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Umland Isernhagen Nachrichten Das Moor soll wieder ein Moor werden
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00:21 28.03.2015
Von Veronika Thomas
Foto: Auf dem Weg zu einem seltenen Lebensraum: Ein Stück wiedervernässtes Altwarmbüchener Moor.
Auf dem Weg zu einem seltenen Lebensraum: Ein Stück wiedervernässtes Altwarmbüchener Moor.  Quelle: Marta Krajinovic
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Hannover

Die Stadt Hannover hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie möchte zumindest den hannoverschen Teil des insgesamt 15 Quadratkilometer umfassenden Altwarmbüchener Moors so weit es geht  wiederbeleben. Dabei handelt es sich um ein 200 Hektar großes Gelände im Autobahndreieck zwischen A 2, A 7 und A 37 im Nordosten Hannovers. Gestern stellten Martina Dahms vom städtischen Fachbereich Umwelt und Stadtgrün und Thomas Beuster von der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) während einer Exkursion den Fortschritt der Arbeiten vor.

Tatsächlich ist das Moor auf hannoverschem Gebiet in den vergangenen Jahrhunderten fast vollständig zerstört worden. Seine komplette Regeneration wird sich in weiten Teilen nicht umsetzen lassen. Ziel ist jetzt vielmehr eine Verbesserung der feuchten und nassen Bereiche.

Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg

Urkundlich erwähnt wurde das Moor  erstmals 1365 als Gebiet zur Brennstoffgewinnung. Im 17. Jahrhundert legten Bauern erste Entwässerungsgräben an; für den Torftransport nach Hannover wurde 1745 sogar der Schiffgraben ausgebaut, mangels Wasser 1828 aber wieder aufgegeben. Mit dem Bau von Mittellandkanal und Hindenburgschleuse wurden zwischen 1905 und 1923 etwa zwei Millionen Tonnen Mergel in das empfindliche Ökosystem gekippt. Mit dem Bau der A 7 ab 1959 kamen Grundwasserabsenkungen hinzu, die Zentraldeponie in Lahe nahm große Flächen. Schwerwiegende Zerstörungen hinterließen Hunderte Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg, die den einstmals bis zu fünf Meter dicken Torfkörper bis auf den sandigen Untergrund durchstießen und damit den mooreigenen Wasserspiegel zerstörten.

Im Jahr 2000 begann die Stadt als Ausgleichsmaßnahme für die Sanierung des Deponiegeländes mit den ersten Schritten zur Wiedervernässung. Sie zog Holzwände zwischen Wegen und ehemaligen Abbauflächen ein, um ein Abfließen des Wassers zu verhindern – ein Verfahren, das nur mäßig erfolgreich war, weil die hölzernen Spundwände zu schnell verrotteten.

Inzwischen ist die Technik zur Wiedervernässung und Rekultivierung weiter vorangeschritten, wie Thomas Beuster erläuterte. „Seit drei Jahren errichten wir jetzt breite Wälle aus Torf und Mulch, um Barrieren zu schaffen, damit sich das Oberflächenwasser wieder anstauen kann“, sagte der ÖSSM-Geschäftsführer. Außerdem wurden Entwässerungsgräben und Bombentrichter verfüllt – auch mithilfe leichtgängiger Bagger mit geringem Bodendruck. „Noch vor ein paar Jahren hat sich kein Unternehmen mit seinen Maschinen ins Moor getraut.“ Inzwischen gebe es einige Spezialisten, die diese Arbeiten ausführen könnten.

Wichtige Klimaschutzfunktion

Seither konnte der Wasserstand in einigen Bereichen um 50 bis 60 Zentimeter angehoben werden, sodass dort Kiefern und Birken langsam absterben und sich Torfmoose, Wollgras, Moosbeere, Rosmarienheide und auch Kleiner Wasserschlauch wieder ansiedeln konnten. „Wir hoffen, dass diese ursprüngliche Vegetation nach und nach wieder die Oberhand gewinnt“, sagt Beuster. Inzwischen leben wieder Moorfrösche, Kraniche, Kreuzottern und seltene Libellenarten im Moor.

Einstige Hochmoore wie das Altwarmbüchener Moor sind aber nicht nur Lebensraum seltener Tierarten, sondern auch exzellente Kohlendioxidspeicher, weshalb sie eine wichtige Klimaschutzfunktion erfüllen. Allerdings wird die Stadt für ihr Vorhaben einen langen Atem brauchen: Moore sind besonders träge Ökosysteme. „Es dauert etwa 2000 Jahre, bis eine Torfschicht von zwei Metern gewachsen ist“, sagt Beuster.

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