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Nachrichten Gemeinde setzt Halteverbot mit Knöllchen durch
Umland Isernhagen Nachrichten Gemeinde setzt Halteverbot mit Knöllchen durch
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16:19 10.01.2018
Nach dem Parkverbot am Helleweg stellen Eltern jetzt ihre Fahrzeuge auf dem Parkplatz des Schulzentrums ab und müssen die Straße zur Rushhour überqueren. Quelle: Jarolim-Vormeier
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Altwarmbüchen

 Weil es im morgendlichen Bringverkehr zur Kindertagesstätte und zu den weiterführenden Schulen auf dem Helleweg immer wieder zu Behinderungen kam, hat die Gemeinde Isernhagen dort jetzt ein absolutes Halteverbot eingerichtet.  Betroffen davon sind insbesondere die Kita-Eltern: Das Halteverbot bedeutet für sie, dass sie auf andere Parkflächen ausweichen müssen.

Es ist 7.30 Uhr am Mittwoch in der Früh – und ist es noch dunkel. Den Helleweg in Altwarmbüchen passieren nur vereinzelt Fahrzeuge in Richtung Schulzentrum. Erste Lehrer parken bereits auf dem großen Parkplatz in vorderster Reihe vor der Schule. 

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Aber bereits 15 Minuten später reihen sich die Autos dicht an dicht – die Stoßzeit beginnt. Zwischen Isernhagener Straße und dem Schulparkplatz bilden sich jetzt lange Autoschlangen. Zwischen den Wagen der Eltern, die ihre Kinder am Gymnasium, an der IGS und der Realschule absetzen, rollen etliche Schulbusse. Nach dem „Absetzen“ fahren alle wieder zügig ab, so dass auf dem Helleweg in beiden Richtungen richtig Chaos herrscht. Denn: Aus allen Richtungen kommen auch die Schüler auf dem Rad angefahren oder sie queren zu Fuß zwischen den Fahrzeugen die Straße. Nach wie vor ist es duster. 

Morgens 7.45 Uhr: Michael Niederhausen (rechts) und Christian Möller von der Gemeinde überwachen, ob das absolute Halteverbot vor der AWO-Kindertagesstätte von Eltern eingehalten wird Quelle: Jarolim-Vormeier

Mittlerweile ist es kurz vor 8 Uhr. Der Parkplatz vor dem Schulzentrum füllt sich schnell. Nun bringen aber auch Väter und  Mütter ihre Kinder in den Kindergarten und in die Krippe. Weil sie jetzt nicht mehr auf dem Helleweg parken dürfen, stellen sie ihre Wagen ebenfalls auf dem Schulparkplatz ab. Weil so viel los ist, tragen die meisten ihre Sprösslinge sicherheitshalber auf dem Arm. Erst zehn Minuten nach 8 Uhr entspannt sich die Lage. Nur noch vor der Kindertagesstätte herrscht reger Betrieb.

An das Halteverbot vor dem Kindergarten halten sich die Eltern am frühen Mittwochmorgen. Kein Wunder: Ordunugsamtsleiter Michael Niederhausen steht vor der AWO-Einrichtung und verteilt an Eltern, die ihr Auto dort abstellen, höchstpersönlich Knöllchen. An den ersten beiden Tagen dieser Woche seien die Eltern nicht ganz so diszipliniert und auch nicht einsichtig gewesen, berichtet der Ordnungsamtsleiter und spricht vom Vorbild-Effekt: Wenn nur ein Fahzeug dort parke, stelle sich schnell ein weiteres hin. 

Niederhausens Kollege Christian Möller unterstützt seinen Chef bei den Kontrollen und fährt deshalb auch mittags nochmal zur Kita, um zu sehen, ob das Parkverbot eingehalten wird. Auch nächste Woche will die Gemeinde die Kontrollen fortsetzen. „Allerdings in unregelmäßigen Abständen“, kündigt Niederhausen an.

Das sagen die betroffenen Eltern

Sonja Gramsch bringt ihre fünfjährige Tochter Sina mit dem Fahrrad zum Kindergarten am Helleweg. Gleichwohl hält  sie wenig von der Halteverbotsregelung vor der Kita: „Mir fehlen die Ersatzparkplätze“, sagt die Altwarmbüchenerin, die ab und zu auch mit dem Auto kommt. 

Oft ist Mirja Griger morgens richtig im Stress und hat ein Zeitproblem. „Nun kann ich nicht mehr direkt vor dem Kindergarten kurz halten“, bedauert sie. Griger schildert, dass Autofahrer oft auf dem Helleweg zu schnell unterwegs seien und viel zu oft auf ihr Vorfahrtsrecht beharrten. Das müsse sich für die Sicherheit von Kindern und Eltern ändern.

Für wenig sicher für Kinder hält Sabrina Schimweg den großen Parkplatz am Schulzentrum. „Dort schießen ständig Autos aus den Parkbuchten heraus“, sagt sie verärgert.  Auch Andreas Heitsch kritisiert das Halteverbot und nennt es sogar unverschämt. Die Parkplätze an den Schulen seien stets voll. „Die Gemeinde baut neue Kitas, aber sorgt nicht für ausreichend Parkfläche“, ärgert er sich. Für Kurzparkplätze vor der Kita spricht sich auch Maren Breker aus. Für die Altwarmbüchenerin ist das die wesentlich sicherere Alternative.

Von „Scheinsicherheit“ spricht Monika Dehmel. Die frühere Altwarmbüchener Ortsbürgermeisterin vermutet, dass durch den Wegfall der Parkplätze der Helleweg zur Rennstrecke werde und nun dazu anrege, richtig aufs Gaspedal zu treten. Sie plädiert dafür, Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Kita zu bringen. Das Halteverbot mache Eltern, die  mit dem Auto zur Arbeit müssen, das Leben unnötig schwer.

Die rund zehn nun durch das Halteverbot verloren gegangenen Parkplätze vor der Kindertagesstätte am Helleweg werden nicht durch neue ersetzt. Laut Niederhausen können Eltern die vier Parkbuchten vor dem Gemeindearchiv nutzen oder auch die links der Einrichtung eingerichteten Mitarbeiterparkplätze – falls diese denn frei sind. Ansonsten verweist er auf dem großen Parkplatz vor dem Schulzentrum. Dort stehe ausreichend Parkraum zur Verfügung.

Von Katerina Jarolim-Vormeier