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Isernhagen Der Brexit in der Feuerwehr ist abgewendet
Umland Isernhagen Der Brexit in der Feuerwehr ist abgewendet
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14:27 28.12.2018
Nach erfolgreich absolviertem Einbürgerungstest besitzt Mitchell Holt nun sowohl die deutsche als auch die britische Staatsbürgerschaft. Quelle: Sandra Köhler
Neuwarmbüchen

Den Briten kann und will Mitchell Holt, seines Zeichens seit 2014 stellvertretender Ortsbrandmeister in Neuwarmbüchen, nicht leugnen. Dass er nun einen Einbürgerungstest und nach 23 Jahren in Deutschland auch einen B1-Sprachtest absolvierte, um zusätzlich zu seiner britischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen: das ist der Austrittsabsicht seines Vaterlandes aus der EU geschuldet. Denn auch Ehrensbeamte wie Ortsbrandmeister und deren Stellvertreter müssen entweder die deutsche oder die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedslandes haben.

„He Mitch, du darfst das bald nicht mehr machen“, habe ihn ein Feuerwehrkollege aus Elze nach dem Referendum in seinem Heimatland auf die Problematik aufmerksam gemacht. „Ich dachte, der verulkt mich“, erinnert sich Holt. Das ehemalige Mitglied der Britischen Army wohnt seit 1995 in Deutschland, gehört seither der Ortsfeuerwehr Neuwarmbüchen an, hat mit seiner deutschen Frau Corina Kinder – war aber trotzdem britischer Staatsbürger geblieben. Auf Nachfrage machte sich seine Frau, praktischerweise Verwaltungsbeamtin, schlau. Und musste sagen: es stimmt. Beamter in Deutschland kann nach geltendem Recht nur sein, wer die deutsche oder die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedslandes besitzt. Sobald Großbritannien den Brexit vollzogen hat, bedeute dies: Holt könne sein Ehrenamt nicht mehr ausüben. Eine Ausnahmegenehmigung, erfuhr er bei Nachfragen bis hin zur Regionsebene, gebe es nicht. „Unser Gemeindebrandmeister und der Abschnittsleiter haben mich sehr unterstützt. Aber da war nichts zu machen“, sagt Holt.

Was nun, machte sich Holt, der seit 1996 als Flugzeugabfertiger am Flughafen Langenhagen arbeitet, Gedanken. Rechtzeitig von seinem Amt zurücktreten, damit die Kameraden nach einen neuen Vize-Ortsbrandmeister Ausschau halten können? Der Gedanke machte ihm Bauchschmerzen. Denn Holt fühlt sich wohl in seiner Tätigkeit: „Meine Kollegen finden auch ganz gut, wie ich das mache. Als ich 2015 erkrankte, haben mich auch alle unterstützt, bis ich wieder fit war.“ Über seinen Schwiegervater, den ehemaligen Ortsbrandmeister Helmut Bode, war er 1995 zur Freiwilligen Feuerwehr gekommen: „Ich war aus der Army raus – und damit waren meine ganzen Kumpels weg. Hier habe ich neue gefunden. Ich bin super aufgenommen worden. Und konnte gleichzeitig Deutsch sprechen lernen.“ Zwölf Jahre Gerätewart, Gruppenführer, dann Vize-Ortsbrandmeister: Holt hatte sich durch die Feuerwehr integriert. Ein Rücktritt war keine wirkliche Option.

Also blieb der Antrag auf Einbürgerung. „Was man da alles an Papieren vorlegen muss, das habe selbst ich als Beamtin unterschätzt“, sagt Corina Holt. Und in der Tat war der Einbürgerungstest mit seinen 33 Fragen selbst nicht das Problem. „Der Test ist ein wenig wie eine Führerscheinprüfung“, sagt Holt schmunzelnd: „Einiges muss man einfach lernen.“ Gesagt, getan. Doch die deutsche Staatsbürgerschaft hatte er damit noch lange nicht erlangt. Er müsse erst seine Deutschkenntnisse nachweisen. Eine Ausbildung zum geprüften Flugzeugabfertiger, seine jahrelange Tätigkeit als Fluglotse, bei der er per Funk auch auf Deutsch kommunizieren muss, diverse Feuerwehrlehrgänge an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz – all das reichte als Nachweis nicht aus. Gefordert war ein B1-Zertifikat, abzulegen an einer Volkshochschule, erfuhr Holt im März 2018.

Auch dazu war er bereit. Mitsamt aller Probleme, die das für einen Schichtarbeiter mit sich bringt. „Ich habe tagelang rumtelefoniert – doch alle Termine waren voll“, erinnert sich der Feuerwehrmann an den nächsten Stein auf dem Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft. Er ließ sich auf eine Warteliste setzen, bekam einen Anruf, dass am kommenden Tage ein Prüfungstermin frei wurde. Tauschte mit einem Arbeitskollegen die Schicht – und absolvierte die fehlende Sprachprüfung. Im Nachhinein kann er über den Irrwitz nur lachen. Belohnt wurde er von seinen Feuerwehrkollegen. „Die haben eine ganz tolle Einbürgerungsfeier für mich organisiert“, sagt er lachend. Mit Präsenten, wie sie sich Neu-Deutsche nicht schöner wünschen können. Jede Menge Sauerkraut, Hannöversches Bier und andere deutsche Spezialitäten, dazu als Zierde für die grüne Parzelle ein Gartenzwerg. Deutscher geht’s nimmer. Auch, wenn die Kissen auf dem Sofa im Wohnzimmer die britische Flagge zeigen.

„Die offizielle Feier bei der Region war wirklich schön“, sagt seine Frau Corina. Dort hätten sie auch noch einige Briten getroffen. Bei der Erinnerung an die Ansprache von Regionspräsident Hauke Jagau muss sie schmunzeln. „Jagau sagte, die nun Eingebürgerten könnten sich ja nun engagieren. Im Sportverein oder der Feuerwehr. ’Deswegen sind wir doch hier!’ hab ich nur gedacht.“

Beamtenstatusgesetz wird geändert

Nicht nur Ehrenbeamten wie Mitchell Holt macht der zu erwartende Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union Schwierigkeiten. Auch alle anderen Beamten, die zu diesem Zeitpunkt lediglich in Besitz der britischen Staatsangehörigkeit sind, wären damit laut bisher geltendem Recht aus ihrem Beamtenverhältnis zu entlassen. Dies könnte unter anderem Verwaltungsbeamte, aber auch Lehrer, Justizvollzugsbeamte, Polizisten und Beamte im Zolldienst auf Länder und Kommunenebene betreffen. Um dies zu verhindern, hat die Bundesregierung eine Änderung des sogenannten Beamtenstatusgesetzes angestrengt. Danach sollen im Einzelfall Ausnahmen von den Entlassungen möglich sein, „wenn für den Verbleib ... ein dringendes dienstliches Interesse besteht oder bei wissenschaftlichem und künstlerischem Personal andere wichtige Gründe vorliegen“ heißt es aus dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport. Eine entsprechende Entscheidung müsse rechtzeitig vor dem Stichtag getroffen werden.

Von Sandra Köhler

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