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Nachrichten "Taschenwärmer“ soll Schulen beheizen
Umland Isernhagen Nachrichten "Taschenwärmer“ soll Schulen beheizen
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00:16 22.12.2016
Die Wärme von der Deponie in Lahe soll in Spezialcontainern zum Schulzentrum Isernhagen transportiert werden.
Die Wärme von der Deponie in Lahe soll in Spezialcontainern zum Schulzentrum Isernhagen transportiert werden. Quelle: La Therm
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Altwarmbüchen

1,75 Millionen Euro kostet das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt, für das die Gemeinde Isernhagen, die Abfallwirtschaft (Aha) und die Klimaschutzagentur Region Hannover kooperieren. Eine 1,4-Millionen-Euro-Förderung ist beim Bundesumweltministerium beantragt. Die erste Hürde im Auswahlverfahren ist dabei bereits überstanden, die Zusage wird für die nächsten Wochen erwartet. „Es sieht gut aus“, ist Isernhagens Erster Gemeinderat Frank Niemeier überzeugt. „Und wenn die Förderung genehmigt ist, soll es auch schnell losgehen“, gewährt Joost Götze vom Amt für Gebäudewirtschaft Einblick in den Zeitplan.

Das bei Gärprozessen auf der Deponie in Hannover-Lahe entstehende klimaschädliche Methan verstromt Aha in Blockheizkraftwerken. Von der dabei gewonnenen Wärme kann nur ein Teil für die eigenen Betriebsstätten genutzt werden. Den Rest über größere Entfernungen zu transportieren sei schwierig, erläutert Udo Scherer von der Klimaschutzagentur. Der Wärmeverlust und notwendige Investitionen in ein Leitungsnetz stünden dem entgegen.

Weil nicht nur auf der Deponie Lahe, sondern bundesweit an vielen Stellen Wärme derart verpuffe, ist die nun geplante Art der Abwärmenutzung aus Sicht der Klimaschutzagentur so interessant. Dabei soll die Wärme per Container die fünf Kilometer von der Deponie zum Schulzentrum gefahren und dort in die Heizungsanlage eingespeist werden. Der Energieverlust auf der Deponie wird so vermieden, im Schulzentrum kann der Einsatz von Erdgas verringert werden. „Das gibt eine sehr schöne regenerative Kette“, sagt Scherer – zumal als Zugmaschine für die Wärmecontainer ein Elektro-Lastwagen eingesetzt werden soll, um im Gegensatz zu einem mit Dieselantrieb Kohlendioxid einzusparen. „Der Strom für den Lkw wird in einem Blockheizkraftwerk regenerativ erzeugt, das durch Methangas aus der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung betrieben wird“, erläutert Aha-Sprecherin Helene Herich.

Sobald die Förderzusage vorliegt, wollen die Partner das „Wärme to go“-Projekt sukzessive aufbauen. Laut Scherer sollen zunächst die Zugmaschine und zwei Wärmecontainer angeschafft sowie die Anschlüsse auf der Deponie und am Schulzentrum hergestellt werden. Ein- bis zweimal am Tag müssen die Container getauscht werden. Ist die Wärmeversorgung am Helleweg erst einmal angelaufen, sollen weitere Spezialcontainer folgen – insgesamt zehn Stück. „Wir wollen dann peu à peu weitere Gebäude innerhalb Altwarmbüchens versorgen“, sagt Scherer.

Für die Gemeinde ist dabei neben dem Umweltschutzgedanken auch die Finanzierung wichtig. „Die Energie muss bezahlbar sein. Wir hoffen auf ein Nullsummenspiel“, sagt Götze. Und wenn alles wie gewünscht funktioniert? „Dann wollen wir das Projekt in die Breite tragen und bundesweit vorstellen“, sieht Scherer Vorbildcharakter.

„Wärme to go“: Prinzip wie ein handelsüblicher Taschenwärmer

Das Projekt „Wärme to go“ ist für die Abfallwirtschaft Region Hannover der Einstieg in die nicht leitungsgebundene Abwärmenutzung. So kann Abwärme aus der Vergärung des Biomasse-Anteils im Restmüll, die nicht mit gängigen Methoden wie beispielsweise Fernwärme erschlossen werden kann, technisch nutzbar gemacht werden. Dabei werden mobile Latentwärmespeicher eingesetzt. Sie funktionieren chemisch wie handelsübliche Taschenwärmer: Kristallisierte Stoffe wie Natriumacetat verflüssigen sich bei der Wärmezufuhr und können die Wärme speichern. Bei der per Impuls – im Taschenwärmer durch das Knicken eines Metallplättchens – ausgelösten Wärmeabgabe in die Heizungsanlage kristallisiert das Trägermedium dann wieder. Zum Be- und Entladen kommen wassergefüllte Wärmetauscher zum Einsatz.

Bei einem jährlichen Wärmebedarf von 1,3 Millionen Kilowattstunden im Schulzentrum sind rechnerisch 520 Containerladungen nötig, um diesen zu decken.

Von Frank Walter