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Isernhagen Hühnermobil ist zu Gast an der IGS Isernhagen
Umland Isernhagen

Isernhagen: Hühnermobil ist zu Gast an der IGS

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18:10 07.06.2019
Mathilda (11) findet das Huhn „total süß“. Quelle: Frank Walter
Altwarmbüchen

Vorsicht tut not: „Ich weiß nicht, wie Caruso heute drauf ist. Er steht nicht so auf Männer. Da fliegen schon mal die Fetzen“, warnt Jens Könecke. Okay .... doch was so gefährlich klingt, entpuppt sich dann als harmlos: Caruso ist diesmal gnädig und würdigt den IGS-Leiter wie auch seine Begleiter keines Blickes.

Vier Wochen lang steht ein Hühnermobil an der IGS Isernhagen. Neun Hennen und ein Hahn sollen den Unterricht und den Schulalltag bereichern.

Caruso, nach seinem Artgenossen aus den „Pettersson & Findus“-Geschichten benannt, ist Hahn im Korb im Hühnergehege. Gemeinsam mit neun Hennen ist er im Auftrag der Region Hannover gerade vier Wochen lang an der Gesamtschule am Helleweg zu Gast. So lange teilen sich die Jugendlichen ihren Schulhof mit der kleinen Hühnerschar – und schulen dabei ganz nebenbei ihre Sozialkompetenz.

Hühner lassen sich auf den Arm nehmen

Die elfjährige Mathilda ist begeistert von der Henne, die sie gerade auf dem Arm herumträgt: „Total süß! Die schläft ja fast ein.“ Kein Wunder, dass das Huhn sich wohlfühlt, hat Mathilda doch ein Händchen für Tiere: Zwei Kaninchen, zwei Wellensittiche und ein Hund wuseln zu Hause herum, dazu stehen noch ein Pferd und ein Pony auf der Weide. Marlina (12) hat ebenfalls keine Berührungsängste mit den Hühnern. „Wir haben auch zwei Kaninchen. Meine Mutter hilft mir aber beim Versorgen.“

Schüler versuchen, die Hühner hervorzulocken. Quelle: Frank Walter

Fünf bis sieben Eier legen die IGS-Hennen jeden Tag. „Ich hab’ eins!“, ruft der zwölfjährige Nils und greift in den Auffangbehälter, der über der Deichsel am Hühnermobil-Anhänger befestigt ist. Mitschülerin Lilly (12) hält ihm die Pappschachtel hin, in der schon ein halbes Dutzend weitere Eier ganz unterschiedlicher Größe liegen. Ihre Fundstücke lassen sich die Gesamtschüler jede Woche schmecken – mal hartgekocht, mal nutzt die Catering-AG die Eier als Zutaten für Kuchen.

Kein Huhn gleicht dem anderen

David kennt sich schon richtig gut aus bei seinen tierischen „Mitschülern“: Alle Hennen sähen nicht nur unterschiedlich aus, sondern hätten auch ganz verschiedene Charaktere, hat der Zwölfjährige festgestellt. „Das Huhn da ist ein bisschen heller und hat einen grünen Ring am Bein.“ Das Huhn mit Namen Rosa sei ziemlich sensibel, ein rotes Exemplar wolle sogar gar nicht angefasst werden. Andere hingegen ließen sich gern hochnehmen. Schön warm fühle sich das an. „Es macht richtig Spaß, wenn sie einem das Futter aus der Hand picken“, sagt David.

Lehrerin Nadine Steiner, die das Projekt Hühnermobil gemeinsam mit ihren Kollegen Silke Brodersen und Jan Ahrenshop für die IGS Isernhagen betreut, ist zufrieden: „Die Hühner sind wunderbar zahm, und alles passiert freiwillig, keiner zwingt die Tiere zu irgendetwas.“ In der Vorwoche seien andere Jugendliche anfangs noch etwa zu stürmisch gewesen. Da seien die Hühner vor ihnen weggelaufen und hätten sich unter den Anhänger verzogen. „So haben die Schüler gleich gelernt, dass sie Geduld haben müssen. Dann kommen die Hühner von allein auf sie zu.“

Hahn Caruso zieht die Blicke auf sich. Quelle: Frank Walter

„Hühnerordnung“ als Verhaltenskodex

Die Verhaltensregeln sind in einer „Hühnerordnung“ geregelt, die alle vier sechsten IGS-Klassen, die sich in der Betreuung abwechseln, unterschreiben. „Auf die Tiere nehmen wir besondere Rücksicht. Wir sind leise, bewegen uns ruhig und erschrecken sie nicht“, heißt es beispielsweise im ersten von sieben Unterpunkten.

