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Laatzen Bekommen Bedürftige in Laatzen einen Aktiv-Pass?
Umland Laatzen Bekommen Bedürftige in Laatzen einen Aktiv-Pass?
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00:20 25.01.2019
Regina Asendorf (rechts) und Linus Melletat (von links) moderieren die Diskussion im Stadthaus, an der auch Katja Dörner, Katrin Langensiepen, Sinja Münzberg, Monika Brandt-Zwirner und Thomas Schrader teilnehmen. Quelle: Privat
Laatzen-Mitte

Der Anfang ist gemacht: Rund 40 Interessierte haben sich am Freitagabend zusammengefunden, um über Kinderarmut in Laatzen zu sprechen. Auf Einladung der Laatzener Grünen tauschten sich Vertreter von Institutionen, der Laatzener Politik, der Stadtverwaltung sowie engagierte Bürger im Stadthaus über das Thema aus – und machten erste konkrete Vorschläge. So könnte unter anderem nach hannoverschem Vorbild ein Laatzen-Aktiv-Pass eingeführt werden.

Im Dezember hatte der Rat der Stadt beschlossen, einen Runden Tisch zu Kinderarmut in Laatzen einzurichten. Die Grünen, die neue Gremium initiiert hatten, luden nun zu einem informativen Austausch ins Stadthaus ein. Mit dabei waren unter anderem Vertreter der Leine-Volkshochschule, des Vereins Donna Clara, der Kirchenkreissozialarbeit, der SPD, der CDU und von Victors Residenz Margarethenhof.

Einen Überblick über die Situation und die Entwicklung in Laatzen gab Thomas Schrader, Fachbereichsleiter Soziales bei der Stadt. Ein Schlüssel bei der Förderung armer Kinder sei aus seiner Sicht das Thema Bildung. In den vergangenen Jahren habe die Stadt teils über eine Million Euro jährlich in das sogenannte Laatzener Profil für Bildung und Betreuung investiert – mit zusätzlichen Ausgaben für Sprachförderung, Sozialarbeit und Drittkräften in Krippen, die über die Pflichtaufgaben der Kommune hinausgingen. Und doch nähmen beispielsweise die Zahlen derjenigen Kinder, die bei den Schuleingangsuntersuchungen sprachlich auffielen, nicht ab. „Wir stellen dabei auch fest, das viele Kinder, die auf den ersten Blick keinen Migrationshintergrund haben, zunehmend sprachliche Probleme haben.“ Die Kernfrage sei für Schrader, „wie man den Teufelskreis aus sozialer Benachteiligung und mangelndem Bildungsabschluss durchbrechen kann“.

In der Diskussion wurden eine Reihe bestehender Defizite genannt. Einig zeigten sich die Teilnehmer etwa darin, dass die Verfahren, um Leistungen zu erhalten, zu bürokratisch seien. „Sie sind zu kompliziert, zu wenig gebündelt und in vielen Bereichen nicht ausreichend“, fasst Andreas Quasten die Diskussion zusammen. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katja Dörner brachte unter anderem die Kindergrundsicherung ins Gespräch, die derzeit auf Bundesebene diskutiert wird.

Eines der Hauptanliegen der Organisatoren bestand darin zu erörtern, wie Kindern in Laatzen auf kommunaler Ebene direkt geholfen werden kann, ohne auf Gesetzesänderungen oder Programme aus Berlin und Hannover zu warten. Zur Sprache kamen mehrere Vorschläge:

Laatzen-Aktiv-Pass: Gleich mehrere Teilnehmer befürworteten die Einführung eines Laatzen-Aktiv-Passes nach hannoverschem Vorbild, der Vergünstigungen in öffentlichen Einrichtungen ermöglicht. Grünen-Europakandidatin Katrin Langensiepen aus Hannover kennt das Modell: Der Aktiv-Pass ermögliche Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an Kultur und Bildungsangeboten ohne bürokratische Hürden. „Die Leute müssen sich nicht schämen: Man muss den Pass nur vorzeigen, dann ist gut“, sagt Grünen-Ratsfrau Regina Asendorf.

Ausbau von Kindertagesstätten: Um hohe Bildungschancen zu ermöglichen, müssten Ganztagsangebote im Kita-Bereich ausgebaut werden, glaubt Schrader. Die Stadt stoße dabei jedoch an finanzielle und personelle Grenzen. Bei der Veranstaltung wurde kritisiert, dass das Land lieber Geld für die Abschaffung der Kindergartenbeiträge ausgibt, statt es in die Kitas zu investieren. Entlastet würden davon vor allem Besserverdienende.

Ganztagsangebote an Schulen: Nachholbedarf gibt es auch in den Laatzener Schulen, die bislang nur teilweise auf einen Ganztagsbetrieb umgestellt haben. Notwendig wären allerdings verlässliche Betreuungszeiten bis zum späten Nachmittag und in den Ferien.

Höhere Leistungssätze: Kirchenkreissozialarbeiterin Monika Brandt-Zwirner sprach sich für eine Erhöhung der Leistungssätze für arme Familien aus. Die bislang vorgesehenen Zuschüsse etwa für Lernmittel in Schulen, aber auch für Kleidung seien zu niedrig angesetzt. Ein weiteres Problem: Die Zahl der Bedürftigen, die trotz eines Anspruchs keine Bildungs- und Teilhabeleistungen beziehen, ist in Laatzen relativ hoch. Hier bedarf es einer engen Kooperation der Beteiligten.

13 Besucher trugen sich noch am Abend in Listen ein, um ihr Interesse am Runden Tisch zu bekunden. Die Stadt bereitet derzeit die Gründung des neuen Gremiums vor. Wer Interesse an einer regelmäßigen Mitarbeit hat, kann sich per Email an die Adresse thomas.schrader@laatzen.de wenden.

Von Johannes Dorndorf

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