Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Isernhagen Ausprobiert: Mitgeholfen beim Weihnachtsmarkt in Isernhagen K.B.
Umland Isernhagen

Isernhagen: Weihnachtsmarkt in K.B.: Wollsocken wärmen beim Verkauf

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:54 15.12.2019
Katerina Jarolim-Vormeier sammelt am Karussell bei Finn den Fahrschein ein. Quelle: privat
Isernhagen K.B

Wie anstrengend ist die Arbeit im adventlichen Budendorf? Das möchte ich am Sonnabend auf dem Weihnachtsmarkt in Isernhagen K.B. herausfinden und helfe deshalb an einigen Ständen mit, an denen Ehrenamtliche im Einsatz sind. Was mich dort alles erwartet, hätte ich nie gedacht.

Erster Einsatz beim Helfernetzwerk Isernhagen

Meinen ersten Einsatz absolviere ich beim Helfernetzwerk Isernhagen. Ich schlüpfe durch die Holztür in die Bude, drinnen ist es richtig eng. Regina Steinmann absolviert dort mit Hazima und Jinda ihre „Schicht“. Das Helfernetzwerk kümmert sich mittlerweile seit sechs Jahren um Flüchtlinge in der Gemeinde.

Auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen Steinmann und die jungen Frauen aus Syrien und dem Irak allerlei Produkte, die sie mir kurz vorstellen. Darunter finden sich Marmeladen, Gelees, Kekse und vieles mehr. Die Preise kann ich mir auf die Schnelle nicht merken, dafür sind es zu viele Waren. Dann steht auch schon die erste Kundin da. Annemarie von Rad kauft ein weihnachtliches Gelee. „Was kostet es?“, frage ich ahnungslos. „Fünf Euro“, antwortet mir Hazima – und der erste Artikel ist verkauft.

Skiunterwäsche und Wollsocken wärmen

Meine Finger sind jetzt schon kalt und ein wenig auch die Füße – und das nach 20 Minuten, trotz Daunenjacke und Winterstiefeln. Ich will wissen, was die Frauen alles tragen, damit sie warm bleiben. „Ich habe gestern gelernt und trage heute Skiunterwäsche und Wollsocken“, erzählt mir Regina Steinmann. Damit die Füße in der Bude nicht ganz so eisig werden, wurden Holzpaletten samt Teppich auf das Kopfsteinpflaster gelegt.

So komfortabel ist es am Stand des Lions Clubs Isernhagen nicht, meine zweite Station an diesem Tag. Alle tragen festes Schuhwerk auf den kalten Steinen – und dicke Winterjacken. „Wie am Nordpol“, scherzt „Löwe“ Harald Riedel. Präsident Hans-Werner Knebel weist mich ein. Es gibt viele warme Getränke mit und ohne Schuss oder Sahne und dazu Kekse. Diese hatten die Lions vorab wieder in der Backstube Rathmann gebacken – alles für einen guten Zweck: Der Klub unterstützt etliche lokale Kinderprojekte.

Bei den Lions erledige ich den Abwasch

Weil sich gerade viel Abwasch angesammelt hat, helfe ich zunächst Karin Riedel. Sie spült, ich trockne die Becher ab. Anschließend verkaufe ich zwei Tüten Kekse und nehme Becher gegen Pfand entgegen. Zum Ausschenken von Glühwein und Co. komme ich gar nicht – und erspare mir so mögliche Rotwein-Flecken auf der Jacke.

Vielleicht hätte ich mir besser doch ein Heißgetränk greifen sollen – mittlerweile spüre ich meine Hände und Füße nicht mehr. Als ich am Kinderkarussell ankomme, sorgen die strahlenden Kinderaugen immerhin innerlich für Wärme. Ich darf am nostalgischen Karussell den Starthebel bedienen – und bin mächtig stolz. Ohne einen kleinen Anschubser setze sich das Karussell allerdings nicht in Bewegung, erklärt Dominik Melbert, während ich die Fahrscheine der Kinder einsammele. Der 24-Jährige hat das Fahrgeschäft von seinem Großvater übernommen – und trägt gerade drei Schichten Kleidung übereinander. „Das muss sein.“

Als Nächstes helfe ich bei der K.B.er Feuerwehr aus, meine Füße und Hände frieren noch immer. Im Gerätehaus qualmt es tüchtig. Die Einsatzkräfte wissen aber, warum: Sie grillen die beliebten Bratwürstchen und Schinkengriller und frittieren Kartoffelscheiben. Der Andrang ist wie immer groß. In einer langen Schlange stehen die Menschen an.

Feuerwehr nimmt neues Bestellsystem in Betrieb

Der stellvertretende Ortsbrandmeister Andreas Wegener teilt mich ein. Ich darf die Soße für die Bratcurry auf die Pappschalen gießen – mit weißer Schürze und schwarzen Gummihandschuhen, Hygiene muss sein. Die Feuerwehr hat mächtig zu tun. „Das kennen wir schon“, sagt Wegener. In diesem Jahr hat die Feuerwehr darauf reagiert und ein neues Bestellsystem in Betrieb genommen. Dafür nutzt sie ein Tablet – und die Wartenden erhalten einen Abholschein. Ob sich das bewährt? Das könne man erst am Ende des Weihnachtsmarkts bilanzieren, meint Wegener.

Auf meinen letzten Einsatz freue ich mich sehr, endlich werde ich wieder auftauen. Im Adventscafé in der Alten Schule ist es mollig warm. Wieder helfe ich beim Tragen dreckigen Geschirrs. Ilona Papenberg und Karin Tolle haben den ganzen Nachmittag gespült. Mittlerweile seien die Hände aufgeweicht, berichtet die 63-jährige Papenberg. Sie kennt das schon, hat deshalb eine Handcreme dabei. Insgesamt 40 Torten, schätzt Organisatorin Margrit Forstreuter-Künstler, verkaufe man beim Weihnachtsmarkt – „und ein Teil geht an das Kinderhospiz Löwenherz“.

Nach drei Stunden ist meine Mission beendet. Ich habe erst mächtig gefroren, mich dann aber wieder aufwärmen dürfen – und festgestellt, dass die Arbeit auf dem wunderschönen Weihnachtsmarkt in K.B. schlaucht. Die Beine tun weh – nicht nur den ehrenamtlichen Helfern.

Verkaufen, abwaschen, Tickets einsammeln und Geschirr tragen: Unsere Mitarbeiterin Katerina Jarolim-Vormeier hat beim Weihnachtsmarkt an der St.-Marien-Kirche in Isernhagen K.B. mit angepackt.

Am Sonntag, 15. Dezember, ist der Weihnachtmarkt rund um die St-Marien-Kirche noch einmal von 14 bis 20 Uhr geöffnet.

Lesen Sie auch

Von Katerina Jarolim-Vormeier

Gleich vier Einbrüche in Isernhagen meldet die Polizei. Drei der Diebstähle ereigneten sich in Neuwarmbüchen – möglicherweise gehen sie auf das Konto derselben Täter.

15.12.2019

Reise in die Vergangenheit: Der Autor und Herausgeber Renatus Deckert hat Neunt- und Elftklässlern des Gymnasiums Isernhagen Einblicke in die ehemalige DDR gewährt. Für die Gymnasiasten, die dieses System nie selbst kennengelernt haben, gab es dabei einige Überraschungen zu erleben.

14.12.2019

Die nächsten Jahre werden für Isernhagen extrem teuer: Der Rat der Gemeinde hat am Donnerstagabend den Haushalt 2020 verabschiedet – ein Weg, den längst nicht jeder mitgehen wollte.

14.12.2019