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Nachrichten Zeuge: Jetzt kocht alles wieder hoch
Umland Isernhagen Nachrichten Zeuge: Jetzt kocht alles wieder hoch
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00:15 18.01.2013
Von Frank Walter
Hinter dem Wall an der Zufahrt zum Kirchhorster See lag im März 1986 der Leichnam des hannoverschen Schülers. Quelle: Frank Walter
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Kirchhorst.

Flottmann hatte am 8. März 1986 als Zwölfjähriger mit zwei Freunden nahe des Autokinos mit Walkie-Talkies gespielt. Dabei stiegen sie auf den Erdwall hinter dem heutigen Standort der Altpapier- und Altkleidercontainer. „Dahinter lag der Müllsack“, erinnert sich der heute 39-Jährige - und neugierig, wie man als Kind eben sei, hätten er und seine Freunde daran gezerrt und durch ein Loch etwas Haut gesehen. „An einen Menschen haben wir dabei zuerst gar nicht gedacht“, beschreibt Flottmann die Situation. Sogleich seien sie zu seinem Vater gerannt, um ihre Entdeckung zu melden. Als der Vater dann genauer nachgesehen hatte, habe dieser sofort die Polizei gerufen.

Geschockt sei er gewesen, habe wie seine Freunde psychologische Betreuung bekommen und ein paar Tage nicht die Schule besucht, erinnert sich Flottmann an damals. „Zum Glück haben wir nicht genauer in die Tüte geguckt.“ Den Beamten des Landeskriminalamtes in Hannover hätten sie genau erzählen müssen, wo im Umfeld des Leichenfundes sie selber Spuren hinterlassen hatten, um die Arbeit der Spurensicherung zu erleichtern. Auch ihre Schuhe und Fingerabdrücke hätten sie abgeben müssen. Die Details des Falls hätten sie erst Stück für Stück aus den Zeitungen erfahren - auch, dass das Mordopfer, der Schüler Hans-Jürgen Ruhnow aus Hannover, selbst erst 16 Jahre alt war.

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Flottmann belastet die Erinnerung an den damaligen Fund heute, knapp 27 Jahre später, nicht mehr. „Aber ich werde mir die Sendung auf jeden Fall ansehen“, sagt er. Ganz anders geht es einem seiner damaligen Spielgefährten. Ihm sei nach der Zeitungsmeldung am Sonnabend „das Herz in die Hose gerutscht“, sagte der Mann gestern. „Jetzt kocht alles wieder hoch.“

Dass der Fall jetzt überhaupt noch einmal öffentlichkeitswirksam aufbereitet wird, liegt laut eines Polizeisprechers nicht daran, dass sich neue Erkenntnisse ergeben hätten. „Der Sachverhalt ist derselbe wie damals.“ Vielmehr habe die „XY“-Redaktion von sich aus vorgeschlagen, den Fall zu thematisieren. „Und vielleicht hat sich der Täter Jahre später jemanden anvertraut?“, hofft der Polizeisprecher.

Die Polizei hat für Hinweise, die zur Ergreifung und Überführung des Täters führen, eine Belohnung in Höhe von insgesamt 5000 Euro ausgesetzt.  Zeugen können sich telefonisch unter 0511 109-5555 melden.