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Laatzen Region will 2019 Hildesheimer Straße sanieren und Schutzstreifen für Radfahrer einrichten
Umland Laatzen Region will 2019 Hildesheimer Straße sanieren und Schutzstreifen für Radfahrer einrichten
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19:18 27.11.2018
Die Region will 2019 die Fahrbahn und Seitenbereich der Hildesheimer Straße zwischen Gleidingen und Rethen auf einer Länge von 500 Metern sanieren. Auf der Westseite und parallel zu den Bahngleisen in Fahrtrichtung Süden soll dann auch ein 1,50 Meter breiter Schutzstreife für Radfahrer eingerichtet werden. Quelle: Astrid Köhler
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Rethen

Die Hildesheimer Straße und besonders der parallel dazu verlaufende und für Radfahrer freigegebene Gehweg zwischen Gleidingen und Rethen gilt schon seit Längerem als sanierungswürdig. Im nächsten Jahr will die Region die Maßnahme nun anpacken. Gemeinsam mit der Stadt soll dann ein 500 Meter langes Teilstück zwischen dem Orpheusweg und dem Enzianweg erneuert werden. Im Zuge dessen soll auf der Westseite auch ein Schutzstreifen für Radfahrer in Richtung Süden eingerichtet werden. Im Ortsrat wurde die Planung am Montag genauer vorgestellt – und mitunter emotional diskutiert.

Einseitiger Schutzstreifen für Fahrradfahrer auf der Hildesheimer Straße: Regionsvertreterin Wiebke Schepelmann stellt die Planungen am Montag im Ortsrat Gleidingen vor vielen Zuhörern, auch aus Rethen, vor. Quelle: Astrid Köhler

Der Seitenraum sehe nicht mehr schön aus, sagte die Verkehrsanlagenplanerin der Region, Wiebke Schepelmann. Die Optik allein ist aber noch kein Grund. Die Maßnahme ist vielmehr auch wegen Änderungen in der Straßenverkehrsordnungen (StVO) nötig und um den Radverkehr neu und sicherer zu führen.

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Offiziell ist der Abschnitt der Hildesheimer Straße mit einer gemessenen Spitzenbelastung von 750 Fahrzeugen in der Stunde zwar schon jetzt ein sogenannter Mischbereich, in dem Radfahrer in der Regel die Straße nutzen sollten, so Schepelmann. Tatsächlich tun dies aber nur wenige. Die meisten Radler nutzen zwischen Gleidingen und Rethen noch den Seitenraum und den für Fahrräder freigegebenen Gehweg.

Was viele nicht wissen: „Auf Gehwegen, die für Radfahrern freigegeben sind, muss Schrittgeschwindigkeit gefahren werden“, betonte die Regionsvertreterin: „Das ist relativ langsam und machen die wenigsten.“ Zudem gibt es ein erhöhtes Unfallrisiko bei gegenläufigem Radverkehr und für Fußgänger.

Änderungen in StVO: Radverkehr gehört eher auf die Straße

Noch bis vor einigen Jahren hatten Autofahrer ein Vorrecht auf der Straße und galt allgemein die Regel, dass sich Radfahrer im sogenannten Seitenraum bewegen sollten: auf entsprechend ausgewiesenen oder freigegebenen Wegen. Die Änderungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) im Jahr 2013 jedoch besagt, dass es Radverkehrsanlagen nur noch unter bestimmten Bedingungen geben sollen: wenn die Sicherheit dies erfordert und wenn ausreichend Platz für Fußgänger – oder auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen – zur Verfügung steht.

Ein Indikator für die Verlagerung des Radverkehrs ist das Verkehrsaufkommen. Mit bis zu 1000 Kraftfahrzeugen in der Stunde gilt einer Straße als noch nicht stark befahren, sodass Radfahrer bei innerörtlichem Verkehr die Fahrbahn nutzen sollen. Wie Studien deutschlandweit zeigen, werden sie dort auch eher wahrgenommen als im Seitenraum.

Im Ergebnis empfiehlt die Region, den normalen Radverkehr vom Seitenraum auf die Fahrbahn zu verlegen. Der Geschwindigkeitsunterschied von Radfahrern zu Autos sei innerorts in der Regel geringer als der zu Fußgängern, ergänzte Heinz Mazur vom Planungsbüro PGT. Zudem wirkten Radfahrer verkehrsberuhigend für die Regionsstraße – ähnlich wie die parkenden Autos, die auch weiterhin an der Ostseite stehen dürfen sollen. Auf der Westseite soll nun ein 1,50 Meter breiter Schutzstreifen aufgemalt werden. Dieser kann von Autos überfahren werden – wenn dort nicht gerade ein Radfahrer unterwegs ist. Für einen zweiten Schutzstreifen sei die Hildesheimer Straße zwar insgesamt zu schmal, doch dürften Räder auch in der Gegenrichtung auf der Straße fahren, so Schepelmann. Entsprechende Piktogramme auf der Fahrbahn sollten Autofahrer darauf hinweisen.

Mehrere Besucher der Ortsratssitzung äußerten ihren Zweifel an der Sicherheit für Fahrradfahrer. Diese drohten zum Ziel von Autofahrern zu werden, sagte CDU-Ortsratsherr Rolf Pieper. Ein Zuhörer warnte vor Gefahrensituation durch die gleichfalls an der Hildesheimer Straße verkehrende Stadtbahn und den Begegnugsverkehr von Autos – und ein dritter warnte davor, dass Radfahrer von Autos „attackiert“ werden könnten.

„Die Straßenverkehrsordnung wird nicht einfach so geändert“, entgegnete Schepelmann. Untersuchungen machten deutlich, dass Radfahrer auf der Fahrbahn eher gesehen werden als hinter parkenden Autos oder im Seitenraum. Warum nicht alternativ ein Fuß- und Radweg auf beiden Seiten ausgebaut wird, wollte eine Zuhörerin wissen. Weil die Fahrbahnbreite dies auf dem untersuchten Abschnitt bis zur Peiner Straße nicht durchgängig hergebe, so die Verkehrsanlagenplanerin. Bei einem einseitigen Schutzstreifen von 1,50 Meter bliebe hingegen auch an der schmalsten Stelle noch immer einer Restfahrbahnbreite von 4,90 Meter und damit mehr als die mindestens erforderlichen 4,50 Meter.

„Wir wollen den Radverkehr unterstützen und sicherer machen“, betonte Schepelmann in der Sitzung. Langsame oder ängstliche Radfahrer könnten weiterhin den vorhandene Gehweg in Schrittgeschwindigkeit befahren. Ob dies auch künfitg für beide Fahrtrichtungen gelten, müsse die Verkehrsbehörde – in diesem Fall die Stadt Laatzen – noch entscheiden.

Von Astrid Köhler