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Isernhagen Kirchhorster See: Idyll der vielen Ideen
Umland Isernhagen Kirchhorster See: Idyll der vielen Ideen
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00:19 06.08.2018
Blick vom Westufer über den Kirchhorster See. Quelle: Frank Walter
Kirchhorst

 An die wechselhafte Geschichte des Kirchhorster Sees erinnert an diesem Morgen nichts. Die Handvoll Sonnenhungriger auf der Liegewiese und die paar Hundehalter können das Naturerlebnis nicht schmälern. Am Ufer sucht sich eine Gans ihr Frühstück. Ein einsames Blässhuhn dreht seine Runden, Libellen schwirren über die Wasseroberfläche, unter der kleine Fische über den sandigen Grund huschen.

Entstanden Ende der Fünfzigerjahre als Baggersee beim Ausbau der A7, 1969 offiziell als Badesee eingeweiht – viel mehr Wissenswertes ist auch in der Mitmach-Enzyklopädie Wikipedia nicht vermerkt.

Vier Hektar klein und 7,50 Meter tief, hat der Kirchhorster See eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Auch heute tauchen immer wieder Ideen auf, was sich so alles am Ufer verwirklichen ließe.

Eintrittsgeld für die Gemeinde, Wasser für die Erdbeeren

Wer der Geschichte des Kirchhorster Sees nachspüren will, muss mit Menschen sprechen, deren Leben mit dem See verbunden ist. Klaus Gosch beispielsweise, dessen Familie die vier Hektar große Wasserfläche gehört, kann sich noch gut an die alten Zeiten erinnern. Den See hatte die Landwirtfamilie damals wie heute an die Gemeinde verpachtet, die den Schwimmbetrieb in den Siebzigern mit Eintrittsgeld und einem fest angestellten Bademeister regelte. Geregelt war auch die Wasserentnahme für die gegenüberliegenden Felder des damaligen Erdbeerhofs Gosch, die an den Wochenenden die Ausflügler in Scharen lockte.

Per Sprungturm vom Steg

Wasser wird auch heute noch entnommen. Leitungen führen zu Goschs Äckern und sichern im heutige Gewerbegebiet Erdbeerfeld und an der Glockenheide die Löschwasserentnahme. Für die Wasserqualität ist die Entnahme für die Feldberegner sogar nützlich: Dadurch könne laut eines Gutachtens Wasser aus den sieben Quellen in den See nachlaufen. „So gibt es kein Problem mit Blaualgen“, sagt Klaus Gosch. Bis mit dem Altwarmbüchener See Anfang der Achtzigerjahre ein deutlicher größerer Konkurrent entstand, kamen an heißen Tagen manchmal mehrere Tausend Badegäste sogar aus Hannover nach Kirchhorst. Der alte Steg, der heute längst erneuert ist, war damals sogar noch mit einem Sprungturm ausgestattet.

Die ehemalige Ortsbürgermeisterin Renate Vogelgesang kann sich noch gut an ihre erste Begegnung mit dem 1969 eröffneten Autokino erinnern, das sich einen Steinwurf vom See entfernt noch bis 1992 mehr schlecht als recht gegen die neue Multiplex-Konkurrenz behauptete: Als 18-Jährige sah sie Burt Reynolds in „Der Tiger hetzt die Meute“. Viel Trubel habe damals im Autokino geherrscht, aber sich leider längst nicht jeder gut benommen.

Autokino und Seefeten locken Tausende

20 Jahre lang war Renate Vogelgesang Ortsbürgermeisterin – und hat in dieser Zeit unzählige Ideen für den See kommen und gehen sehen. Gern erinnert sie sich an die riesigen Feten, bei denen die CDU bis zu 3000 Menschen bewirtete. Die Nachfolgeveranstaltung, das alljährliche Anschwimmen der dann stets witzig kostümierten Christdemokraten, hat sie nur einmal wegen eines Gipsarms verpasst. Das Anschwimmen im Schneeschauer 2016 hätte sie sich gern gespart – aber dann auch den Anblick der Airforce One verpasst, die den US-Präsidenten Barack Obama gerade über den See flog.

Von dem Idyll am See wollten nach dem Aus für das Autokino immer wieder Auswärtige profitieren – wobei diese vor allem auf die gute Anbindung über die nahe A7 schielten. Was gab es nicht alles für Pläne, mit denen Investoren aus der Versenkung kamen und dort auch meist schnell wieder verschwanden? Nicht wurde es mit dem Hotel im bayrischen Stil, auch das Wildwest-Themenhotel wurde nie gebaut. Gleiches gilt für das Eventzelt für 3000 Gäste und eine riesige Leichtathletikhalle, mit deren Plänen über die Jahre andere Investor um die Ecke kamen.

Pläne für Hotels und Wasserski-Anlage

Die nur wenige Jahre alte Idee für ein Tagungshotel habe wirklich gut geklungen, erinnert sich die damalige Ortsbürgermeisterin – aber auch das wird es nicht geben. Tatsächlich verwirklicht wurde der Beach-Park von Gastronom Rainer Aulich – wenn auch nur für einen Sommer. Kaum komme jemand mit einer Idee nach Kirchhorst, schon formierten sich die Gegner, sagt Renate Vogelgesang mit Bedauern. Das war beim Eierhof und beim Ex-Freizeitpark so, aber auch am See. Dabei hat sie nicht nur die Kirchhorster im Hinterkopf, die 2009 gegen den Lärmpegel von Aulichs Strandpartys murrten, sondern auch die Initiative, die 2012 gegen die Idee einer Wasserski-Anlage Unterschriften sammelte. Dabei seien die Ideengeber doch total engagierte junge Leute gewesen. „Das hätte man sich doch wenigstens erstmal in Ruhe anhören können.“ Den Plan B, das neue Isernhagener Hallenbad möglicherweise fernab aller Schulen an den Kirchhorster See zu stellen, hält Vogelgesang hingegen für eine „Schnapsidee“.

Für ihren Geschmack bräuchte es eigentlich nur eine kleine Gastronomie. Aus Sicht des Rates darf das nächste Projekt für das Idyll am See gern wieder ein paar Nummern größer ausfallen. Der Bebauungsplan mit der Zweckbestimmung „Hotel, Freizeit, Sport, Gesundheit“ ist fertig, jetzt darf der nächste Investor gern an die Rathaustür klopfen. Bis dahin bleiben Blässhuhn, Libelle und Co. mit den Badegästen aber erst einmal weiter für sich.

Von Frank Walter

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