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Isernhagen Moorfest Altwarmbüchen: Ortsrat ringt um Zuschuss
Umland Isernhagen Moorfest Altwarmbüchen: Ortsrat ringt um Zuschuss
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17:50 05.03.2019
Das Moorfest im Altwarmbüchener Zentrum lockt jedes Jahr mehr Besucher an. Quelle: Archiv (Carina Bahl)
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Altwarmbüchen

Die Höhe des Zuschusses für das Moorfest hat den Ortsrat Altwarmbüchen in seiner jüngsten Sitzung länger als erwartet beschäftigt. Am Ende stand eine Kampfabstimmung, die eine Antwort gab, aber auch Fragen hinterlässt.

Tausende feierten 2018 das Moorfest

Mehrere Tausend Menschen hatten im August 2018 das größte Moorfest alle Zeiten im Altwarmbüchener Zentrum gefeiert. Der Verein Kulturtresen, der die Organisation vom Ortsrat als langjährigen Ausrichter übernommen hatte, hatte für die 17. Auflage erstmals ein zweitägiges Fest auf die Beine gestellt – und damit ganz augenscheinlich den Geschmack des Publikums getroffen. Ob Naturschutzbund, Feuerwehr, Sport- oder Tauchverein, Kirchen, ADFC, Sozialverband, Helfernetzwerk oder Energiewerke: Das ganze Leben Isernhagens spiegelte sich an den rund 90 Ständen wider.

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Moorfest 2019 an drei Tagen

Für dieses Jahr will der Verein Kulturtresen nun sogar noch den Freitag als dritten Moorfest-Tag hinzunehmen. Im Grunde genommen geht es dabei um eine Verlagerung, die den Ehrenamtlichen wie den gewerblichen Ausstellern entgegenkommen soll: Das Moorfest soll bereits am Freitagabend starten, dafür soll am Sonntag aber auch bereits um 18 Uhr statt erst um 21 Uhr Schluss sein.

Durch die Ausweitung auf zwei Tage im Sommer 2018 hatten die Organisatoren erstmals einen Sicherheitsdienst stellen müssen. „Der kostet richtig Geld“, berichtete Daniela Latzel (FDP), zugleich Vorstandsmitglied beim Kulturtresen. Für das Moorfest in diesem Jahr rechnet der Verein laut des Vorsitzenden Heiko Weichert, für die Bürgerstimme Isernhagen ebenfalls Mitglied des Ortsrates, mit Kosten von rund 21.000 Euro. Den Etat deckt der Kulturtresen überwiegend durch Sponsoren. „Mancher hat seinen Summe gegenüber 2018 verdoppelt“, freute sich Weichert.

Widerstand im Ortsrat gegen höheren Zuschuss

Doch was die Anhebung des Zuschusses des Ortsrates von 1000 auf 1400 Euro anging, da bissen Weichert und Latzel bei ihren Kollegen im Gremium zunächst auf Granit. „Wir würden es bei 1000 Euro belassen wollen“, sagte Ingo Baade (CDU) und sah Ute Bobe (parteilos) dabei an seiner Seite. Das Moorfest gleich auf drei Tage auszuweiten, sei vielleicht ein bisschen zu schnell. „Man kann sich auch totwachsen“, stellte sich Bobe gegen den höheren Zuschuss und argumentierte zudem damit, dass man erst am Beginn des Haushaltsjahres sei und somit noch einiges an Förderungen vor sich habe.

Altwarmbüchens ehemalige Ortsbürgermeisterin Marlis Helfers (SPD), die sich ebenfalls beim Kulturtresen engagiert, konnte dieses Argumentation nicht nachvollziehen. „Die Ehrenamtlichen opfern ihre Freizeit, und das Moorfest wird überregional gut angenommen.“

Ortsrat hat viel Geld in der Kasse

Erst als Verwaltungsmitarbeiterin Claudia Halfen den aktuellen Kassenstand nannte, bröckelte der Widerstand. Der Ortsrat hat nicht nur fast 6500 Euro für 2019 auf der Habenseite, sondern auch noch mehr als 5500 Euro aus dem vergangenen Jahr übrig. Sie habe dies wegen der erheblichen Höhe schon der Kämmerei begründen müssen, sagte Halfen.

Am Ende stimmte nur Ute Bobe dagegen, den Zuschuss auf 1400 Euro zu erhöhen. Marlis Helfers, Melanie Bähre-Voltmer (CDU) und Ingo Baade stimmten dafür, Jessica Rothhardt (Grüne) enthielt sich. Daniela Latzel und Heiko Weichert nahmen wegen ihrer Betroffenheit als Kulturtresen-Vorstände an der Abstimmung nicht teil.

Der Kommentar

Das Moorfest hat unter der Regie des Kulturtresens enorm an Bedeutung gewonnen. Mehrere Tausend Menschen haben sich 2018 ein Wochenende lang im Altwarmbüchener Zentrum vergnügt und dabei gezielt oder nebenbei einen Eindruck davon bekommen, wie vielfältig das Vereinsleben in Isernhagen ist.

Sofern sie nicht wie der Tauchclub oder die Kleingärtner mit Bier oder Bratwurst erhebliche Einnahmen erzielen, kostet die örtlichen Vereine die Präsentation beim Moorfest keinen Cent Standgebühr. Eine besserer Bühne gibt es in der Gemeinde nicht, um sich als Verein darzustellen und neue Mitglieder zu werben. Und der Belebung des Zentrums, die der Rat als oberstes Ziel der Zentrumssanierung formuliert hat, wird das Fest ganz nebenbei auch noch gerecht.

Dass mancher im Ortsrat da ernsthaft diskutiert, ob das gewachsene Fest der Gemeinde 1400 Euro wert sein sollte, ist einfach nur peinlich. Das Niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz nennt die Förderung von Vereinen und Verbänden klar als Aufgabe der Ortsräte. Dafür erhält auch der Ortsrat Altwarmbüchen jedes Jahr einen Etat – und davon verdient das Moorfest einen gehörigen Anteil. Schließlich fördert man so nicht nur den Kulturtresen, sondern auch all die anderen Vereine, die sich am Fest beteiligen.

Statt die Ehrenamtlichen trotz übervoller Kasse zu Bittstellern zu degradieren, sollte jeder im Ortsrat endlich die Bedeutung des Moorfestes anerkennen und honorieren. Und dann in Richtung seiner Ratskollegen sogar die Frage aufwerfen, ob der Kulturtresen nicht wie die Musikschule, der Kulturverein Isernhagenhof und der Weihnachtsmarkt-Verein aus K.B. im Rahmen der Kulturförderung regelmäßig unterstützt werden sollte.

Von Frank Walter