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Isernhagen Tischlerei Helmrich investiert in Klimaschutz und Nachhaltigkeit
Umland Isernhagen

isernhagen Tischlerei Helmrich investiert in Klimaschutz und Nachhaltigkeit

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18:16 13.08.2019
Ralf (von links) und Rüdiger Helmrich ist Nachhaltigkeit wichtig. Deshalb haben sie für ihre Tischlerei unter anderem ein E-Mobil angeschafft und eine eigene Stromtankstelle installiert. Quelle: Sandra Köhler
Isernhagen N.B

Die Inhaber der Tischlerei Helmrich in Isernhagen N.B. reden nicht nur über Klimaschutz – sie tun auch viel dafür: Der seit 60 Jahren ansässige Familienbetrieb produziert seit diesem Jahr seinen Strom mit einer eigenen Fotovoltaikanlage, hat die Heizung der kompletten Produktion auf Holzspäne umgestellt, ein E-Mobil angeschafft und eine Stromtankstelle installiert. Dem Unternehmen gelingt der Spagat zwischen Ressourcen schonen und erneuerbare Energien einsetzen auf der einen Seite sowie ökonomisch rentabel arbeiten auf der anderen.

„Wir fühlen uns in Isernhagen wohl“

„Es liegt wohl am Werkstoff, mit dem wir umgehen“, sagt Rüdiger Helmrich auf die Frage, warum ein mittelständischer Betrieb mit etwa 35 Mitarbeitern sich entschließt, derart intensiv in den Klimaschutz zu investieren. „Holz ist ein nachhaltiger und nachwachsender Rohstoff, das bieten weder Stein noch Metall.“ Der Holzwirt teilt sich die Geschäftsführung mit seinem Vater, dem Seniorchef und Tischlermeister Robert Helmrich, und seinem Bruder Ralf. Der ist ebenfalls Tischlermeister und zusätzlich Innenarchitekt. Und es sieht so aus, als wolle mit dem Sohn des Holzwirtes auch die dritte Generation in den Familienbetrieb einsteigen. „Wir wollen die Zukunft auch für die folgenden Generationen sichern.“ Zudem seien die umfangreichen Investitionen auch ein Bekenntnis zum Standort Isernhagen. „Wir fühlen uns hier wohl“, sagt Rüdiger Helmrich.

In diesem Turm lagern die Holzspäne für die Heizung der Werkstätten. Quelle: Sandra Köhler

Späne für die Heizung werden im Turm gelagert

Ein holzverarbeitender Betrieb, der sich dazu entschließt, von einer herkömmlichen Öl- komplett auf eine Späneheizung umzusatteln: Das klingt nicht ganz weit hergeholt. Ungewöhnlich indes ist, dass die Heizung der Fertigung, die mittlerweile auf einer Fläche von mehr als 2000 Quadratmetern erfolgt, zumindest teilweise bereits seit den Siebzigerjahren genau so funktioniert. „Mein Vater hat die in den Siebzigern nach der ersten Ölkrise einbauen lassen, um unabhängiger zu sein“, sagt Rüdiger Helmrich. Vorausschauend in einer Zeit, in der an einen kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien nicht zu denken war. Und naheliegend, können so doch die in der Tischlerei anfallenden Späne zur Energiegewinnung genutzt werden. „Gelagert werden sie in unserem Turm“, sagt der Holzwirt. In den passen etwa 150 Kubikmeter.

Eigene Holzabfälle reichen nicht

Ganz ließ sich der Energiebedarf durch den anfallenden Holzverschnitt aber nie decken. „Ein Kilogramm Holz hat eben weniger Heizwert als ein Liter Heizöl“, sagt er. Zudem sei mit dem Einsatz von computergesteuerten Maschinen die Effektivität des Holzzuschnitts gestiegen. Deutlich unter 10 Prozent beträgt der Verschnitt, der dann zum Heizen genutzt wird.

Fotovoltaik auf den eigenen Gebäuden, Holzheizung und E-Mobilität: Die Geschäftsführer der Firma Helmrich haben ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit genau auf den eigenen Betrieb abgestimmt.

Etwas mehr Arbeit bei gleichen Kosten

Doch warum die Umstellung ganz auf Holz, wenn es vorher mit der Ergänzung durch Öl gut lief? „Unser Ölkessel war in die Jahre gekommen, und wir mussten uns Gedanken machen, wie es weitergeht“, sagt Rüdiger Helmrich. Die Entscheidung für eine Aufrüstung der Späneheizung fiel schnell. Die Kalkulation, dass die Kosten in etwa gleich bleiben, machten den Entschluss einfach. Auch wenn es durchaus aufwendiger sei, diese Heizung alle zwei bis drei Wochen einmal herunterzufahren, auszuräumen und wieder hochzufahren.

Rund ein Drittel des Brennstoffes kommt in der Tischlerei zusammen, der Rest wird zugekauft. „Es sind Holzhackschnitzel aus Tannenholz aus dem Harz. Dafür werden keine Wälder abgeholzt, das Holz fällt beim Durchforsten an“, erklärt der Geschäftsführer. Das Brennmaterial stammt aus der Nähe, muss also nicht über Hunderte von Kilometern transportiert werden. Das ist Helmrich wichtig – und gut fürs Klima.

