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Isernhagen Ortsrat sieht das Dorfbild gefährdet
Umland Isernhagen Ortsrat sieht das Dorfbild gefährdet
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00:21 29.11.2018
Seit 1982, als dieses Bild entstand, hat sich die Steller Straße in Kirchhorst bereits stark verändert. Wo der weitere Weg hinführt, da sollte die Gemeinde ein Wörtchen mitreden, so der Ortsrat. Quelle: Archiv
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Kirchhorst

Braucht es für Kirchhorst eine Gestaltungssatzung wie für die Isernhagener Bauerschaften, um das Ortsbild zu schützen? Der Ortsrat meint ja – und nimmt die Baugenehmigung für eine große beleuchtete Werbetafel zum Anlass, auch für Kirchhorst eine solche örtliche Bauvorschrift zu fordern. Gegen die Baugenehmigung für die Werbeanlage sollte die Gemeinde zudem juristische Schritte prüfen, so die Forderung.

„Wir wollen das nicht. Das ist hässlich und passt nicht ins Ortsbild“: Kirchhorsts Ortsbürgermeister Herbert Löffler macht keinen Hehl daraus, was er und seine Ortsratskollegen von der großen Werbeanlage halten, für die die Region Hannover kürzlich die Baugenehmigung erteilt hatte. Die Behörde hatte das Vorhaben damit baurechtlich anders beurteilt als die Gemeinde Isernhagen, die zuvor ihr Einvernehmen versagt hatte.

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Geplant ist die Anlage mit einer beleuchten Werbefläche von neun Quadratmetern je Seite auf einem Grundstück an der Südseite der Steller Straße zwischen St.-Nikolai-Kirche und Feuerwehrhaus. Auf einem 2,50 Meter hohen Mast montiert, soll die Oberkante der Reklametafel 5,30 Meter über dem Erdboden liegen. „Desolat für unser Straßenbild“, findet das Löffler und sieht damit auch die Planungen für die neue Dorfmitte beeinflusst, die neben dem Feuerwehrhaus entstehen soll.

In einem Eilantrag an den Planungs- und Bauausschuss, der am Dienstag, 27. November, ab 18.30 Uhr im Rathaus tagt, fordert der Kirchhorster Ortsbürgermeister in Absprache mit seinen Ortsratskollegen deshalb nun, dass die Gemeinde rechtliche Schritte gegen die Baugenehmigung prüft. Gegebenenfalls müsse man, um Fristen zu wahren, Widerspruch einlegen oder gleich Klage einreichen, um die „überdimensionierte Werbeanlage“ zu verhindern. Ob der Ausschuss die Eilbedürftigkeit anerkennt, entscheidet sich erst in der Sitzung.

Doch der Ortsrat Kirchhorst will das Thema auch grundsätzlich angehen: Um gegen ähnliche Vorhaben künftig gewappnet zu sein, fordert der Antrag nun die Aufstellung einer örtlichen Bauvorschrift („Gestaltungssatzung“). Der Geltungsbereich soll die erste und zweite Baureihe an der Steller Straße vom Kreisel bis zum Abzweig nach Beinhorn umfassen. Die Gestaltungssatzung würde überall dort gelten, wo kein Bebauungsplan existiert, und könnte beispielsweise Dachformen und -farben, die Materialien und Farben von Außenwänden und die Art von Zäunen und Mauern vorgeben. Auch Größe und Form zulässiger Werbeanlagen ließen sich definieren. Die Bauvorschrift für die Altdörfer beispielsweise begrenzt solche Anlagen auf zwei Quadratmeter Ansichtsfläche. Allerdings gilt Bestandsschutz, weshalb die Gemeinde gegen die bereits genehmigte Werbeanlage gesondert vorgehen müsste.

Die Steller Straße sei im wesentlichen von Fachwerk- und Klinkerhäusern geprägt, begründet Löffler seinen Antrag. Dies habe sich durch Neubauten mit Zäunen als Sichtschutz schon ein Stück weit gewandelt. Für die Zukunft sei deshalb zu klären, welche Anforderungen an ein zeitgemäßes Wohnumfeld gestellt werden sollten, „ohne den historischen Charakter aus dem Erscheinungsbild zu verlieren“.

„Für die Steller Straße macht eine Gestaltungssatzung Sinn“, ist Ortsbürgermeister Löffler überzeugt. Damit könne die Gemeinde gestalterisch mitwirken. „Wir wissen ja nicht, was da sonst noch so alles kommt.“

Große Wohnanlage in N.B. geplant

Wenn die Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses am Dienstag, 27. November, um 18.30 Uhr im Rathaus zu ihrer öffentlichen Sitzung zusammenkommen, dann steht auch eine Bauvoranfrage für eine große Wohnanlage in Isernhagen N.B. auf der Tagesordnung. Der Antragsteller will abklären, ob er auf einem schmalen Grundstück an der Straße Am Ortfelde unweit der Grenze zu K.B. 14 Wohneinheiten samt Tiefgarage errichten dürfte. Die Gemeindeverwaltung sieht das Vorhaben kritisch.

Weitere Tagesordnungspunkte befassen sich mit Änderungen der Abwasser- und Straßenreinigungsgebühren, den Anträgen der Ortsräte zum Haushalt 2019, den Planungen für die neue Kita am „Birkenwäldchen“ und das Gewerbegebiet am Baubetriebshof in Altwarmbüchen sowie den Abschlussbericht zum Dorfentwicklungsprozess in Kirchhorst.

Zuhörer können sich wie stets bei öffentlichen Sitzungen zu Beginn Fragen beantworten lassen.

Von Frank Walter