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Isernhagen Gasthaus Lahmann hat endgültig geschlossen
Umland Isernhagen Gasthaus Lahmann hat endgültig geschlossen
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11:23 23.12.2018
Damit ist es jetzt vorbei: Babette und Jochen Schlein (Mitte) inmitten ihrer Mitarbeiter hinter dem Tresen im Saal des Gasthauses Lahmann.
Damit ist es jetzt vorbei: Babette und Jochen Schlein (Mitte) inmitten ihrer Mitarbeiter hinter dem Tresen im Saal des Gasthauses Lahmann. Quelle: Sandra Köhler
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Neuwarmbüchen

Eine Ära ist zu Ende gegangen: Mit Lahmann hat am Freitag das letzte Gasthaus im Ort geschlossen. Zum Abschied war es rappelvoll. Viele Stammgäste kamen mit Blumen und anderen Geschenken, um sich von Betreiber-Ehepaar Jochen und Babette Schlein zu verabschieden. Sie hatten die Gastwirtschaft seit 25 Jahren geführt, aber keinen Nachfolger gefunden.

Ein letztes Mal standen Jochen Schlein und sein Personal hinter dem Tresen und zapften, was das Zeug hielt – jedes 0,3-Liter-Getränk für einen Euro. „Als wir angefangen haben, gab es jedes Getränk für eine Mark, heute eben für einen Euro“, sagte der Gastwirt. Traurig sei er nicht, sagte der 62-jährige: „Nach 25 Jahren ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören.“ Die Arbeit habe schon auch körperlich ihre Spuren hinterlassen, ergänzte seine Frau. Mal zwicke die Hüfte, mal der Arm. Doch das sei halt so, wischte sie das beiseite: „Jetzt haben wir mehr Zeit für unseren Enkelsohn. Der hat schon die Tage gezählt.“

Rudi Reinhardt (von links), seine Frau Hannelore, Herbert und Irene Steffen sowie Gerald und Margarete Ratajczak bedauern die Schließung sehr. Quelle: Sandra Köhler

Umso größer war das Bedauern bei Stammkunden wie Rudi Reinhardt. „Das ist ein herber Verlust für den Ort“, sagte er: „Jetzt gibt es gar nichts mehr hier.“ Bestimmt seit 40 Jahren sei er ins Gasthaus Lahmann gekommen. „Schon als der Opa das Gasthaus noch geführt hat. Mit dem hatte ich zusammen Geburtstag“, erinnerte sich Reinhardt. Babette Schleins Vater, ihre Brüder, alle habe er erlebt. Erst kürzlich habe er noch seinen 77. Geburtstag im Saal gefeiert. Mit seiner Montagsrunde, einem – mitunter durch Ehefrauen erweiterten Herrenkreis – muss sich Reinhardt nun nach einem neuen Domizil umschauen. In Neuwarmbüchen wäre da nur noch die Klubgastronomie des FC denkbar. Runde Geburtstage, silberne und goldene Hochzeiten, bei denen sich der Ort in Lahmanns Saal traf: All das sei nun vorbei, sagte Margarete Ratajczak wehmütig.

John Pickering genießt ein letztes Bier im Gasthaus Lahmann. Quelle: Sandra Köhler

Auch der Kirchhorster Tenor John Pickering hatte sich auf ein letztes Bierchen in der Gaststube eingefunden. „Mit dem letzten Gasthaus geht auch eine Tradition zu Ende“, sagte er nachdenklich. Dorfgemeinschaften, in denen jeder jeden kennt, Geselligkeit, die nach Proben im Männergesangverein oder Übungsabenden im Sportverein noch in der Dorfgaststätte fortgeführt wird: Diese Zeiten seien wohl vorbei. Das bestätigte Jochen Schlein, der in etwas 30 Jahren im Gasthaus, das seit 1919 von Babette Schleins Familie geführt wurde, so einiges erlebt hat: „Vieles hat sich verändert“. Die Zeiten für Gaststätten in den Dörfern seien schwierig geworden: „Richtig schlimm geworden für die Kleinen ist es mit dem Rauchverbot.“ Das habe dazu geführt, dass das klassische „Feierabend-Bierchen“ und die Spätschoppen-Runden endgültig der Vergangenheit angehörten.

Von Sandra Köhler

23.12.2018