Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Isernhagen „Hänsel und Gretel“ kehrt auf die Bühne zurück
Umland Isernhagen „Hänsel und Gretel“ kehrt auf die Bühne zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:22 12.12.2018
Noch sind Hänsel (Clara Gottschlich, links) und Gretel (Skadi Boettcher) in ihrem Zuhause. Quelle: privat
Anzeige
Isernhagen


Anzeige

Meines Wissens nach haben wir mit unseren Solisten Clara Gottschlich als Hänsel und Skadi Boettcher als Gretel, beide zwölf Jahre alt, die einzigen Kinder in Deutschland, die diese Opernpartituren singen. Zuletzt hat ein Theater im Jahr 1954 versucht, die Oper mit Kindern zu besetzen. Danach hat sich das kein Theater mehr getraut. Überhaupt werden bei uns viele Rollen von Kindern gespielt. Das macht – im Zusammenspiel mit den Erwachsenen – den besonderen Reiz dieser Aufführung aus. Ein Highlight ist auch der Auftritt des Opernsängers John Pickering als Hexe.

Mehr als 80 Mitwirkende stehen auf der Bühne, wenn der Kinder- und Jugendchor Isernhagen und der Frauenchor Femmes Vocales die Inszenierung unter der Leitung von Anne Drechsel auf die Bühne bringen.

Ist Ihre Aufführung 100-prozentig originalgetreu?

Nein, in unserem Stück gibt es Figuren, die im Original nicht vorkommen. Bei uns tröstet beispielsweise ein Sandmännchen die ängstlichen Kinder bei Einbruch der Nacht. Eine Schar von Engeln bewacht ihren Schlaf, und ein fröhliches Taumännchen weckt sie am Morgen.

Und für welches Publikum eignet sich das Stück?

Es ist eine Oper für die ganze Familie. An dem schönen Stück haben kleine Kinder genau so viel Freude wie Erwachsene.

Wie viele Darsteller stehen denn auf der Bühne?

Wir haben zehn Solisten und 30 Mitglieder im Kinder- und Jugendchor, die sind im Alter von sechs bis 15 Jahren. Außerdem zehn Engel, die zwischen drei und acht Jahren sind, sowie 35 Sängerinnen des Frauenchors Femmes Vocales.

Aufführungszeiten und Ticketpreise

Die Aufführungen von „Hänsel und Gretel“ im Isernhagenhof, Hauptstraße 68 in F.B., beginnen am Sonnabend, 15. Dezember, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 16. Dezember, um 16 Uhr. Karten gibt es für 22, 18 und 14 Euro. Sie können im Vorverkauf bei der Buchhandlung Böhnert in Großburgwedel und in Isernhagen H.B. erworben werden. Restkarten sind, falls vorhanden, an der Abendkasse ab einer Stunde vor der Aufführung erhältlich.

Das ist ja eine ganze Menge. Und wie viele Akteure arbeiten hinter der Bühne?

Die Chöre machen das alles in Eigenarbeit. Die Sängerinnen der Femmes Vocales sowie Eltern der mitwirkenden Kinder haben die Requisiten besorgt, die Kostüme genäht und das Bühnenbild erstellt. Die Chordamen schminken die Kinder, helfen beim Anziehen der Kostüme und stellen während der Aufführung das Bühnenbild um. Sogar die Lagerung der Requisiten und des Bühnenbildes hat eine Mitsängerin ein Jahr lang übernommen.

Sie haben ja schon zahlreiche andere Aufführungen in großer Besetzung auf die Beine gestellt. Darunter waren „Carmina Burana“, „Les Misérables“ und „Die geDRECHSELte Zauberflöte“. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

In meiner Arbeit mit fünf Chören in Isernhagen merke ich, dass themenbezogene Projekte die Sänger und das Publikum am meisten ansprechen. So hat man ein Leitmotiv, unter dem die Aufführung steht.

In diesem Fall also „Hänsel und Gretel“. Und wie viel Arbeit stecken die Mitwirkenden in so eine Aufführung?

