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Isernhagen Historischer Ortskern von Kirchhorst soll erhalten werden
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Isernhagen: Historischer Ortskern von Kirchhorst soll erhalten werden

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18:03 26.09.2019
Kirchhorst hat sich mit historischen Gebäuden wie der Kirche noch viel vom Charme und Charakter eines Dorfes bewahrt. Das soll auch so bleiben. Quelle: Sandra Köhler
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Kirchhorst

Den historischen Ortskern Kirchhorsts entlang der Steller Straße schützen und optische Wildwüchse verhindern: Das wollen die Isernhagener Politiker erreichen. Dazu hat die Gemeindeverwaltung den Vorentwurf einer sogenannten örtlichen Bauvorschrift erarbeitet. Mitglieder des Ortsrats sowie des Planungs- und Bauausschusses haben ihn ganz genau unter die Lupe genommen – und sehen noch Verbesserungspotenzial.

Wer sich nahe dem Kirchhorster Feuerwehrhaus auf der Steller Straße befindet, sieht auch von der Straße aus eine überdimensionale Werbetafel auf einem privaten Grundstück stehen. Genau solche Art Blickfänge soll die Bauvorschrift in Zukunft verhindern. Sie soll entlang der Steller Straße gelten, vom Kreisel bis zur Straße Alte Schanze, die nach Burgdorf führt. Und zwar nicht nur für die vorderen Grundstücke, sondern bis zur zweiten Baureihe.

Um in Zukunft große Werbetafeln wie diese auf der Steller Straße zu verhindern und den Charakter der Ortschaft zu erhalten, ist eine örtliche Bauvorschrift in Arbeit. Quelle: Sandra Köhler

Ausgehend von den örtlichen Gegebenheiten soll die Bauvorschrift regeln, in welcher Größe und mit welcher Beleuchtung Werbung zulässig ist. Zudem sind erlaubte Dachformen und Fassadenmaterialen, die Höhe und Art von Einfriedungen, Fenstern und Schaufenstern im Entwurf festgeschrieben. Auch der Bestandsschutz ist geregelt. Das ist wichtig für all jene, die neu oder umbauen wollen. Ziel der Vorschrift ist es, den Charakter des Ortes mit seinen historischen ortsbildprägenden Gebäuden zu erhalten. Höfe und Wohnhäuser aus Fachwerk und Backstein sind nicht nur typisch für Kirchhorst, sondern auch für die Isernhagener Altdörfer. An der dort gültigen Gestaltungssatzung haben sich die Planer orientiert.

Politiker haben Anmerkungen zum Entwurf

Dass sich die Politiker genau mit dem Vorentwurf beschäftigt hatten, zeigten in der Sitzung von Ortsrat sowie Planungs- und Bauausschuss zahlreiche Nachfragen und Anmerkungen. So wollte Sigrun Bilges (Grüne) wissen, ob Dachziegel aus Kunststoff ausgeschlossen seien, auch wenn sie optisch genauso erschienen wie richtige Ziegel. Und wie es denn mit Zäunen aus Kunststoffgeflecht aussähe. Beides sei nicht zulässig, antwortete Bauamtsleiterin Heike Uphoff. Ulrich von Rautenkranz (FDP) regte an, die maximale Höhe einzelner Dachaufbauten nicht auf ein Drittel der Trauflänge zu beschränken, sondern 66 Prozent zu erlauben. Zudem sprach er sich dafür aus, bodentiefe Fenster und Schaufenster an der Straßenseite zu limitieren, aber Metallgitterzäune und weiß-graue Verfugungen zu erlauben.

Bauamtsleiterin: Keine Schlupflöcher schaffen

Auch Fraktionskollege Christian Possienke hatte genau hingeschaut. So sei die geplante Vorgabe, bei Werbeschildern, etwa von Arztpraxen, einzelne Buchstaben in eine Fachwerkfassade einzubringen, zwar optisch gut gemeint, „aber nicht gut für die Bausubstanz“. Und bei dem Passus, Naturstein als Element zur Fassadengestaltung auszuschließen, könne es sich nur um einen Irrtum handeln: „Schließlich ist unsere schöne Kirche aus Natursteinen erbaut. Wenn da einmal etwas sein sollte, möchten wir die schon gern wieder so herstellen können“, sagte er. Uphoff mutmaßte, das Wort „nicht“ könne einfach irrtümlich in den Text geraten sein. Sie wolle dazu noch einmal Rücksprache halten.

Doch mehr als die einzelnen Regelungen bereitete dem FDP-Ratsherrn etwas anderes Kopfschmerzen: „Warum sind auf dem Plan einzelne Bereiche ausgenommen, speziell solche, in denen wirklich alte Höfe liegen?“, wollte er wissen. Das, erläuterte Uphoff, sei darin begründet, dass in diesen Bereichen bereits Bebauungspläne mit Vorschriften gelten würden. Sie erklärte sich aber bereit, noch einmal genau zu prüfen, ob sich dadurch wirklich keine Lücken und damit Schlupflöcher ergeben. Sowohl der Kirchhorster Ortsrat als auch die Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses sprachen sich einstimmig für den Vorentwurf aus, so denn die Ergänzungen eingearbeitet werden.

Geplant ist ein zweistufiges Verfahren. Als Nächstes steht die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an. Der Auftrag für die Erarbeitung der örtlichen Bauvorschriften ist extern vergeben. Geplant sind Kosten von 20.000 Euro

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