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Umland Isernhagen Nachrichten Zwei Dörfer verlieren ihre Sparkassenfilialen
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00:15 09.10.2016
Die Sparkasse in Isernhagen N.B. wird ersatzlos aufgegeben. Quelle: Martin Lauber
Isernhagen/Wedemark/Burgwedel

Über die Online-Seiten dieser Zeitung machten am Donnerstagvormittag die von der Sparkasse soeben bekannt gegebenen Einschnitte rasch die Runde. Am Mittag waren diese Pläne in allen betroffenen Ortschaften das Gesprächsthema Nummer 1. Der Tenor war überall derselbe: Unverständnis.

Neuwarmbüchen: Montags und donnerstags ist die Filiale in Neuwarmbüchen bisher vor- und nachmittags mit Personal besetzt. Am Geldautomat und am Service-Terminal herrscht auch in der Mittagspause reges Kommen und Gehen. „Hier besteht Bedarf und bleibt Bedarf“, sagt Kundin Sabine Scheferling. Ihr Mann Henning ergänzt: „Ich hätte gedacht, dass sie wenigstens den SB-Bereich erhalten.“ Seinen Protest hat Scheferling bereits per E-Mail an den Sparkassenvorstand adressiert. Neuwarmbüchens frühere Ortsbürgermeisterin Christiane Hinze ist „komplett entsetzt und enttäuscht“ darüber, dass die alten Menschen im Stich gelassen würden. Sie erwartet, dass sich jetzt viele Richtung Postbank orientieren werden, die ihre Serviceadresse im Kiosk vis-à-vis hat. Ihren politischen Einfluss will die Chefin der Regions-FDP für eine „Minimallösung“ in die Waagschale werfen.

In Isernhagen N.B. sind Ortsbürgermeisterin Renate Matz Schröder und ihr Stellvertreter Günter Leydecker einig: Für die älteren Menschen im Dorf sei der ersatzlose Rückzug des Geldinstitutes „grausam“. Beide befürchten zudem, dass das kleine Ortszentrum von N.B. darunter leiden wird. Skeptisch ist Matz-Schröder, ob eine Initiative des Ortsrates noch etwas bewirken könnte. Isernhagens Bürgermeister Arpad Bogya findet die Einschnitte „ausgesprochen bedauerlich, aber leider nachvollziehbar.“ Er will sich dafür einsetzen, dass zumindest ein Geldautomat an den bestehenden Standorten erhalten bleibt. „Aber da habe ich schon bei der letzten Rutsche auf Granit gebissen.“
Die Sparkasse Hannover wies darauf hin, dass nach der Schließung in N.B., wo bislang dienstags und donnerstags Ansprechpartner vor Ort sind, der Service in H.B. ausgebaut und die dortige Filiale dann an allen Werktagen geöffnet werde.

Für die Wedemark bedeuten die Pläne, dass die Bissendorfer Geschäftsstelle als sogenannte Tandem-Filiale künftig nur noch an zwei Tagen pro Woche geöffnet sein wird. In Mellendorf bleibt alles wie gehabt. Den größten Einschnitt wird Elze erleben: Dort wird es nur noch Automatenservice geben. „Das geht gar nicht“, kommentierte Kundin Katia Rosa (28) die Pläne, „ich will nicht mit Automaten reden. Und meine Eltern sind über 70 Jahre alt. Wie sollen die mit Automaten umgehen?“

„Man kann sich der Entwicklung schlecht verschließen“, sagt Ortsbürgermeister Jürgen Benk. Nachdem schon die Volksbank erst auf Automaten umstellte und sich dann ganz aus Elze zurückzog, will er dieses Szenario bei der Sparkasse aber möglichst verhindern. Sein Plan: Im Eingangsbereich des geplanten neuen Edeka-Marktes könnte die Sparkasse einen Geldautomaten aufstellen, der rund um die Uhr erreichbar ist. Diese Idee will er am 17. Oktober auch im Ortsrat besprechen, wenn der Bebauungsplan für Edeka auf der Tagesordnung steht.

 In Wettmar ist bisher die ganze Woche Personal ansprechbar, dreimal davon vor- und Nachmittags. Die Entscheidung, in der 4000-Einwohner-Ortschaft umzustellen auf eine Servicestelle nur noch mit Automaten, nennt Ortsbürgermeister Michael Kranz einen „Schlag gegen die Generation Ü 65“. Kranz befürchtet „ein Sterben auf Raten“, also, dass in absehbarer Zeit auch die Automaten abgezogen würden. Was ihn am meisten bekümmert: „Viele alten Menschen verlieren ihre Unabhängigkeit“ – so wie die 85-Jährige, die am Donnerstag an Krücken in die Filiale kam. Nach Großburgwedel traue sie sich mit ihrem Auto nicht mehr, sagte sie.

Fotostrecke Isernhagen: Zwei Dörfer verlieren ihre Sparkassenfilialen

Von Martin Lauber und Roman Rose

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