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Isernhagen Trinkwasser ist braun – Wasserverband spült die Leitungen
Umland Isernhagen

Isernhagen: Trinkwasser ist getrübt – Wasserverband spült die Leitungen

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00:17 07.06.2019
An der Hagenstraße erneuern Arbeiter eine Frischwasserleitung. Quelle: Frank Walter
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Isernhagen H.B./ N.B./ Bissendorf-Wietze

Statt durchsichtig frisch sprudelt eine braune Brühe aus den Wasserhähnen: Dieses Phänomen haben in den vergangenen Tagen mehrere Bewohner der Isernhagener Altdörfer erlebt. Zurückzuführen ist es auf die Leitungsarbeiten des hannoverschen Versorgers Enercity an der Hagenstraße. Mit den Auswirkungen muss sich der Wasserverband Nordhannover auseinandersetzen.

Trinkwasser läuft braun aus dem Hahn

Am Mittwochmorgen floss braun eingefärbtes Wasser aus dem Hahn, am Nachmittag sprudelte es dann fast wieder klar – so hat es eine Anwohnerin des Rehbockswegs in H.B. erlebt. Doch damit war es nicht überstanden: Am Sonntagmorgen war die Trübung noch stärker als zuvor und „extrem eklig“. Auch in anderen Wohnungen am Rehbocksweg trat dieses Phänomen auf – und offenbar noch darüber hinaus: Betroffen sind laut Volker Krebs, Geschäftsführer beim Wasserverband Nordhannover, Anschlüsse in ganz H.B., in den westlichen Gebieten N.B.s sowie in Bissendorf-Wietze.

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Die Ursache liegt jedoch nicht in der Verantwortung des Wasserverbands, sondern beim Versorger Enercity. Dieser lässt in Isernhagen seit einigen Monaten eine Frischwasserleitung erneuern, die im Sommer 2017 mehrfach geplatzt war. Diese Leitung und eine zweite, die anschließend erneuert werden soll, versorgen die Landeshauptstadt mit Wasser aus dem Fuhrberger Feld. Doch nicht nur Hannover bezieht dieses Wasser durch diese Leitungen, auch der Wasserverband Hannover ist ein Abnehmer.

Eisen- und Manganablagerungen lösen sich

Statt klaren Wassers landet eine braune Brühe in dieser Badewanne am Rehbocksweg. Quelle: privat

Durch die Bauarbeiten, so Enercity-Sprecher Dirk Haushalter, sei es in den Trinkwasserleitungen zu Änderungen der Fließrichtung mit deutlich höheren Strömungsgeschwindigkeiten gekommen. „Hierdurch werden gesundheitlich und bakteriologisch völlig unbedenkliche, über Jahre entstandene Eisen- und Manganpartikelablagerungen in den Rohrleitungen aufgewirbelt und machen sich teils auch am häuslichen Zapfhahn bemerkbar.“ Im Fachjargon spreche man vom sogenannten Braunwasser-Phänomen.

Gemeinsam mit dem Wasserverband Nordhannover sei die Ursache mittlerweile behoben worden. Es könne jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis das Wasser wieder in allen Haushalten klar aus dem Hahn laufe, so der Enercity-Sprecher.

Wasserverband spült die Leitungen

An diesem Ziel arbeite man derzeit mit Hochdruck, sagt Krebs. Auch er betont, dass die „Eisenwolke nicht gesundheitsschädlich“ und „ein rein ästhetisches Problem“ sei. Dass die Wolke sich so stark ausgebreitet habe, daran trage auch die Gemeindefeuerwehr eine Mitverantwortung. Tatsächlich hatte diese es versäumt, den Wasserverband über ihre 24-Stunden-Übung am Wochenende zu informieren. Gemeindebrandmeister Clive von Plehn räumt das ein, zweifelt aber an, dass die Übung großen Einfluss hatte – schließlich habe man „keine riesigen Wasserspiele gemacht“.

Vier bis fünf Arbeitskolonnen sind laut Krebs damit beschäftigt, das Leitungsnetz zu spülen. Dabei werde aus etwa jedem zweiten Unterflurhydranten Wasser entnommen und so lange in den nächsten Graben oder Regenwasserkanal geleitet, „bis das Wasser klar ist“. Durch eine intensivere Absprache mit Enercity wolle man verhindern, dass es zu neuen Verunreinigungen komme. „Wir hoffen, dass sich die Probleme bis Pfingsten erledigt haben.“

Von Frank Walter