Wie die Hühner versorgt werden müssen, ist in einer Liste direkt am Hühnermobil vermerkt. Zweimal in der Woche muss der Futtertrog aufgefüllt werden, dreimal wöchentlich gibt es frisches Wasser. Sägespäne dienen nach dem Ausmisten als neues Einstreu, der Zaun muss auf Löcher kontrolliert, täglich muss nach dem Wohlbefinden der Hühner geguckt werden. Und wer sich wundert, warum bei der Morgenkontrolle noch kein Ei zu finden ist, der erfährt in der Liste auch, dass Hühner ihre Eier meist vormittags legen.

Biohof kooperiert mit der Region

Jede der sechsten Klassen ist eine Woche lang für die Tiere verantwortlich. Ihre Einweisung übernimmt Suzanne Petermeyer vom Biohof Rotermund-Hemme aus Brelingen, der für das Hühnermobil mit der Region Hannover kooperiert. Gefördert wird das Projekt, das 2017 an den Start gegangen war, auch weiterhin von der Sparkasse Hannover – in diesem Jahr sogar mit einem deutlich erhöhten Zuschuss von 24.000 Euro. Mit Rat und Tat stehen Lehrerin Nadine Steiner und ihre beiden Kollegen zur Verfügung, die dafür im Vorfeld auf dem Biohof selbst zwei Stunden lang die Schulbank gedrückt hatten.

Dass das Projekt das Schulleben bereichert, davon ist Nadine Steiner fest überzeugt: Gerade manche Schüler, die sonst wenig Motivation zeigten, blühten im Hühnergehege regelrecht auf. Sie lernten, Verantwortung für die Tiere zu übernehmen und erführen, wo das Lebensmittel Ei herkomme. „Dazu gehört auch, dass Masthähnchen und Legehennen keineswegs das Gleiche sind.“ Hahn Caruso, der weiter mit stolzgeschwellter Brust durch das Gehege stolziert, hätte das wohl auch gewusst.

Schüler übernehmen Verantwortung

Für Nikita war schnell klar, wo er sich einbringen wollte: bei der DLRG Isernhagen. Immerhin arbeitet sein Vater im Hallenbad Altwarmbüchen. „Ich habe zum Beispiel Trainingspläne erarbeitet und dann die Kinder im Bad mittrainiert – vom Seepferdchen bis zu den Jugendlichen“, berichtet der 14-jährige Gesamtschüler.

Genauso wie seine 124 Mitschüler im siebten Jahrgang der IGS Isernhagen war Nikita zwischen den Herbst- und den Osterferien für zwei Wochenstunden vom Unterricht freigestellt worden, um sich in der Gemeinde sozial engagieren zu können. Für das Projekt Verantwortung hatten sich die 13- und 14-Jährigen selbst Einrichtungen wie beispielsweise Kindertagesstätten, Kirchengemeinden, Pflegeheime, Feuerwehren oder Sportvereine gesucht, in denen sie sich regelmäßig einbrachten.

Die Organisation hatte Lehrer Malte Sprengel übernommen, verantwortlich für die Berufsorientierung an der IGS. Für den aktuellen siebten Jahrgang endete das Projekt nun mit einem Erfahrungsaustausch bei einer Messe in der Schule – wichtig gerade für die künftigen Siebtklässler, die nach den Herbstferien soziale Verantwortung übernehmen werden. Schulleiter Jens Könecke freut sich über den Erfolg: „Damit haben die Jugendlichen einen ersten Schritt zur beruflichen Orientierung gemacht und ganz nebenbei erfahren, wie sie schon als junge Menschen einen wichtigen Beitrag zum Zusammenleben in ihrer Gemeinde leisten können.“ Für Nikita eine nachhaltige Erfahrung: Er will der DLRG auch nach dem Ende des Projekts treu bleiben. Mittlerweile darf er sogar Wachdienste für die Lebensretter übernehmen – das erste Mal Mitte Juni am Altwarmbüchener See.

Von Frank Walter

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