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Isernhagen Gemeindearchiv erwirbt Feldmarkkarten aus dem 18. Jahrhundert
Umland Isernhagen

Isernhagen: Gemeindearchiv erwirbt Feldmarkskarten aus dem 18. Jahrhundert

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17:16 29.11.2019
Endlich vereint: Register und Feldmarkkarten. Quelle: Jürgen Zimmer
Altwarmbüchen

Gemeindearchivarin Gudrun Heuschen ist begeistert: Der Erwerb von 50 handgezeichneten und kolorierten Isernhagener Feldmarkkarten aus dem 18. Jahrhundert bedeutet für das Archiv am Helleweg in Altwarmbüchen eine außergewöhnliche Quelle.

Das in Leder eingebundene „Register vom Zehntlande zu Isernhagen“ der Amtsvogtei Burgwedel ist seit Langem im Besitz des Gemeindearchivs – jedenfalls der Band 2 über Isernhagen N.B. und H.B. Der erste Band über F.B. und K.B. befindet sich im Landesarchiv Hannover. Dort sind die Namen der Felder und die Besitzer angegeben, die zehntpflichtig, also steuerpflichtig, waren. Jetzt haben die Gemeinde und die Bürgerstiftung Isernhagen gemeinsam die dazugehörigen geometrischen Karten aus Privatbesitz gekauft. Der langjährige Gemeindearchivar Christian Heppner hatte die Blätter bereits vor langer Zeit bei einem privaten Sammler entdeckt. Aber erst jetzt war dieser bereit, seinen Schatz der Gemeinde und damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Aecker der Isernhäger Bauernschaft“, hier das Orthfeld. Quelle: Jürgen Zimmer

Bürgerstiftung Isernhagen unterstützt den Ankauf mit 1000 Euro

„Wir unterstützen nicht die Gemeinde in ihren Pflichtaufgaben“, stellte Uwe Wagstyl von der Bürgerstiftung klar. Da es sich in diesem Fall jedoch um eine freiwillige Leistung der Gemeinde handelt und das Archiv mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an die Bürgerstiftung herangetreten war, beschloss diese zu helfen. Mit dem Stiftungszweck Heimat ist das Engagement der Stiftung satzungskonform, zumal es sich um ein öffentliches Interesse handelt. 1000 Euro gab die Stiftung zu dem Ankaufspreis von 2500 Euro dazu.

Karten in gutem Zustand

Die 50 etwa 50 mal 70 Zentimeter großen Karten sind in einem relativ guten Zustand. Sie wurden 1780 bis 1784 im Auftrag der Landesverwaltung erstellt. Der Landvermesser Christian Joachim Engelke aus Wunstorf hatte sie „auf Befehl der Königlich und Churfürstlichen Hohen Cammer“ angefertigt. In unterschiedlicher Farbgebung wurden die auf den Flächen liegenden diversen Zehntarten (Steuerarten) herausgehoben. Mit aufgenommen wurden Flurbezeichnungen, natürliche Gegebenheiten wie Bäche, Gräben, Wege und (Grenz-)Bäume. Zudem sind besondere Kulturarten wie Gärten, eingehegte Weiden sowie vereinzelt auch Höfe und Windmühlen eingezeichnet.

Im Archiv der Gemeinde Isernhagen liegen interessante Dokumente aus den vergangenen 300 Jahren.

Seltene lokale Besonderheit

Eine lokale Besonderheit sind die Flächen des sogenannten „Stiefel-Zehnten“. Im 18. Jahrhundert wurde der Zehnt oft nicht mehr in Naturalien abgegeben, sondern in eine feste Geldrente umgewandelt. So der Isernhagener und Altwarmbüchener „Stiefel-Zehnt“. Der wurde tatsächlich erhoben, damit der Amtsvogt von Burgwedel davon seine Stiefel bezahlen konnte. Grundlage dieser seltenen Steuerart war der Umstand, dass die steuerpflichtigen Bauern Land unter dem Pflug hatten, das der Landesherrschaft gehörte.

Karl der Große führte den Zehnt ein

Klar gegliedert erkennt man in den handgezeichneten Blättern die „Haupt Zehntländer“, das „Rott Zehntland“ (durch Rodung entstandene neue Flächen) oder auch das „Zehntfreye Land“. Die allgemeine Steuer, der Zehnt, wurde bereits von Karl dem Großen zur Unterstützung der Kirche eingeführt. Damals bereits immer klamm, verpachtete oder verkaufte diese die Rechte an den Einnahmen. Bald lag der Zehnt zumeist in weltlicher Hand. Wie der Name sagt, wurde der zehnte Teil aller landwirtschaftlichen Produkte als Steuer beansprucht. Das galt auch für das Vieh. Die Nutznießer dieser Steuern waren unterschiedliche Herrschaften, im Falle Isernhagens die Amtsvogtey Burgwedel, die ihrerseits wiederum Steuern an die Kurfürstliche Kammer in Hannover abführte.

Archiv öffnet donnerstags

Die Bestände des Archivs der Gemeinde Isernhagen können seit 2003 unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen für ortsgeschichtliche, familiengeschichtliche oder andere Zwecke eingesehen werden. Sie sind durch ein Findbuch (Register) und durch eine Datenbank erschlossen. Eine Möglichkeit zur Onlinerecherche besteht derzeit nicht. Das Gemeindearchiv bietet ferner an, private Materialsammlungen, Vereinsunterlagen, biografische oder andere ortsgeschichtlich interessante Dokumente für die Besitzer zu verwahren. Der Archivbestand umfasst bislang etwa 1400 Aktentitel aus der Zeit von 1693 bis 1994, vornehmlich aber seit dem späten 19. Jahrhundert. Das Gemeindearchiv am Helleweg 4 in Altwarmbüchen ist donnerstags von 17 Uhr bis 19 Uhr geöffnet.

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Von Jürgen Zimmer

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