Wir proben seit zwei Monaten einmal wöchentlich, die Solisten natürlich häufiger. Da wir die Oper ja schon im vergangenen Jahr aufgeführt haben, ist es nicht ganz so arbeitsintensiv.

Weshalb zeigen Sie „Hänsel und Gretel“ denn noch einmal?

Die Resonanz im vergangenen Jahr hat uns völlig überwältigt. Beide Aufführungen waren ausverkauft, und viele, die das Stück gern gesehen hätten, haben keine Karte mehr bekommen. Deshalb bringen wir diese Oper nun noch einmal auf die Bühne.

Dabei geht doch bestimmt nicht immer alles glatt. Sind Ihrem Team auch schon einmal lustige Pannen passiert?

Natürlich! Bei einer der Aufführungen vor einem Jahr sollte die Mutter von Hänsel und Gretel einen Krug vom Tisch fegen. Sie riss gleich den ganzen Tisch mit um. Das Publikum war von so viel Action sichtlich beeindruckt. Niemandem ist aufgefallen, dass das nicht geplant war. Insgesamt lachen wir viel bei den Proben. Wenn man anderen zeigt, wie sie sich auf der Bühne bewegen sollen, muss man sich schon ab und zu mal zum Deppen machen.

Wie gelingt es Ihnen, auch jüngste Kinder dafür zu motivieren, auf der Bühne zu singen und zu schauspielern?

Mit ganz viel Motivation. Ich sage ihnen, wie toll sie sind. Und ich sage ihnen genau, was sie tun müssen.

Stehen in diesem Jahr die gleichen Sänger und Schauspieler auf der Bühne wie 2017?

Es sind fast die gleichen Mitwirkenden. Lediglich bei den Kindern sind einige neue hinzugekommen, weil andere aus ihrer Rolle herausgewachsen sind.

Anne Drechsel – Chorleiterin mit Leib und Seele

Nach dem Abitur studierte Anne Drechsel Gesang und Klavier an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Im Anschluss daran war sie viele Jahre lang als Solistin am Staatstheater Kassel und an der Staatsoper Hannover fest engagiert. Drechsel leitet in Isernhagen aktuell fünf Chöre: Neben dem gemischten Chor Vocal Ensemble leitet sie den Frauenchor Femmes Vocales, den Kinder- und Jugendchor Isernhagen, den Isernhagenchor 50plus und den Projektkammerchor 50plus. Seit 1994 zeigen die Konzerte unter ihrer Leitung ein abwechslungsreiches Spektrum der Musik von Klassik über Pop, Oper, internationale Folklore und Gospel bis zu choreographisch einstudierten Musicals. Mit den großen Produktionen „Geheimnis von Weihnachten“, „Feuerwerk der Chormusik“, „Die geDRECHSElte Zauberflöte“, „Les Misérables“ und „Carmina Burana“ hat sie Chorkonzerte der außergewöhnlichen Art auf die Bühne gebracht.

Wer für sich selbst oder sein Kind Interesse an Gesangsunterricht oder am Mitwirken in einem Chor hat, erreicht Anne Drechsel unter Telefon (0511) 734220.

Und was reizt Sie persönlich an „Hänsel und Gretel“?

Die wunderschöne Musik spricht mich sehr an. Lieder wie „Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh“, „Brüderchen, komm’ und tanz mit mir“ oder „Ein Männlein steht im Walde“ sind vielen Menschen bekannt – auch, wenn sie gar nicht wissen, dass sie aus „Hänsel und Gretel“ stammen. Die Oper ist ein klassisches Weihnachtsstück, aber eben auch etwas anderes als ein normales Weihnachtskonzert. Schlussendlich habe ich auch einen persönlichen Bezug zu „Hänsel und Gretel“: Ich habe acht Jahre lang die Gretel an der Staatsoper Hannover gesungen. Dabei ist mir diese Oper einfach ans Herz gewachsen.

Von Gabriele Gerner

Anzeige