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Isernhagen Vater ohrfeigt Tochter – Gericht verhängt Geldstrafe
Umland Isernhagen

Prozess in Burgwedel/Isernhagen: Vater ohrfeigt Tochter und muss wegen Körperverletzung Geldstrafe zahlen

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18:03 12.08.2019
Am Amtsgericht Burgwedel wurde ein 34-Jähriger wegen Körperverletzung verurteilt: Er soll seiner Tochter eine Ohrfeige gegeben haben. Quelle: Frank Walter (Archiv)
Isernhagen/Burgwedel

Auch mit einem kleinen Klaps können sich Eltern bereits wegen Körperverletzung strafbar machen. Erst recht dann, wenn sie ihrem Kind eine Ohrfeige geben und dieses dadurch Schmerzen erleidet. Das musste nun auch ein 34-jähriger Vater am Amtsgericht Burgwedel erfahren. Amtsrichter Michael Siebrecht sah es als erwiesen an, dass der Mann seiner vierjährigen Tochter auf einem Parkplatz in Isernhagen eine Ohrfeige verpasste, woraufhin das Mädchen zu weinen anfing. Deshalb wurde er zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro – 30 Tagessätzen à 40 Euro – wegen Körperverletzung verurteilt.

Eine Ohrfeige oder nur die Hand vor den Mund gehalten?

Vor Gericht versuchte der Angeklagte, den Richter mit seiner Sicht der Dinge zu überzeugen. Er habe seiner Tochter nur die Hand vor den Mund gehalten, erklärte er. „Auf einmal fing sie an, mich anzuspucken“, sagte er. Dabei habe er ihr nur die Mütze überziehen wollen. Da habe er ihr die Hand vor den Mund gehalten und so etwas gesagt wie „Das macht man nicht.“ Doch diese Version der Geschichte nahm Richter Siebrecht ihm nicht ab. Zwei Frauen, die beim angrenzenden Rewe-Supermarkt im Service arbeiten, hatten nämlich etwas ganz anderes beobachtet. Sie sagten beide aus, der Angeklagte habe ausgeholt und seine Tochter geschlagen, woraufhin sie geweint habe. „Das war schon so, weil es ihr weh getan hat“, sagte eine der beiden Frauen.

Laut Zeuginnen: Ohrfeige war ein heftiger Schlag

Die Zeuginnen hatten das Geschehen aus einiger Entfernung beobachtet und sagten aus, dass es ein heftigerer Schlag gewesen sei. Eine der Zeuginnen erklärte: „Der war zu doll.“ Das sei eine total übertriebene und extreme Reaktion gewesen. Zuvor habe der Angeklagte seine Tochter bereits wegen der Mütze angeschrien, dadurch sei sie auf die Situation aufmerksam geworden. Als sie dann den Schlag mitbekommen habe, sei sie so geschockt gewesen, dass sie zurück in den Supermarkt gelaufen sei. Beide Frauen gaben an, Erfahrung mit Gewalt gegenüber Kindern zu haben. Auf die Frage, warum sie das Geschehen zur Anzeige gebracht habe, sagte eine der Zeuginnen: „Weil man Kinder einfach nicht schlägt.“ Allerdings: Die Anzeige erfolgte erst Tage nach der Tat.

Richter hat keine Zweifel an Ohrfeige

Und genau dies monierte die Verteidigung. Die Zeuginnen hätten sich erst Tage später bei der Polizei gemeldet. Zudem weise der Fall einige Ungereimtheiten auf. Die Mutter der Kinder habe bei deren Eintreffen zu Hause nichts bemerkt. Eine Frau habe direkt neben dem Geschehen gestanden und wurde nicht vor Gericht gehört. Das ließ Verteidiger Ralf Blidon schließen: „Die Situation haben die beiden Zeuginnen falsch eingeschätzt.“ Er plädierte auf Freispruch.

Differenzierte Aussagen

Dieser Argumentation folgte Richter Siebrecht nicht. Die Zeuginnen hätten keinen Grund gehabt, den Angeklagten grundlos anzuzeigen, denn sie kannten ihn nur oberflächlich. Außerdem hätten sie differenziert ausgesagt. Vielmehr sei er zu der Überzeugung gelangt, „dass es eine Ohrfeige gegeben hat, die heftig gewesen ist“. Eltern seien häufig von Kindern überfordert. Das mache übertriebene Reaktionen menschlich zwar verständlich, aber sei nicht zu rechtfertigen. Grundsätzlich sei er selbstverständlich im Zweifel für den Angeklagten. Diese Zweifel habe er hier aber nicht gehabt. Es sei eben doch so gewesen, dass zwei Zeuginnen gesagt hätten, das ginge so nicht.

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung

Seit dem Jahr 2000 haben Kinder in Deutschland ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Danach dürfen Kinder von ihren Eltern nicht körperlich bestraft werden. Konnte eine Körperverletzung vor der Gesetzesänderung noch durch das elterliche Züchtigungsrecht gerechtfertigt sein, macht sich heute strafbar, wer sein Kind körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt. Dafür sieht das Gesetz eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor.

Das wurde in den letzten Wochen in Burgwedel verhandelt:

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Von Alina Stillahn

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