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Laatzen Gegen Kinderarmut: Beteiligt sich Laatzen am Hannover-Aktiv-Pass?
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Gegen Kinderarmut in Laatzen: Beteiligt sich die Stadt am Hannover-Aktiv-Pass?

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17:23 29.11.2019
Zu wenig Geld für echte Teilhabe? Laatzens Politiker diskutieren über Kinderarmut. Quelle: Jens Kalaene
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Laatzen

Jedes dritte Laatzener Kind gilt als arm: 32 Prozent der unter 16-Jährigen sind von staatlichen Leistungen, sogenannten Transferleistungen, abhängig. Der Kinder- und Jugendhilfeausschuss hat jetzt in einer Zwischenbilanz die bisherigen Bemühungen des Runden Tischs gegen Kinderarmut zusammengetragen, der im Frühjahr gegründet worden war. Das Spektrum der Ideen reicht von einer Laatzen-Aktiv-Card für arme Familien bis zur Öffnung der Nachmittagsbetreuung in Kitas für arbeitslose Familien.

Als eines der Hauptprobleme im Umgang mit Kinderarmut gilt die Frage der Ausgrenzung: Mangels Geld fällt es armen Familien schwerer, ihren Kindern die gleichen Aktivitäten zu ermöglichen, wie es anderen möglich ist. Dabei verpflichtet die UN-Kinderrechtskonvention dazu, dem entgegenzuwirken, wie Ausschussmitglied Ottokar Schulz betonte: „Die Teilhabe ist nicht etwas Gnadenhaftes, sondern ein Rechtsanspruch.“

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Um in Laatzen weiterzukommen, hat der Runde Tisch eine Reihe von Ideen entwickelt:

Broschüre mit Gratisangeboten: Eine Broschüre könnte alle kostenlosen oder sehr preiswerten Angebote in Laatzen zusammenstellen. „In Hannover gibt es so etwas bereits unter dem Titel ,Der kleine Geldbeutel‘“, erläuterte Ludger Oldeweme, Leiter des Teams Jugend, Familie und Senioren. Denkbar sei auch eine entsprechende App.

Beteiligung am Hannover-Aktiv-Pass: Seit 2009 gibt es den Hannover-Aktiv-Pass, der armen Kindern aus Hannover den Besuch und die Nutzung von vielen öffentlichen Einrichtungen und Angeboten ermöglicht. Der Runde Tisch regt an, sich daran zu beteiligen. Auf Anfrage heißt es in Hannover, dass eine solche Beteiligung erst auf politischer Ebene beschlossen werden müsste, erläuterte Oldeweme.

Einführung einer Laatzen-Aktiv-Card: Parallel wäre die Einführung einer ähnlichen Karte für Laatzen denkbar. „Es stellt sich allerdings die Frage, ob es überhaupt genügend Möglichkeiten in Laatzen gibt“, sagte Oldeweme. Die Stadtbücherei sei schon jetzt gratis, das Aqualaatzium eine eigene Gesellschaft und die Musikschule in Vereinsregie.

Sportvereine machen bereits Angebote

Gundhild Fiedler-Dreyer (CDU) favorisiert zunächst die Erstellung einer Broschüre. „Die Sportvereine bieten schon jetzt ganz viel an, das müsste mehr nach außen getragen werden“, sagte die Christdemokratin. Thomas Hoppe (CDU) kann sich vorstellen, dass eine entsprechende App zentral bei der Region für alle Kommunen erstellt wird.

Hans-Joachim Rauch (AWO) sprach sich dafür aus, Familien besser über die sogenannten Bildungs- und Teilhabeleistungen zu informieren. Daraus können unter anderem Anschaffungen für die Schule, aber auch Klassenfahrten und Essensgeld finanziert werden. Dies nahmen in Laatzen zuletzt nur 78 Prozent der Berechtigen wahr, während die Quote in anderen Kommunen höher sei. Sein Vorschlag: Die Stadt könnte alle Betroffenen direkt anschreiben, um zu informieren.

Stadt schließt Kinder vom Ganztag aus

Aus Sicht der Stadtverwaltung sollte parallel bei der außerschulischen Bildung angesetzt werden – etwa im Kita-Bereich. „Wir müssten dazu kommen, alle Kita-Plätze als Ganztagsplätze anzubieten, damit alle Kinder die Möglichkeit haben, gefördert zu werden“, sagte Schrader – und zwar auf freiwilliger Basis. Bislang gebe es dafür allerdings nicht genügend Plätze, sodass die Stadt die Berufstätigkeit der Eltern zur Bedingung mache. „Ich bedauere es, dass vor allem Kinder nicht in die Ganztagsbetreuung kommen, die es dringend nötig hätten“, ergänzte Arne Bungeroth, Leiter der Laatzener Kinder- und Jugendhilfe. Das Gleiche gelte für den schulischen Bereich. „Das ist eine strukturelle Benachteiligung, die wir verantworten.“

Im nächsten Schritt will der Runde Tisch nun Erfahrungen aus anderen Kommunen zusammentragen. Für Januar soll eine Vertreterin der Stadt Braunschweig beim Runden Tisch referieren. Der Termin steht noch nicht fest.

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Von Johannes Dorndorf

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