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Isernhagen Saisonstart: Im Bauernhausmuseum dreht sich alles um Hygiene
Umland Isernhagen Saisonstart: Im Bauernhausmuseum dreht sich alles um Hygiene
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14:04 05.05.2019
Die neue Vorsitzende des Vereins Nordhannoversches Bauernhausmuseum Ute Schaumann begrüßt die Gäste zur Saisoneröffnung, Inge Hanslik(rechts) führt anschließend in die Sonderausstellung ein. Quelle: Sandra Köhler
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Isernhagen N.B.

Die Saison im Bauernhausmuseum Wöhler-Dusche-Hof in Isernhagen N.B. ist seit Sonntag offiziell eröffnet. Bei Kaffee und Zuckerkuchen aus dem historischen Backhaus begrüßte die neue Vereinsvorsitzende Ute Schaumann rund 50 Gäste. Bis Oktober ist das Museum jeweils sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet – und damit auch die sehenswerte Sonderausstellung „Reinlichkeit und Gesundheit“. „Da kommen Erinnerungen auf“, sagte N.B.s Ortsbürgermeister Günter Leydecker angesichts der von Inge Hanslik zusammengestellten Schau: „An Nachttopf und Plumsklo bei meinen Großeltern kann ich mich noch gut erinnern. “ Allerdings habe sein Opa väterlicherseits beim Bau seines Hauses in den Zwanzigerjahren bereits eine damals ebenso ungewöhnliche wie viel bestaunte Toilette mit Wasserspülung installieren lassen.

Welch enormen Anteil Hygiene und der Zugang zu sauberem Wasser für die Gesundheit im 19. und 20. Jahrhundert auf dem Land hatte, davon zeugt die aktuelle Sonderausstellung im Bauernhausmuseum.

Im Haupthaus auf dem Wöhler-Dusche-Hof sowie an fünf Stationen auf dem Außengelände erfahren Besucher, wie es um die Hygiene und damit auch um die Körper- und Gesundheitspflege im ländlichen Raum in der Zeit von 1850 bis 1950 bestellt war. Wasser kam nicht aus der Leitung, sondern wurde mühsam aus Brunnen mit einer Schwengelpumpe geholt. „Der Misthaufen durfte nicht zu nahe am Brunnen angelegt sein, damit die Fäkalien nicht ins Wasser gerieten“, berichtete Wolfgang Reich vom Vereinsteam. Aus hygienischen Gründen bleibt der Misthaufen in der aktuellen Ausstellung dann auch eine virtuelle Station. Die Tiere im Bauernhaus mussten sich die Besucher ebenfalls vorstellen. „Dafür brauchen sie jetzt ein wenig Fantasie“, sagte Kuratorin Hanslik bei ihrer Einführung.

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Mehr Hygiene erst nach Epidemien

Der Umstand, dass damals Mensch und Tier in einem Gebäude hausten – die Schlafstätten der Knechte und Mägde befanden sich über den Kuhställen – diente der Hygiene ebenso wenig wie der Badetag, bei dem die ganze Familie nacheinander im gleichen Wasser in einer Zinkwanne badete. „Damals wusste man noch nicht viel darüber, wie wichtig Hygiene für die Gesundheit ist“, sagte Hanslik. Erst Epidemien, wie der Ausbruch der Cholera 1892 in Hamburg mit 8500 Todesopfern und der Typhusepidemie 1926 in Hannover, hätten zu einem Umdenken geführt. „Man vermittelte den Schülern fortan das Händewaschen und hoffte, dass das so auch in den Familien Eingang finde“, sagte Hanslik.

Von Sandra Köhler