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Isernhagen: Grüne steigern Mitgliederzahl um 50 Prozent

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17:11 20.11.2019
Der neue Vorstand des Grünen-Ortsverbandes Isernhagen mit Antje Schenke (von links), Gretha Burchard, Felix Schünemann, Carmen Merkel und Ina-Maria Mey. Quelle: privat
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Isernhagen

Nicht nur in der nahen Landeshauptstadt mit dem neuen Oberbürgermeister an der Spitze gewinnen die Grünen an Bedeutung. Auch in der Gemeinde Isernhagen ist die Partei im Aufwind: Innerhalb eines Jahres ist die Mitgliederzahl des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen von 25 auf 36 gestiegen. Fünf der insgesamt zwölf Frauen, die aktuell auf Gemeindeebene beim bundesweiten Mentorenprogramm „Frau macht Politik“ in die Kommunalpolitik hineinschnuppern, werden von Grünen-Politikern betreut.

Der Aufschwung hat auch für die Organisationsstruktur Folgen: Der Vorstand des Ortsverbands ist von drei auf fünf Personen angewachsen, darunter vier Frauen. Im auf zwei Jahre neu gewählten Führungsgremium vereinen sich neue und altgediente Mitglieder aus nahezu allen Ortsteilen der Gemeinde.

„Die Arbeit ist bunter und vielfältiger geworden“, sagt der wiedergewählte Vorsitzende Felix Schünemann: „Jeder bringt schließlich seine eigenen Schwerpunkte, Interessen und Kompetenzen mit ein.“ Das sei ein unheimlicher Gewinn für die politische Arbeit. Dabei sei längst nicht jeder, der sich für die Grünen in Isernhagen engagiere, auch Parteimitglied. „Es gibt viele, die seit Jahren aktiv dabei sein, ohne eingetreten zu sein“, sagt Schünemann. Dass offizielle Abstimmungen zu Leitlinien und beispielsweise Vorstandswahlen dann doch den Parteimitgliedern vorbehalten seien, motiviere einige dann aber doch noch zum Beitritt in die Partei.

Aufschwung begann zur Europawahl

Das Interesse an grüner Politik in Isernhagen sei bereits mit den Europawahlen 2018 gewachsen, sagt Schünemann: „Zu den Wahlen gab es mehrere Neueintritte.“ Die Beweggründe für einen Eintritt seien sicherlich individuell verschieden. Grundsätzlich sei jedoch ein verstärktes Bewusstsein für umweltpolitische Probleme in der Gesellschaft zu beobachten. Zudem, sagt Schünemann, bildeten die Grünen einen deutlichen Gegenpol zur AfD.

Der Vorsitzende hoffen, dass künftig auch noch mehr junge Erwachsene eine aktive Arbeit bei den Grünen für sich entdecken. Aktuell sei unter den Mitgliedern das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ausgeglichen, doch die Altersgruppen seien noch längst nicht gleichmäßig vertreten, es gibt mehr ältere Mitglieder. „Eine Partei sollte auch diesbezüglich ein Abbild der Gesellschaft sein“, sagt Schünemann. „Und Menschen, die gerade eine Familie gegründet haben, sind vom Thema Kindergarten oder Schule ganz anders betroffen als ältere Mitglieder.“

Eine der Neu-Grünen, die genau in dieses Raster passt, ist Gretha Burchard, die mit Schünemann zusammen nun die Doppelspitze des Isernhagener Ortsverbandes bildet. Die 36-Jährige stammt aus Altwarmbüchen, ist promovierte Verwaltungswissenschaftlerin, arbeitet im Gleichstellungsbüro der Hochschule Hannover und hat zwei kleine Kinder. „Sie ist ein Beispiel dafür, dass sich nicht nur Familie mit dem Beruf, sondern auch mit dem Aktivsein in der Politik vereinbaren lässt“, sagt Schünemann.

Nicht nur Umwelt, sondern auch Sozialpolitik ist wichtig

Konzepte für die Förderung des Radverkehrs und eine vernünftigere Anbindung der Altdörfer nach Altwarmbüchen gerade abends und am Wochenende oder auch Verbesserungen bei der Kinderbetreuung: Die Grünen in Isernhagen setzen scih bei weitem nicht nur im Bereich der Ökologie und des Umweltschutzes ein – auch wenn ihre seit Jahrzehnten erhobene Forderung nach einer Baumschutzsatzung im nächsten Umweltausschuss wieder einmal auf der Tagesordnung steht. Es gehe dabei, so Schünemann, nicht darum, Menschen die Entscheidungsfreiheit über ihren Besitz zu nehmen. Doch wirke sich das Verschwinden von prägenden alten Bäumen nun einmal unumkehrbar auf das Orts- und Landschaftsbild aus. „Da möchten wir einfach im Vorfeld eine Kontrollinstanz geschaffen haben.“

Gretha Burchard ist Vorsitzende und ein Teil der Doppelspitze der Grünen Isernhagen. Quelle: privat

Interview mit der Co-Vorsitzenden Gretha Burchard

Frau Burchard, was hat Sie veranlasst, nicht nur Mitglied im Isernhagener Ortsverband der Grünen zu werden, sondern sich auch gleich im Vorstand aktiv zu engagieren?

Ich war schon lange politisch interessiert und hatte mir vorgenommen, bei den Grünen Mitglied zu werden. Als die Grünen für die Europawahl Wahlhelferinnen und Wahlhelfer suchten, haben wir Kontakt aufgenommen. Und das war so supernett, dass mein Mann und ich im März eingetreten sind. Als klar war, es muss ein neuer Vorstand gewählt werden, habe ich gedacht: „Klar, es kostet Zeit. Aber wenn, dann richtig.“

Was sind die grünen Themen, mit denen Sie sich schon lange identifizieren?

An erster Stelle ist das die Gleichstellung. Nicht nur, weil ich auch in diesem Bereich arbeite – mein Doktorvater in den USA hat dazu auch viel geschrieben, daher bin ich schon seit langem mit dem Thema in Kontakt. Hier fühle ich mich bei den Grünen damit am besten aufgehoben. Über die Kinder bin ich zum Thema Umwelt gekommen – man möchte sie ja zum Beispiel vernünftig ernähren und dafür sorgen, dass es auf dieser Erde auch in 100 Jahren noch lebenswert ist. Mit der Baumschutzsatzung konnte ich zuerst nicht so viel anfangen. Aber mittlerweile finde ich auch das spannend.

Kindergärten und Schulen stehen ständig in der öffentlichen Diskussion.

Dadurch, dass ich selber Kinder habe, ist das natürlich auch mein Thema. Kürzlich haben wir darüber diskutiert, ob für die umziehende Grundschule Altwarmbüchen wirklich eine neue Straße gebaut werden muss, damit die Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und abholen können. Wir würden gerne mit Eltern und Verwaltung in einen offenen Dialog treten, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, um den Schulweg sicherer zu machen.

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