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Nachrichten Einweiser für Müllabfuhr nach Unfalltod nun Pflicht
Umland Isernhagen Nachrichten Einweiser für Müllabfuhr nach Unfalltod nun Pflicht
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21:23 07.01.2013
Von Frank Walter
Foto: Muss ein Müllwagenfahrer den Rückwärtsgang einlegen, wird es gefährlich.
Muss ein Müllwagenfahrer den Rückwärtsgang einlegen, wird es gefährlich. Quelle: Frank Walter
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Isernhagen

Wie aha-Sprecher Stefan Schlutter auf Nachfrage mitteilte, gibt es in Nachklang des tödlichen Unfalls im Mai 2012 in einer kleinen Sackgasse in Isernhagen N.B. mittlerweile eine Dienstanweisung, die für Rückwärtsfahrten bei der Entsorgung grundsätzlich vorschreibt, dass der Beifahrer den Fahrer einzuweisen hat. Dies war bislang nicht der Fall. „Wir wollen so die Sicherheit erhöhen und Gefährdungen weitgehend ausschließen“, sagte Schlutter zur Begründung.

In einem zweiten Schritt als Konsequenz aus dem Todesfall hat das Unternehmen eine Liste sämtlicher Straßen im Abfuhrgebiet erstellt, die die Müllwagenfahrer wegen der örtlichen Gegebenheiten nur im Rückwärtsgang ansteuern können. Dieses Kataster ist mittlerweile fertiggestellt. Jetzt würden die betreffenden Straßen vor Ort in einer Gefährdungsanalyse betrachtet und nach Abhilfe gesucht. Sofern beispielsweise nur ein paar Büsche zurückgeschnitten werden müssten, um die Übersichtlichkeit zu verbessern, werde man bei den Verantwortlichen darauf dringen. Bauliche Änderungen zum Beispiel am Straßenverlauf seien aber wohl kaum zu erwarten. „In Extremfällen werden wir die betroffenen Straßen daher nicht mehr anfahren“, kündigte Schlutter an. Für die Anwohner dieser Straßen hieße das, dass sie ihre Restmüll- und Wertstoffsäcke künftig bis zur nächsten größeren Straße tragen müssten.

Am 14. Mai hatte ein Müllwagenfahrer seinen Lastwagen rückwärts in die Sackgasse Wilhelm-Dusche-Weg in Isernhagen N.B. bugsiert. Dabei hatte der damals 46 Jahre alte Fahrer einen 89-Jährigen übersehen, der mit seinem Rollator gerade die Fahrbahn überqueren wollte. Der Senior wurde überrollt und starb im Krankenhaus.

Staatsanwaltschaft entscheidet über Anklage

Die Ermittlungsakten zum tödlichen Unfall in Isernhagen N.B. liegen mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft. Voraussichtlich in einigen Wochen steht fest, ob der Fahrer des Müllwagens wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wird.

Zuvor ist laut Oberstaatsanwältin Irene Silinger noch zu prüfen, ob zum Zeitpunkt des Unfalls Arbeitsanweisungen vorlagen, die den aha-Fahrern besondere Sorgfaltspflichten auferlegten – beispielsweise, nur mit einem Einweiser rückwärts zu fahren.

Die Ermittlungen der Polizei hatten ergeben, dass der Beifahrer in der Kabine gesessen und nicht für seinen Kollegen als Einweiser fungiert hatte. Zum Zeitpunkt des Unfalls habe es laut aha-Sprecher Stefan Schlutter lediglich eine Empfehlung gegeben, bei Rückwärtsfahrten den Beifahrer als Einweiser agieren zu lassen. Laut Fahrerhandbuch und analog zur Straßenverkehrsordnung habe der Gebrauch des Einweisers aber grundsätzlich im Ermessen des Fahrers gelegen. Dies sei erst im Nachgang zum Unfall geändert worden.

Während einer der beiden am Unfall beteiligten aha-Mitarbeiter mittlerweile wieder arbeitet, ist der zweite nach wie vor krankgeschrieben.

Frank Walter 06.01.2013
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