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Nachrichten Traditionsgaststätte wird abgerissen
Umland Isernhagen Nachrichten Traditionsgaststätte wird abgerissen
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19:34 14.04.2014
Von Frank Walter
Die Familientradition endet: Helga Sievers und Tochter Maike Rindfleisch stehen nicht mehr lange hinter dem Tresen des Gasthauses Sievers in Isernhagen H.B. Quelle: Frank Walter
Isernhagen

Generationen von Isernhagenern haben in der Gaststube gegessen und ihr Feierabendbier getrunken, der große Saal hat unzählige Familienfeiern erlebt, die elf Fremdenzimmer im Obergeschoss haben etlichen Reisenden als Obdach auf Zeit gedient. Doch das ist bald Geschichte: Am 4. Mai steht die letzte Familienfeier an, danach wird nur noch das letzte Fass geleert. „Bis Ende Juni müssen wir das Haus geräumt haben“, sagt Chefin Helga Sievers. Das meiste Mobiliar und die anderen Einrichtungsgegenstände werden wohl auf dem Sperrmüll landen, anderes wollen Helga und Helmut Sievers zunächst einlagern und dann vielleicht später verkaufen.

100 Jahre gehörte es zu Isernhagen H.B. wie die Butter zum Brot: Weil sich kein neuer Pächter findet, wird das Gasthaus Sievers bald abgerissen.

„Es tut weh“, fasst Helga Sievers ihre Gemütslage zusammen. Mit Wehmut denkt sie an die Jahre zurück, seit ihr Mann und sie die Gaststätte 1976 übernommen hatten - in dritter Generation, denn die Familie Sievers bewirtschaftet den Landgasthof bereits seit 1908. „Wenn wir jünger wären, dann hätte ich gern weitergemacht. Aber man merkt doch, dass nicht mehr alles so geht, wie man es will.“ 72 Jahre ist Helga Sievers alt, ein Jahr älter ist ihr Mann. Bereits 2000 hatten sie sich bewusst für den Ruhestand entschieden, die Gaststätte deshalb verpachtet. Doch als die mittlerweile zweite Pächterin aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, blieb letztlich nur, sich 2009 wieder selbst hinter den Tresen zu stellen.

Ein drittes Mal zu verpachten, das kam für das Ehepaar Sievers damals nicht mehr in Frage. „Da waren wir gebrannte Kinder“, sagt Helga Sievers, möchte aber keine schmutzige Wäsche waschen. Alle Versuche, einen Käufer für das Gasthaus zu finden, waren jahrelang nicht von Erfolg gekrönt. In der Wirtschafts- und Finanzkrise sei niemand bereit gewesen, einen fairen Preis zu bezahlen. „Und man kann doch sein Eigentum nicht für einen Apfel und ein Ei verramschen“ - zumal, wenn soviel Schweiß und Herzblut darin stecken. Mit zwei einfachen Herden hatten die Wirtsleute 1976 angefangen und dann quasi jedes Jahr weiter umgebaut: Die alte Wohnung wurde zur Raucherstube, die Diele zum Saal, der Heuboden zu Hotelzimmern. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, die Mitarbeiter haben ihre Kündigungen erhalten, Helga und Helmut Sievers wollen zurückkehren in den unterbrochenen Ruhestand. „Dann können meine Eltern endlich mal zur Ruhe kommen und ein bisschen mehr ihre Tiere betütteln“, sagt Tochter Maike Rindfleisch. 20 Mutterschafe und ebenso viele Lämmer stehen im Stall.

Die Pläne der Baugrund KG

Gasthaus Sievers weicht für Wohnungsbau

Voraussichtlich 14 Eigentumswohnungen mit durchschnittlich 90 Quadratmetern Fläche in zwei Gebäuden – so sieht das Vorhaben aus, dass die Baugrund KG auf dem Grundstück des bisherigen Gasthauses Sievers verwirklichen will. Vor zwei Monaten hatte die hannoversche Bauträgergesellschaft das 2500 Quadratmeter große Areal an der Burgwedeler Straße erworben. Zunächst hatte die Firma einen einzelnen, rund 50 Meter langen Gebäuderiegel geplant, wofür die Gemeinde aber mit Blick auf die dörfliche Umgebung ihr Einvernehmen verweigerte. Wie gestern zu erfahren war, wird die Verwaltung den Politikern vorschlagen, die neuen Planungen mit zwei Gebäuden abzusegnen. Laut Baugrund-Geschäftsführer Joachim Latossek sollen sich die zweieinhalbgeschossigen Gebäude mit roter Fassade und roten Dächern gut ins Ortsbild einfügen. Zwei dicke Eichen und die prägnante Hecke sollen stehen bleiben, möglichst auch das Buswartehäuschen. Das Gasthaus soll zügig abgerissen werden, der Baustart dann 2015 erfolgen.

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