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Isernhagen  Vom Militär zum Freizeitevent
Umland Isernhagen  Vom Militär zum Freizeitevent
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11:11 05.11.2017
Die Reiter zeigen ihr Können an einigen Hindernissen. Quelle: Elena Everding
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Isernhagen

“Landleute, Stadtvolk, Dorfkinder, hier und da eine bunte Reiteruniform, dort die grünen Röcke der Schüler der Forstschule, da Blau und Weiß der Königsulanenkapelle und überall dazwischen wie roter Mohn in einem Felde, bunt von Blumen, die roten Röcke. Alles, was Pferdeverstand hat, ist heute hier“, schreibt Schriftsteller Hermann Löns im Jahr 1904 über die Hubertusjagd in Isernhagen. Man kann es sich wahrlich vorstellen, welch ein buntes Treiben damals zur Schleppjagd am Hubertustag, dem 3. November, in und vor dem Gasthaus von Heimberg in Isernhagen H.B. herrschte. Halb Hannover kam jedes Jahr dorthin, um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen – und so auch Löns.

Start am selben Punkt wie zu Löns’ Zeiten

Die Geschichte der Schleppjagd reicht allerdings noch weiter in die Vergangenheit – bis ins Jahr 1867, als das ein Jahr zuvor gegründete Militärreitinstitut Hannover zum ersten Mal seine Reiter zur Übung eine vorgegebene Stecke anspruchsvolle Hindernisse im Gelände überwinden ließ. 150 Jahre ist dies nun her – Grund für den Reit- und Fahrverein Isernhagen, dies mit einem Festwochenende zu feiern. Den Auftakt machte am Freitag, dem Hubertustag, eine Jubiläums-Schleppjagd.

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Zum 150-jährigen Jubiläum der Schleppjagd in Deutschland hat der Reitverein Isernhagen am Sonnabend zu einem „Ritt durch die Zeit“ eingeladen und so an die lange Geschichte dieser Tradition erinnert.

Am Sonnabend stand ein „Ritt durch die Zeit“ auf dem Programm: 10 Kilometer durch die Wietzeauen, den Mörsewinkel, Hainhaus, Maspe und Twenge. An vier Stationen begeben sich die etwa 50 Reiter auf die Spuren der Schleppjagd bei Isernhagen. Die erste Zusammenkunft ist am vom Löns erwähnten ehemaligen Gasthaus von Heimberg, dem heutigen Voltmers Hof. „Die Hubertusjagd startete damals von hier aus – sie war der Höhepunkt der Saison“, erzählt Wolfgang Kailing, Präsident des Niedersächsischen Poloclubs in Maspe

Hessen in historischer Tracht

Zu diesem gesellschaftlichen Ereignis machten sich  die Reiter dereinst natürlich besonders schick. Dieser Tradition folgend haben sich heute auch die Mitglieder der Taunusmeute in Schale geworfen, die für den Ritt extra aus Hessen angereist sind. „Wir tragen die historischen Uniformen der Parforce-Jäger vom Hof des Landgrafen Ernst-Ludwig von Hessen“, erklärt Julia Lässig, Präsidentin der Taunusmeute. Die Parforcejagd sei die Vorgängerin der Schleppjagd. Lässig reitet heute als einzige im Damensattel. 

Zurück zu den Anfängen führt die Teilnehmer die hannoversche Stadthistorikerin Vanessa Erstmann bei einem Zwischenstopp auf dem Pologestüt von Kailing in Maspe. „Es begann mit der Verlegung der Militärreitschule aus dem preußischen Schwedt/Oder nach Hannover im Jahr 1866“, erklärt Erstmann. Die Schleppjagd etablierte sich zunächst als Übung für die jungen reitenden Offiziere. Doch bald erfreute sich das Folgen der Hundemeute, die wiederum einer gelegten Durftspur hinterher schnuppert, großer Beliebtheit auch bei Freizeitreitern.

Jagdreiter in der Wietze als Gemälde

Eine ganz besondere Überraschung hält der Künstler Robert Hettich auf dem Gestüt bereit, der dort ein Jagdgemälde enthüllt. Er und Kailing kennen sich schon lange, so gab es die Idee zu dem Kunstwerk. Es zeigt eine Szene der Schleppjagd an der Wietze, die ein Reiter nach dem anderen durchwatet. „Wenn das Wasser hoch stand, machte auch schon mal ein Reiter einen Sprung in die Wietze“, erinnert sich Camill von Dungern, Master der Niedersachsenmeute, welche bei den Jagden schon seit vielen Jahrzehnten eingesetzt wird. Kailing und von Dungern können deshalb auf viele gemeinsame Schleppjagden um Isernhagen herum zurückblicken.

Abschluss des Rittes, bei dem auch viele Besucher ohne Pferd, dafür mit Auto, dabei waren, bildet das Denkmal des Kronzprinzen Wilhelm in Hainhaus. Danach bleibt den Reitern dann Zeit zum Ausruhen und Aufhübschen – den krönenden Abschluss des Wochenendes bildete am Samstagabend ein Jubiläumsball im Hotel Kokenhof in Burgwedel

Von Elena Everding

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