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Umland Isernhagen Nachrichten Helmut Lenz verlässt Grundschule Kirchhorst
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09:03 27.06.2018
Helmut Lenz verlässt die Grundschule Kirchhorst - er geht in den Ruhestand. Quelle: Antje Bismark
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Kirchhorst

Helmut Lenz geht in den Ruhestand, Egbert Bortfeldt folgt ihm als Leiter der Grundschule Kirchhorst. Ein solch nahtloser Übergang gilt in Niedersachsen längst nicht mehr als selbstverständlich: Zu oft fehlen Lehrer, die eine Schule leiten wollen. Für Lenz liegt das Problem auf der Hand: „Das Land muss die Bedingungen verbessern“, fordert der 63-Jährige, der mit anderen engagierten Schulleitern die Loccumer Erklärung mit drei Forderungen verfasst hatte.

Elf Jahre lang Grundschulleiter

Elf Jahre lang leitete der Pädagoge die Grundschule mit 145 Schülern, die in acht Klassen lernen. Frühzeitig habe er damit begonnen, die Werbetrommel zu rühren, um nach sich keine Lücke entstehen zu lassen. Mit Erfolg: Auf die erste Ausschreibung hin meldete sich Egbert Borgfeldt, der seit neun Jahren an der Astrid-Lindgren-Schule in Burgdorf unterrichtet und zum 1. August nach Kirchhorst wechselt. Aus Sicht beider Pädagogen passt der Übergang. Gleichwohl weist Lenz darauf hin, dass das niedersächsische Kultusministerium die Strukturen für Leiter von Grundschulen verbessern müsse.

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Dazu zählt er vor allem eine bessere Bezahlung: „Es kann aus unserer Sicht nicht sein, dass Förderschullehrer mehr verdienen als ein Schulleiter“, nennt er eine Forderung aus der Loccumer Erklärung. Eine weitere sei, die Verpflichtung von 16 Unterrichtsstunden zu reduzieren: „Wir haben in den vergangenen Jahren etwa 120 Aufgabe mehr übernehmen müssen. Das spiegelt sich darin aber nicht wider.“ Und nicht zuletzt reichten die beiden Anrechnungsstunden für die Teams kleiner Grundschulen keineswegs für die vielfältigen Funktionen, diese müsse das Land erhöhen. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass sich noch weniger Schulleiter fänden.

„Großartige Kollegen, tolle Eltern“

Dass er trotz der gestiegenen Aufgaben und zunehmenden Administration die Grundschule in Kirchhorst gern geleitet hat, daran lässt Lenz keinen Zweifel: „Ich hatte großartige Kollegen und tolle Eltern, die die Schule jederzeit unterstützt haben.“ So hätten die Eltern der Klasse 4b zum Abschluss ein Klassenwochenende organisiert, inklusive des externen Unterrichts.

Dieses Engagement, davon ist Lenz überzeugt, hänge auch damit zusammen, dass sich die Grundschule in direkter Nachbarschaft zu Krippe, Kindergarten, Kirche und Jugendtreff befindet. „Daraus ergibt sich ein spezieller familiärer Charakter, auf den man sich einlassen muss“, sagt er aus Erfahrung und fügt hinzu, in diesem Fall profitiere die Schule sehr von der Nähe. Seinem Nachfolger und künftigen Schülern und Lehrern wünsche er, dass dieser Charakter erhalten bleibe. Eine Voraussetzung sei, den von einigen gewünschten Zaun ums Schulgelände nicht aufzustellen, sondern die Offenheit zu bewahren.

„Ich mache einen klaren Cut“

Wenn Lenz am Mittwochnachmittag ein letztes Mal seine Schultasche auspackt, dann für immer: „Ich mache einen klaren Cut“, sagt der Pädagoge, der unter anderem eine Arbeitsgemeinschaft für junge, aber erfolgreiche Programmierer und die „Umweltschule“ am Kirchhorster Schulweg eingeführt hat. In Zukunft stehe die Familie, vor allem der sechs Monate alte Enkelsohn Jonas, im Mittelpunkt seines Lebens. Fußspuren hinterlässt der H.B.er nicht nur mit dem Schulgarten und den von Schülern programmierten Spielen, sondern auch gut sichtbar mit sechs Haltestellen vom „Bus auf Füßen“. Dort treffen sich Eltern und Kinder und gehen gemeinsam zur Schule, um so „Elterntaxis“ zu vermeiden.

Von Antje Bismark