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Laatzen Helfer gesucht: Laatzens ältestes Gebäude wird saniert
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Helfer für Kapelle gesucht: Laatzens ältestes Gebäude wird saniert

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17:30 01.08.2019
Vor der Sanierung muss das Inventar hinaus: Kirchenvorsteher Wilfried Bergau-Braune und Pastor Matthias Freytag rufen für Sonnabend zur Mithilfe auf. Quelle: Johannes Dorndorf
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Alt-Laatzen

Seit rund zwei Jahren ist die Alte Kapelle in Alt-Laatzen wegen Feuchtigkeitsschäden für Veranstaltungen gesperrt. Jetzt wird das historische Gebäude, das das älteste im Laatzener Stadtgebiet ist, saniert. Bevor nächste Woche die Maurer anrücken, ist allerdings die Unterstützung von Helfern gefragt. Am Sonnabend wird das Inventar aus der Kapelle geräumt.

„Alle beweglichen Gegenstände müssen aus dem Kirchengebäude ausgeräumt und in die Gemeinderäume getragen werden. Für den Arbeitseinsatz bitten wir herzlich um Freiwillige“, sagt Pastor Matthias Freytag. Los geht es um 9 Uhr. Stühle, das Bronzekreuz, die Kerzen und das Pult werden dann mit einem Minibus zur Eichstraße gebracht. Zum Dank erhalten die Helfer eine Verpflegung.

Nach der Schließung der Alten Kapelle vor zwei Jahren hat jetzt die Sanierung begonnen. Bevor die Maurer nächste Woche anrücken können, soll am Sonnabend das Inventar abtransportiert werden. Die Immanuelgemeinde sucht dafür noch Helfer.

Mit den Arbeiten beginnt eine monatelange Sanierung der Kapelle, die 1325 erstmals urkundlich erwähnt wurde und als südlichstes Beispiel der norddeutschen Backsteingotik gilt. Bereits vor einigen Tagen wurden die alten Nachtspeicherheizungen abgebaut. In der nächsten Woche sollen dann die Maurer anrücken, um den beschädigten Putz abzuschlagen: Durch Feuchtigkeit in den Wänden haben sich im Sockelbereich der Kirche massive Ausblühungen gebildet. Dabei handelt es sich um Auslösungen von Salzen im Mauerwerk. Der alte Putz soll später bis zu einer Höhe von 1,50 Meter durch einen Spezialputz ersetzt und mit atmungsaktiver Mineralfarbe übermalt werden. Auch die Elektrik wird erneuert, Fugen am Außensockel und zwischen den Bodenfliesen im Innenraum werden ausgebessert.

Wände werden mit Heizung getrocknet

Ein wichtiger Sanierungsabschnitt ist die Trocknung der Wände. Dafür lässt die Immanuel-Kirchengemeinde eine sogenannte Fußleistenheizung installieren, die zunächst drei bis vier Wochen durchläuft, bis die Wände trocken genug sind. Die Heizung, die nur am unteren Rand der Wände angebracht ist, soll auch im späteren Betrieb für eine trockene und warme Kirche sorgen. „Das ist zugleich eine energetische Maßnahme“, sagt Freytag: Die Heizung verbrauche weniger Strom als die bisherige – und wird zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben.

Mit der Sanierung hofft die Gemeinde, ähnlichen Arbeiten in den nächsten Jahrzehnten vorzubeugen. Denn ein Kernstück des neuen Konzepts ist der Einbau einer automatischen Be- und Entlüftung. „Die Fenster werden künftig nur bei für das Bauwerk günstigen Bedingungen geöffnet und sonst automatisch geschlossen“, sagt Freytag. Auf diese Weise wolle man verhindern, dass sich – etwa an warmen und feuchten Tagen – beim Lüften Kondenswasser an den Innenwänden bildet.

Gemeinde schätzt Kosten auf 70.000 Euro

Die Kosten für die Sanierung schätzt die Gemeinde auf rund 70.000 Euro. Diese teilt sich die Immanuelgemeinde mit der Landeskirche, dem Kirchenkreis und der Klosterkammer. Der Eigenanteil der Gemeinde liege bei 14.000 Euro, sagt der Vorsitzende des Kirchenvorstands Wilfried Bergau-Braune.

Frühere Pläne, die Trägerschaft der Kapelle in die Hände eines Fördervereins zu geben, sind zwischenzeitlich verworfen worden. „Wir wollten die Kapelle als Sakralgebäude der Gemeinde erhalten“, sagt Bergau-Braune. Die Landeskirche habe daraufhin signalisiert, „ein letztes Mal“ eine Sanierung zu unterstützen, obgleich sich mit der Immanuelkirche eine zweites Sakralgebäude vor Ort befinde.

Gutachten stellt Schimmel in der Raumluft fest

Aufgefallen waren die Schäden 2017, als Kantor Zoltán Suhó-Wittenberg Schimmel in der Orgel auf der Empore der Kirche feststellte. „Wir haben dann ein Gutachten machen lassen, bei dem Sporen in der Raumluft nachgewiesen wurden“, berichtet Pastor Freytag – mit dem Ergebnis, dass die Kapelle für Besucher geschlossen werden musste. Immerhin waren die Wände davon nicht betroffen, und die Luft ist inzwischen wieder rein. „Die Ausblühungen sind nicht gesundheitsschädlich“, versichert Bergau-Braune.

Wie lange die Arbeiten dauern werden, ist noch unklar, zumal einer der beauftragten Handwerker vor Kurzem abgesprungen ist. Freytag und Bergau-Braune rechnen mit einem Termin im Frühjahr oder Frühsommer 2020. Das Ereignis soll dann mit einem großen Eröffnungsgottesdienst gefeiert werden.

INFO: Wer beim Ausräumen der Kapelle helfen will, kann am Sonnabend, 3. August, um 9 Uhr in die Kapelle kommen. Die Gemeinde bittet um eine kurze Rückmeldung unter Telefon (0511) 87446-44 oder -15.

Die neue Orgel ist schon da: Sie steht vorläufig noch in der Immanuelkirche. Quelle: Johannes Dorndorf

Die neue Orgel ist schon da

Mit der Sanierung wird auch die Orgel in der Alten Kapelle ausgetauscht: „Die Orgelpfeifen sind verschimmelt“, berichtet Kirchenvorsteher Wilfried Bergau-Braune. Die Landeskirche habe die Abrissgenehmigung bereits erteilt. Ersetzt wird es durch ein neues, aufwändig gestaltetes Modell des Orgelbauers Wolfgang Braun, das bereits Ende Juni geliefert wurde: Bis zum Umzug in die Kapelle ist es vorläufig neben dem Taufbecken auf der rechten Seite der Immanuelkirche untergebracht und wurde auch bereits der Gemeinde vorgestellt. Zu den Besonderheiten zählt ein sich drehender Zimbelstern mit Glockenspiel an der Front sowie Rollen, mit denen die mobile Orgel bewegt werden kann.

Dass so schnell Ersatz beschafft werden konnte, hängt mit einer großzügigen Spende zusammen: Der Laatzener Harry Neß hat das rund 40.000 Euro teure Instrument finanziert. Mit dem Geschenk will Neß an seine Ehefrau Inge Neß erinnern; die frühere Immanuel-Kirchenvorsteherin war 2016 verstorben. „Weil er um die Beziehung seiner Frau zur Gemeinde wusste, wollte er Geld für die Kapelle spenden“, erläutert Pastor Matthias Freytag das besondere Präsent.

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Von Johannes Dorndorf

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