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Nachrichten Pflegemütter päppeln Bambi auf
Umland Isernhagen Nachrichten Pflegemütter päppeln Bambi auf
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00:15 31.12.2016
Von Martin Lauber
Impressionen von Simone Behnkes und Anika Oppermanns Fund-Rehkitz Bambi, das sich sein Gehege am Rand von Isernhagen F.B. mit zwei Deutschen Riesen teilt.
Impressionen von Simone Behnkes und Anika Oppermanns Fund-Rehkitz Bambi, das sich sein Gehege am Rand von Isernhagen F.B. mit zwei Deutschen Riesen teilt. Quelle: privat
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Isernhagen F.B.

Frühstückszeit: Mais, geschnittene Gurken, frisch geraspelte Möhren, Salat, Haferflocken und gekochte Kartoffeln stehen wie jeden Morgen auf dem Speisezettel. Als Trog fungiert eine Dachrinne in Bambis Ecke des Schuppens, nebenan mümmeln die beiden Kaninchen – Deutsche Riesen –, die Behnke und Oppermann als Gesellschafter für das Findelkind angeschafft haben.

Bambi blieb im Zaun stecken

Die Geschichte beginnt am Abend eines brütend heißen Tages Ende Juni im Jagdrevier in F.B., das Anika Oppermann sich mit einem weiteren Pächter teilt: Wahrscheinlich mühelos hatte die Ricke den Zaun übersprungen, in dessen Maschendraht ihr wenige Tage junges Rehkitz mit beiden Vorderläufen heillos feststeckt. Völlig entkräftet und finden die beiden Freundinnen das zurückgelassene Tierbaby. „Dem Fuchs überlassen wir es nicht“, sagte sich Oppermann. Eine weitreichende Entscheidung, denn Bambi, das schon nach wenigen Tagen vom Stall in ein flugs gebautes Freigehege mit Blick in die freie Landschaft umziehen durfte, bestimmt seitdem das Leben der Physiotherapeutin und der kaufmännischen Angestellten. Wie gut, wenn man selbstständig ist oder einen verständnisvollen Arbeitgeber hat, der akzeptiert, das zwischendurch das Findeltier gefüttert werden muss.

Ein weiterer Vorteil: Anika Oppermann, bringt Expertise mit. „Ein Jäger schießt nicht nur auf Wild, sondern nimmt sich auch Zeit, es aufzuziehen“, sagt sie. Ein junger Feinschmecker Anfangs war alle drei Stunden Füttern angesagt – aber zuallererst musste die passende Babynahrung für die Nuckelflasche her. Kuhmilch vertragen Kitze nicht, Ziegenmilch spuckte das Rehkitz ihnen vor die Füße. Mit Katzenaufzugsmilch wurde überbrückt, bis das per Internet bestellte Lämmer-Kombi-Aufzuchtpulver geliefert war. Tierärztin Gisela Dankert stand zu jeder Uhrzeit als Ratgeberin zur Verfügung – und war nicht die einzige Unterstützung: Landwirt Jan-Hermann Laes zum Beispiel hilft mit Gratisstroh und Heu und die Burgwedeler Tafel mit den Resten des Grünzeugs, das sich zur Ausgabe nicht eignet.

Die Frauen nehmen ihren Bambi-Job ernst. In Sachen heimische Botanik hat Simone Behnke eine Menge gelernt, und das nicht nur aus ihrem neuen Pflanzenbuch. Kräuter, Klee, Blüten, Löwenzahn und junge Äste – alles eben, was eigentlich die Ricke ihrem Kitz bringen würde – haben die Ersatzmütter wieder und wieder gesammelt. „Ebereschen liebt Bambi über alles“, weiß die Physiotherapeutin jetzt, die es vorher mit dem Bäume-Unterscheiden nicht so hatte. Wer konnte auch schon ahnen, dass sie einmal im Deister Bucheckern auflesen und sie am Rande der Farster Bauerschaft auf einer Wiese verstreuen würde, auf der nahrhafte Kräuter eingesät wurden. Schließlich muss Bambi ja lernen, sein Futter selbst zu finden.

 Das Ziel: Zurück in die Freiheit

Und die Frauen haben noch viele andere Dinge gelernt: Parfüm beispielsweise ist tabu. Darauf reagiert das Tier noch panischer als auf hektische Menschen. Und die Pflegeeltern wissen jetzt auch, dass sie Bambis Po-Gegend bis zu einem gewissen Alter durch Kraulen anregen müssen, damit sich das Kitz erleichtern kann. Auch bei der Körperpflege muss die fehlende Mami ersetzt werden, etwa beim Reinigen der Vorderläufe.

Mittlerweile wird nur noch dreimal täglich Grünzeug geschnippelt und gefüttert. Der Blick ist mittlerweile aufs Frühjahr gerichtet. Dann soll Bambi, das längst die hellen Punkte im Fell verloren hat, ausgewildert werden. Keinen Hund und nur ganz wenige Menschen lassen Behnke und Oppermann in die Nähe des Geheges, um den Fluchtinstinkt des Wildtieres nicht zu beeinträchtigen. Fotos von Bambi hat Anika Oppermann schon einmal vorsorglich an die Jäger-Kollegen in den Nachbarrevieren verteilt– damit ihr Findelkind, das dann ein orangefarbenes Halsband tragen wird, nicht versehentlich abgeschossen wird.

Fotostrecke Isernhagen: Pflegemütter päppeln Bambi auf