Mit Fotovoltaik will die Tischlerei Helmrich ihren Strombedarf möglichst weitgehend decken. Quelle: privat

Der Strom wird auf dem Dach produziert

Auch beim Strom setzt die Tischlerei seit Anfang des Jahres auf alternative Energien. Etwa 130.000 Kilowattstunden werden im Jahr benötigt. Die Hälfte davon soll eine Fotovoltaikanlage erwirtschaften. „Es sieht gut aus“, sagt der Geschäftsführer mit Blick auf die bisherige Statistik. Der in Spitzenzeiten von den etwa 1000 Quadratmetern Solarkollektoren auf dem Firmendach zu viel produzierte Strom wird ins Netz eingespeist. „Und was morgens oder im Winter fehlt, kaufen wir zu.“

Übrigens: Die stets sinkende Einspeisevergütung habe keine Rolle gespielt. Vielmehr die Überlegung, dass die Firma nach rund 20 Jahren – so lange wird es etwa dauern, bis die Investitionen abgeschrieben sind – Strom wirtschaftlich produzieren kann. „Und wenn es zwei oder drei Jahre länger dauert, weil es doch nicht so viele Sonnenstunden gab wie gedacht, dann ist das auch okay.“

Fahrzeugpark wird auf E-Autos umgerüstet

Punkt drei: die Mobilität. E-Mobilität, um genau zu sein. „Wir haben ein Elektroauto als Monteurwagen angeschafft. Da wir überwiegend regionale Aufträge im Umkreis von 50 Kilometern haben, passt das mit der Reichweite von 280 Kilometern ganz gut“, erläutert der Geschäftsführer. Ein zweites E-Mobil ist bereits bestellt – für den Außendienstler. Aufgeladen wird das Fahrzeug an der firmeneigenen Stromtanksäule. Die können auch Kunden und Mitarbeiter kostenlos nutzen.

Klimaneutral – Mitarbeiter radeln zur Arbeit

„Wir haben zwei, die kommen mit E-Bikes. Doch wir haben auch viele Fahrradfahrer aus Burgwedel, F.B., einer wohnt hinter Sehnde und radelt täglich hierher“, sagt Helmrich schon ein wenig stolz. Noch klimafreundlicher gehe es fast nicht. Ganz oben bei den weiteren Planungen steht, den dieselbetriebenen Gabelstapler gegen ein Elektromodell auszutauschen. „Das wünschen sich auch die Mitarbeiter, das stinkt dann nicht mehr so“, sagt der Chef schmunzelnd.

Klimaschutz funktioniert nicht bei jeder Firma

Gründlich und genau überlegen, was möglich ist – auch aus kaufmännischer Sicht, und dann passgenau im eigenen Betrieb umsetzen: So haben die Geschäftsführer der Tischlerei Helmrich das für sie wichtige Thema Nachhaltigkeit angepackt. „Das funktioniert natürlich nicht bei jeder Firma“, weiß Rüdiger Helmrich. „Es muss einfach passen.“ Für Betriebe, die keine eigene Fertigung besitzen und damit keine großen Hallen, rentiere es sich nicht zwangsläufig, die Heizungsanlage umzustellen. Und: Solarkollektoren zur Stromerzeugung hingegen benötigen nicht nur eigene Gebäude – sie müssen auch von der Ausrichtung und der Dachneigung her passen. Schlagschatten von benachbarten höheren Gebäuden beispielsweise schmälern die Stromproduktion der Fotovoltaikanlage.

Aber Helmrich ist nicht allein: Ebenfalls stark auf den Faktor Nachhaltigkeit setze seiner Kenntnis nach die Firma Ziegler, ein Metallbauunternehmen. Es habe auf den Dachflächen seines Gebäudes in Kirchhorst beispielsweise ebenfalls eine Fotovoltaikanlage errichtet.

Auch das ist schonender Umgang mit Ressourcen: In diesem Schreibtisch wurde als Platte Eichenholz aus einem alten Fachwerkhaus verbaut. Quelle: Sandra Köhler

Upcycling – altes Holz für neue Möbel

Eine Facette des Themas Nachhaltigkeit ist das sogenannte Upcycling, bei dem scheinbare Abfälle in neuwertige Produkte umgewandelt und somit aufgewertet werden. Ein Beispiel dafür sind die in vielen Haushalten beliebten Palettenmöbel. Auch in der Tischlerei Helmrich werden Althölzer recycelt und in neue Möbel eingearbeitet. Das gibt nicht nur eine spannende Kombination aus weiß gelackten Flächen und rustikalen Holzstrukturen, sondern auch tolle Designerstücke, die sich vorzeigen lassen. So steht im Firmengebäude ein moderner geschwungener Schreibtisch, dessen Platte auf einer Seite fachmännisch verzahnt von einer alten Eichenbohle aus einem Fachwerkhaus gehalten wird.

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