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Isernhagen Erzieherin kann nicht arbeiten, weil Krippenplatz für ihr Kind fehlt
Umland Isernhagen

Isernhagen: Weil Kitaplatz fehlt: Erzieherin kann nicht arbeiten

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18:15 19.11.2019
Baby Nils braucht dringend einen Krippenplatz, damit seine Mutter Nadine Wiezoreck arbeiten kann. Als staatlich geprüfte Erzieherin hat sie gute Chancen auf eine Stelle. Ihr Mann Marc hofft, dass es sowohl mit einem Job für seine Frau als auch einem Platz in einer Kita für seinen Sohn klappt. Quelle: Gabriele Gerner
Altwarmbüchen

Nadine Wiezoreck hängt in der Schwebe. Die 30-Jährige sucht einen Krippenplatz für ihren bald einjährigen Sohn Nils – und einen Arbeitsplatz. Ihr Problem: Erhält sie einen Job, ohne einen Betreuungsplatz sicher zu haben, kann sie die Arbeitsstelle nicht antreten. Und solange sie keinen Arbeitsvertrag vorlegen kann, rutscht sie mit der Bewerbung um einen Krippenplatz für ihren Sohn auf der Prioritätenliste der Gemeinde nach hinten – trotz des gesetzlichen Anspruchs ihres Sohnes auf einen Platz, der wie für alle Kinder ab dem ersten Geburtstag gilt. Diesen feiert Nils am 31. Dezember.

Brisant ist das Thema, weil Nadine Wiezoreck, die seit August 2018 in Altwarmbüchen wohnt, Erzieherin ist. Sie würde wohl sehr schnell eine Arbeitsstelle bekommen, denn Erzieherinnen werden auch in Isernhagen händeringend gesucht. Aktuell bietet die Gemeinde vier Voll- und sechs Teilzeitstellen für Erzieher und Sozialassistenten in gemeindlichen Kitas an. Doch was, wenn Nadine Wiezoreck eine Zusage für eine Stelle bekommt, dann jedoch kein Krippenplatz für Nils frei ist? Auch ein Gespräch bei Isernhagens Bürgermeister Arpad Bogya und Silvia Voltmer, Leiterin des Amtes für Jugend, Bildung und Sport, brachte die jungen Eltern bei der Beantwortung dieser Frage nicht wirklich weiter.

Erzieherin will gern in einer Krippe arbeiten

Verliert Isernhagen möglicherweise eine dringend benötigte Erzieherin an eine Nachbarkommune, weil die Gemeinde ihr zwar eine Stelle in einer Kita anbieten könnte, jedoch keinen Betreuungsplatz für das eigene Kind? „In Hannover oder Burgwedel zu arbeiten wäre auch eine Option für mich“, sagt Nadine Wiezoreck. „Allerdings würde ich eine Arbeit in Isernhagen bevorzugen, schon allein wegen der kürzeren Wege.“ Andere Betreuungsmöglichkeiten für Nils sehen sie und ihr Mann nicht. „Großeltern, die sich um unser Kind kümmern können, haben wir nicht in der Nähe“, sagt Marc Wiezoreck. Der 29-Jährige ist Geschäftsführer einer IT-Firma. „Die Krippen-Eingewöhnung meines Sohnes könnte ich notfalls begleiten, falls meine Frau sofort eine Arbeitsstelle antreten sollte.“

„Im Moment möchte ich am liebsten in einer Krippengruppe arbeiten. Das liegt mir besonders“, so Nadine Wiezoreck. Die 30-Jährige will unbedingt arbeiten, sie liebt ihren Beruf. Die Vorstellung, sich zum 1. Januar 2020, wenn das Elterngeld ausläuft, beim Jobcenter arbeitssuchend zu melden, ist für sie ein Graus. Ihr Mann kann es nicht verstehen, dass die Gemeinde nicht flexibler auf die hohe Nachfrage nach Betreuungsplätzen reagiert. „Es muss doch möglich sein, Not-Einrichtungen zu schaffen, indem man Kitas in Containern einrichtet“, meint er.

Rund 75 Kita-Plätze fehlen in Isernhagen

Ganz so einfach ist das leider nicht: Auch ein Container brauche eine Baugenehmigung und eine Betriebserlaubnis, „das hilft uns jetzt nicht“, sagt Amtsleiterin Silvia Voltmer. Sie setzt vielmehr auf die beiden neuen Kitas, die im Sommer 2020 im Birkenwäldchen in Altwarmbüchen und in der Alten Schule in F.B. ihren Betrieb aufnehmen werden. Denn aktuell fehlen in Isernhagen reichlich Betreuungsplätze: Rund 50 sind es im Kindergarten-Bereich, für alle besteht ein Rechtsanspruch. Hinzu kommen 25 Plätze für Krippenkinder, wobei neun dieser Kinder erst 2020 ihren ersten Geburtstag feiern, ab dem ein Rechtsanspruch besteht. Und auch die Plätze in der Kindertagespflege sind gerade überlaufen.

Dabei irrt, wer glaubt, dass neues Personal sofort auch neue Kita-Plätze brächte. Aktuell behilft sich die Gemeinde beispielsweise mit Zeitarbeitsfirmen, bis die Stellenausschreibungen Erfolg haben. „Wie andere Kommunen, die ebenfalls Erzieher suchen, freuen wir uns über Bewerbungen. Es gibt aber keine Gruppe, in der wir Plätze freilassen müssen, weil uns Personal fehlt“, betont Voltmer.

Voltmer: Vergabesystem muss rechtssicher sein

Das eine ist der Fachkräftemangel im Kita-Bereich, das andere ist die Platzvergabe nach dem vom Rat beschlossenen Punktesystem. „Das sind zwei voneinander getrennte Systeme“, macht die Amtsleiterin unmissverständlich klar – und anders dürfe es auch nicht sein. „Wir dürfen Arbeitssuchende nicht mit Berufstätigen gleichsetzen oder bestimmte Berufsgruppen vorrangig berücksichtigen. Wir können doch nicht sagen, dass wir bei der Platzvergabe zum Beispiel Erzieher-Kinder denen von Rechtsanwälten vorziehen. So eine Verquickung funktioniert nicht.“ Mit Blick auf mögliche juristische Schritte müsse die Gemeinde „ein transparentes, gerechtes und rechtssicheres Vergabesystem“ haben, so Voltmer.

Davon abgesehen: „Auch das würde ja nichts daran ändern, dass wir aktuell keinen Krippenplatz frei haben“, so Voltmer. Sie kann das Ehepaar Wiezoreck nur auf die Online-Anmeldung für die Kita-Plätze ab Sommer 2020 verweisen. Diese ist vom 2. Dezember bis 31. Januar auf der Website kita.isernhagen.de (ohne www) möglich. Nils’ Chancen auf einen Krippenplatz im Sommer nächsten Jahres mit dann eineinhalb Jahren schätzt Voltmer dabei als „sehr, sehr groß“ ein – vor allem wegen der zusätzlichen Plätze durch die beiden neuen Kitas.

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