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Nachrichten Isernhagener Rat stimmt für mehr Hortplätze
Umland Isernhagen Nachrichten Isernhagener Rat stimmt für mehr Hortplätze
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00:41 19.03.2018
Viele betroffene Eltern verfolgen die Ratsdiskussion über die Hortplätze von den Zuschauerplätzen aus.  Quelle: Frank Walter
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Isernhagen

 Eltern von Grundschulkindern in Altwarmbüchen und Kirchhorst können noch in diesem Jahr mit zusätzlichen Hortplätzen rechnen, Eltern in H.B. zumindest mit mehr Plätzen bei der Hausaufgabenhilfe der Volkshochschule (VHS) planen: Diesen Kompromiss hat der Rat der Gemeinde am Donnerstagabend beschlossen. Unwägbarkeiten gibt es allerdings noch beim Zeitplan und der Frage, ob genügend Erzieher gefunden werden.

„Wir haben es geschafft!“, machte ein Vater im Publikum seiner Freude spontan Luft. Zwei Mütter aus Kirchhorst umarmten sich, während ein Vater aus H.B. einen enttäuschten Zwischenruf abgab: Die Eltern hatten teilweise seit Monaten für mehr Betreuungsplätze für Grundschüler in Isernhagen gekämpft und immer wieder bei Sitzungen auf ihre Probleme hingewiesen.

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Das war im Rat nicht anders. Elternvertreterin Monika Bruns erinnerte an den dringenden Bedarf der Kirchhorster Eltern und das einstimmige Votum des Ortsrates. „Es geht für viele um den Job!“, machte eine andere Kirchhorsterin klar – selbst für eine Halbtagsstelle sei ein Hortplatz nötig. Ein Platz in der VHS-Hausaufgabenbetreuung sei damit nicht zu vergleichen, betonte Marietta Brand, ebenfalls aus Kirchhorst – die Ferienbetreuung im Hort sei „ein ganz gravierender Punkt“ für Berufstätige. Zudem könne die VHS in H.B. kein Mittagessen anbieten, so ein Vater. Selbst 30 neue Plätze an der Bernhard-Rehkopf-Straße bedeuteten nicht, dass alle Kinder berücksichtigt werden könnten, rechnete ein Altwarmbüchener vor. Und auch für Kirchhorst sei doch seit Jahren absehbar, dass die Hortplätze nicht ausreichten, so eine Mutter. „Sie setzen heute ein Signal, dass Kinder in Isernhagen gewollt sind – auch für alle Familien, die zuziehen wollen“, sprach eine andere Frau die Politiker direkt an. „Lassen Sie uns nicht hängen!“, mahnte ein Vater.

Das machten die Politiker dann auch nicht – und beschlossen jährliche Mehrausgaben von rund 260.000 Euro. In Altwarmbüchen soll bis zum Ende der Sommerferien durch einen hausinternen Umbau Platz für zwei weitere Gruppen mit zusammen 30 Plätzen geschaffen werden. Die Grünen scheiterten mit ihrem Versuch, sogar 40 Plätze schaffen und dafür Container aufstellen zu lassen. Als Ergänzung soll wie an allen Grundschulstandorten weiterhin die VHS dienen.

Für Kirchhorst sind 20 weitere Hortplätze geplant, dort soll der Jugendtreff in der Alten Schule um den Toberaum verkleinert werden. Die CDU wollte den Raum für den Jugendtreff nicht aufgeben und sprach sich stattdessen für mehr VHS-Plätze aus, unterlag aber in der Abstimmung. Als Ersatz-Toberaum soll ein Container dienen, der auf SPD-Antrag hin schon im Herbst 2018 und nicht erst im nächsten Jahr aufgestellt werden soll.

Mit einem Kompromiss werden die Eltern in Isernhagen H.B. klarkommen müssen. Dort soll es erst zum Sommer nächsten Jahres 20 weitere Hortplätze geben – die Grünen unterlagen mit ihrer Forderung nach einem Starttermin schon in diesem Jahr. Die neue Hortgruppe wird in einem Container untergebracht, ein zweiter Container wird dann als zusätzliches Klassenzimmer benötigt. Zur Überbrückung bis dahin soll bei Bedarf die VHS-Betreuung ausgebaut werden. Allerdings weiter ohne Mittagessen – „das ist nicht änderbar“, ging Amtsleiterin Silvia Voltmer auf die Raumsituation ein. Doch allzu lange werden Hort und VHS-Hausaufgabenhilfe in Isernhagen ohnhin nicht mehr die einzigen Betreuungsmöglichkeit für Grundschüler am Nachmittag bleiben – sollen doch alle Grundschulen in den nächsten Jahren den Ganztagsbetrieb aufnehmen.

Lange war sich die Politik einig gewesen: Einen Ausbau der Hortbetreuung als – aktuell noch – freiwillige Leistung kann und soll sich Isernhagen nicht leisten. Denn der Rechtsanspruch der Eltern verpflichtet die Gemeinde, bei Krippen und Kindergärten alle Anstrengungen zu unternehmen, um mehr Plätze zu schaffen. Im Haushalt droht zudem seit Jahren immer wieder ein dickes Minus, und allein in das nun Campus getaufte Schulzentrum investiert die Gemeinde in den nächsten vier Jahren rund 37 Millionen Euro.

Dass die Politiker nun doch zusätzliches Geld für die Betreuung der Grundschüler freigemacht haben, ist der Verdienst einer ganzen Reihe von Eltern. Bei vielen Sitzungen haben diese auf ihre persönlichen Probleme hingewiesen, die eigene Berufstätigkeit und ihre Mutter- oder Vaterpflichten unter einen Hut zu bekommen – stets hartnäckig in der Sache, aber konstruktiv im Ton. Dieser Einsatz verdient Respekt – und den Dank all jener Eltern, die in diesem oder im nächsten Sommer von den zusätzlichen Hortplätzen profitieren werden.

Von Frank Walter

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