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Isernhagen Kiran: 20 Jahre Einsatz für Mädchen in Nepal
Umland Isernhagen Kiran: 20 Jahre Einsatz für Mädchen in Nepal
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00:20 28.11.2018
Inge und Klaus Busch haben zum 20-jährigen Bestehen des Kiran Kinderhauses einen Kalender herausgebracht. Quelle: Heine
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Altwarmbüchen

Mit viel Musik, Tanz und einem Benefiz-Basar in der Grundschule hat der Verein Kiran Kinderhaus in Nepal sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Der Verein unterhält ein Kinderhaus in Kathmandu für Mädchen aus den ärmsten Schichten Nepals. Sie bekommen ein Zuhause sowie eine Schul- und Berufsausbildung. Vorbild ist das SOS-Kinderdorf in Sanothimi (Nepal).

„Es gab in den 20 Jahren viele beglückende Momente“, sagt Vorstandsmitglied Inge Busch rückblickend. Der Verein Kiran Kinderhaus habe aber auch schwere Zeiten zu bewältigen gehabt.

„Ich habe mir nicht vorgestellt, dass das Projekt über einen so langen Zeitraum Bestand haben würde“, sagt Inge Busch, die den Verein 1998 gemeinsam mit ihrem Mann Klaus gründete und den Vorsitz übernahm.

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Klaus Busch war als Geologe in der Entwicklungshilfe zwei Jahre lang in Nepal tätig. Seine Frau begleitete ihn nach Asien und erkannte während dieser Zeit, dass Mädchen in Nepal nicht zur Schule gehen, sondern Haus- und Feldarbeit verrichten. „Ich wolle etwas dagegen tun“, erklärt Inge Busch ihr Engagement.

Inzwischen ist die Anlage des Vereins in Kathmandu auf drei Häuser angewachsen. 25 Kinder und neun Studentinnen leben dort. Die ersten zehn Mädchen haben das Haus bereits verlassen. Sie sind verheiratet und berufstätig. Inge Busch möchte ihre Arbeit fortsetzen, solange es geht. „Es gab in den 20 Jahren viele beglückende Momente“, sagt sie rückblickend. Sie genieße vor allem die Begrüßung, wenn sie bei ihrem jährlichen Besuch im Herbst im Kinderhaus eintreffe. „Ich werde jünger, wenn ich dort bin“, gesteht die über 70-jährige pensionierte Lehrerin. „Tagsüber unterstütze ich die Kinder beim Lernen und frage den Schulstoff ab. Abends ist Familienzeit mit gemeinsamen Spielen und Gesang. Alle verständigen sich auf Englisch“, erzählt sie.

Es habe aber auch schwere Zeiten gegeben, erinnert sich Inge Busch. Eine Ehekrise des indischen Heimleiter-Ehepaares zum Beispiel, die 2004 einen Notruf nach Deutschland zur Folge hatte. „Oma, you must come“, lautete die Nachricht, die Inge Busch veranlasste, zwischen Weihnachten und Neujahr sofort nach Nepal zu reisen. Durch einen Glücksfall gewann sie Dini, eine Lehrerin an der Schule, die die Mädchen besuchen, als neue Heimleiterin. Gemeinsam mit ihrem Mann Ramesh, der sich um die Verwaltung kümmert, betreut sie die Mädchen. Auch das Erdbeben im Jahr 2015, bei dem die Kinder und Mitarbeiter des Kiran Kinderhauses unverletzt blieben, sei eine Herausforderung gewesen, sagt Inge Busch.

Über die Finanzierung habe sie sich anfangs kaum Gedanken gemacht. Erst allmählich habe sie gemeinsam mit ihrem Mann ein Fundraising-Konzept entwickelt und könne nun auf einen verlässlichen Unterstützerkreis bauen.

„Besonders positiv ist, dass ehemalige Kinderhaus-Kinder inzwischen eigene Projekte zur Unterstützung von Mädchen in Nepal organisieren. Sie geben weiter, was sie selbst erfahren haben. Das freut mich besonders“, betont Inge Busch. Seit 2005 gibt es zudem den Partnerverein Kiran Nepal mit Sitz in Kathmandu. Neun Nepalesen arbeiten ehrenamtlich im Vorstand, halten Kontakt zum örtlichen Sozialamt und regeln alles vor Ort.

Vor zwei Jahren hatte Alexander Laube den Vorsitz des Vereins in Isernhagen übernommen und Inge Busch abgelöst. Aus seiner Sicht soll das Projekt so weitergehen wie bisher. Kleine Veränderungen will Laube aber doch vornehmen. Zu seinen Plänen gehört zum Beispiel, noch mehr junge Leute in die Vereinsarbeit mit einzubeziehen und ein Sommerfest zu veranstalten. „Jedes Mädchen hat einen Paten in Deutschland. Ein Treffen dieser Unterstützer einmal im Jahr könnte ich mir gut vorstellen“, sagt Laube.

Anlässlich des Jubiläums war die Spendenbereitschaft für den Verein Kiran Kinderhaus besonders groß. Der Chor Cantamus hatte zum Auftakt des Wochenendes ein Benefizkonzert in der Kirchhorster St.-Nikolai-Kirche organisiert. „Es war ein toller musikalischen Mix mit Höhepunkten aus dem aktuellen Programm für einen tollen Anlass“, sagte Konzertbesucher Gerhard Raible, Mitglied des Kirchenvorstands. Der Lions Club Isernhagen-Burgwedel widmete dem Verein zudem den Erlös seines Benefiz-Golfturniers. Präsident Torsten Schneider und Clubmitglied Michael Butzmann überreichten Alexander Laube am Sonntag einen Scheck über 1500 Euro.

Marks und Hoppenstedt loben das Kinderhaus

Zum 20-jährigen Bestehen des Vereins Kiran Kinderhaus in Nepal waren auch die Bundestagsabgeordneten Caren Marks und Hendrik Hoppenstedt nach Altwarmbüchen gekommen. Beide dankten Inge und Klaus Busch für deren unermüdliches Engagement, benachteiligten Mädchen in Nepal zu helfen, ihnen Schutz vor Gewalt, Teilhabe an der Gesellschaft und Förderung durch Bildung zukommen zu lassen.

„Der Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen auf dem indischen Subkontinent ist eine gewaltige Aufgabe“, sagte Staatssekretärin Marks –und auch der weiteste Weg beginne mit einem ersten Schritt. „Es ist wichtig, Kinder und Jugendliche in anderen Teilen der Welt zu unterstützen, damit sie als Erwachsene in ihren Gesellschaften zum Wandel für mehr Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit beitragen können“, betonte Staatsminister Hoppenstedt. Das Kiran Kinderhaus eröffne Mädchen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben und somit nachhaltige Zukunftsperspektiven.

Von Sybille Heine

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