strecken fließt.

Analyse zeigt viel Handlungsbedarf auf Radwegen in Isernhagen

Das Ergebnis der Erkundungstour zeige deutlich, dass an vielen Stellen in Isernhagen Handlungsbedarf besteht. „Wir haben für die Verkehrsführung, die Beschilderung als auch für den Zustand der Radwege Fehlerpunkte vergeben. Umso mehr Punkte die jeweilige Strecke am Ende hatte, umso mehr muss dort getan werden“, erläuterte Kräutner. „Daraus haben wir dann eine Handlungsempfehlung erstellt.“ Welche Straßen dabei besonders viele Punkte einheimsten, verriet er noch nicht.

Prozess des neuen Konzeptes erfordert Zeit

Die Analyse ist abgeschlossen – die Arbeit geht jetzt aber erst richtig los. „Der Prozess erfordert bei der Planung und der Umsetzung Zeit“, betont Kräutner. Eine Aussage, die bei den Besuchern alles andere als gut ankam. Ein Stöhnen ging durch den Raum. „Es wurde schon damals, als ich noch im Gemeinderat war, über ein Fahrradkonzept gesprochen, aber bis jetzt ist nichts passiert“, saget daraufhin Heidrun Lemke, ehemalige Ratsfrau der Grünen aus Kirchhorst. „Die Oberflächen sind einfach nur noch schlimm.“

Ähnlich sehen es weitere Besucher. „Die bestehenden Radwege sind kaum befahrbar“, monierte einer von ihnen und ein anderer hatte auch gleich mit der Burgwedeler Straße ein Beispiel parat: „Die Strecke zwischen Isernhagen H.B. und N.B. ist nachts nicht befahrbar. Da reiht sich Schlagloch an Schlagloch.“ Kräutner konnte die Ungeduld als auch den Ärger verstehen. Aber er verdeutlichte auch: „Es hat keiner etwas davon, wenn wir jetzt einen Radweg sanieren und den dann anschließend keiner nutzt.“

Rad statt Auto: Viele Besucher kamen zur Vorstellung des neuen Radverkehrskonzeptes mit dem Fahrrad. Quelle: Lisa Otto

Konstruktive Lösungen für Radwege

Auf die Bremse tritt auch der Kirchhorster Ortsbürgermeister Herbert Löffler: „Nicht alles, was toll und gewünscht ist, kann gleich umgesetzt werden. Das liegt auch nicht an der Gemeindeverwaltung, sondern eher an der Politik“, meinte er. Und der SPD-Kommunalpolitiker ist sich sicher: „Vieles ist liegen geblieben, und unsere Radwege sind nicht die besten. Einiges wurde schon gemacht, aber es muss noch viel passieren. Das geht aber nur Hand in Hand.“

Unterstützung erhielt Löffler von Heinrich Bätke (CDU): „Wir müssen konstruktive Lösungen finden. Vieles ist im Rathaus schon bekannt, aber einiges kann die Gemeinde auch nicht machen, da dafür die Region zuständig ist.“ Doch das neue Konzept gibt ihm auch Hoffnung. „Wir haben jetzt etwas in der Hand und können dies auch der Region und dem Land vorlegen. Für uns im Rat ist das sehr wichtig.“

Wünsche sollen für Konzept berücksichtigt werden

Im Konzept sollen aber auch die Anregungen der Isernhagener mit aufgenommen werden. Aus diesem Grund hatten alle Anwesenden nach dem Vortrag die Möglichkeit, ihre Änderungsvorschläge auf zwei Karten zu markieren. So klebten am Ende der Bürgerversammlung viele bunte Punkte auf der Landkarte. Sie markierten unter anderem wichtige Strecken und mögliche Abstellanlagen für Fahrräder.

Aber auch alle, die nicht an der Bürgerversammlung teilnehmen konnten, können sich im Internet unter der Adresse www.isernhagen.de/radverkehrskonzept über die geplanten Maßnahmen und die weiteren Schritte informieren. Und: „Auch weitere Anregungen nehmen wir sehr gerne entgegen“, sagte Gemeindesprecherin Svenja Theunert.

Tim Kräutner (stehend), Projektleiter für Verkehrsplanung und nachhaltige Mobilität der Energielenker Beratungs GmbH, stellt den Isernhagenern das neue Radverkehrskonzept vor. Quelle: Lisa Otto

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