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Umland Isernhagen Nachrichten Hitzige Debatte um Flüchtlinge
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19:45 23.11.2014
Von Kerstin Hamann
Foto: Werden Flüchtlinge im Gebäude der ehemaligen Milch-Union untergebracht? Am Freitagabend prallten in einem weiter hinten gelegenen Raum des Sportparks die Meinungen aufeinander.
Werden Flüchtlinge im Gebäude der ehemaligen Milch-Union untergebracht? Am Freitagabend prallten in einem weiter hinten gelegenen Raum des Sportparks die Meinungen aufeinander.  Quelle: Symbolbild
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Isernhagen

Während in der Halle Tennisspieler ihre Matches austragen, prallen am Freitagabend in einem weiter hinten gelegenen Raum des Sportparks die Meinungen aufeinander. Ein im Gewerbegebiet ansässiger Unternehmer hatte die „lieben Nachbarn“ in einem Brief zu einer Diskussion geladen. Kern der Debatte sollte der Plan der Gemeinde sein, in den ehemaligen Mitarbeiterwohnungen der Milch-Union an der Dieselstraße Flüchtlinge unterzubringen.

Das bereitet manchen Nachbarn offenkundig Sorgen, denn viele Fragen sind offen: Kommen 30, 40 oder 60 Flüchtlinge? Wer betreut die überwiegend aus Syrien und dem Irak stammenden Menschen? Haben Gemeinde und Polizei ein Sicherheitskonzept? An diesem Freitagabend, so hieß es in dem Brief, sollten Fragen besprochen, Stimmungen eingeholt, gar eine „Interessengemeinschaft Gewerbegebiet N.B.“ gegründet werden.

Letzteres blieb aus, da sich etliche Unternehmer und Anwohner gegen das Schreiben verwahrten. Ein Unternehmer kritisierte, das Anschreiben sei ohne Absender versandt worden. Der Brief wirke fremdenfeindlich. „Ich stehe nicht dahinter und lasse mich nicht von der Interessengemeinschaft vertreten“, so ein anderer Anwohner. „Wovor habt ihr Angst?“, fragte ein Mann in die Runde.

Doch es waren auch andere Meinungen unter den mehr als 30 Anwesenden zu hören - solche von Menschen, die die im Anschreiben benannten Sorgen teilten. Ein Kritikpunkt: „Wir wissen nicht, wen wir bekommen.“ Die Ängste der Anwohner sind vielschichtig und bedienen Vorurteile: Wird es zu mehr Diebstähle oder Sachbeschädigungen kommen? Bleiben Kunden aus?

Zwischenzeitlich lief die Diskussion aus dem Ruder, diametral entgegengesetzte Ansichten zur Flüchtlingspolitik prallten aufeinander. „Auch wenn das Schreiben provokativ ist, so zeigt es doch Wirkung: Wir sitzen hier und diskutieren darüber“, hielt ein Anwohner fest. Einziger Konsens des Abends: Das Gefühl, dass die Gemeinde Anwohner und Gewerbetreibende im Stich lässt.

Das könnte sich diese Woche ändern: Dem Vernehmen nach treffen sich heute Unternehmen aus dem Gewerbegebiet mit der Verwaltung, um das Thema zu besprechen. Am Donnerstag beschäftigt sich der Ortsrat N.B. damit. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr in der Buhrschen Stiftung, Am Ortfelde 74.

Falsche Diskussion

Das Anschreiben zur Flüchtlingsdebatte als provokativ zu bezeichnen ist untertrieben. Es ist schlichtweg fahrlässig. Nicht nur, dass der Brief keinen Absender hat. Die Initiatoren schüren mit Negativbeispielen und Spekulationen eine Stimmung der Angst, deuten Schreckenszenarien an, in denen sich selbst überlassene Flüchtlinge stehlen und fremdes Eigentum beschädigen. Mit der Hälfte der Kraft, die das Projekt verhindern will, könnte man zu dessen Gelingen beitragen. Denn fest steht: Die Gemeinde muss die Flüchtlinge aufnehmen. Ein junges Mädchen machte es in der Runde deutlich: Wie können die Einwohner von N.B. die Menschen integrieren, wie auf sie zu gehen, sie willkommen heißen? Darüber lohnt es sich zu diskutieren.

Frank Walter 20.11.2014