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Laatzen Theatergruppe zimmert an der Bühne für ihr letztes Stück
Umland Laatzen

Ingeln-Oesselse: Theatergruppe zimmert an der Bühne für ihr letztes Stück

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00:19 14.06.2019
In der Oerier Scheune lagern nicht nur Requisiten und Bühnentechnik der Doppeldorfbühne, hier wird auch das Bühnenbild erstellt: Stephanie Zebbedies (von links vorn im Uhrzeigersinn), Heinz-Otto Fischer, Alfred Berking, Thomas Grüner, Konrad Engelke, Christa Manthey und Rüdiger Rinkewitz. Quelle: Torsten Lippelt
Ingeln-Oesselse/Oerie

Gleichmäßig verteilt der Pinsel die Farbe auf einem Fensterrahmen. Einige Meter weiter wird eine Feile gefühlvoll über den noch kratzbürstigen Teil eines frisch montierten Regals geführt. Geschäftiges Treiben herrscht in einer Oerier Scheune. Sieben der 15 Aktiven der Doppeldorfbühne Ingeln-Oessels sind an diesem Vormittag zusammengekommen, um auf dem Hof Stichnoth an dem Bühnenbild für die neue und nach 20 Jahren zugleich letzten Inszenierung der Theatergruppe im Oktober zu bauen.

„Es macht unheimlich Spaß. Jeder hat seine Aufgabe, keiner steht rum, und es klappt alles Hand in Hand“, sagt die Regisseurin und Mitbegründerin Stephanie Zebbedies erfreut. Das neue Stück „Schau nicht unters Rosenbeet“ spielt Mitte des 20. Jahrhunderts im Wohnzimmer eines verstorbenen reichen Briten mit vielen leeren Regalen. Während andere Laiengruppen es sich einfach machen und die Kulissen aufmalen, haben die Ingeln-Oesselser einen höheren Anspruch und zimmern an mehreren Wochenenden in Oerie richtige Regale zusammen.

Seit 2016 nutzt die Doppeldorfbühne eine Hofscheune in Oerie, um Materialien zu lagern und das alljährliche Bühnenbild zusammenzubauen.

„Glücklicherweise dürfen wir seit 2016 einen Teil seiner Scheune kostenlos als Lager benutzen“, sagt Zebbedies, die dienstags mit den Laienschauspielern probt. Vorher habe die Theatergruppe eine Scheune in Ingeln genutzt, doch war diese für die schweren Materialien nicht mehr so geeignet.

Im Laufe der Jahre ist bei der Doppeldorfbühne sowohl der künstlerische Anspruch als auch der an die Bühnenausstattung immer weiter gewachsen. Rund sechs Tonnen Material wurden zuletzt für Inszenierungen mit Gabelstapler und Lastwagen in und nach Ingeln-Oesselse bewegt. Mangels fester Bühne wird bis heute all das, was an Technik, Stellwänden und Requisiten nicht anderswo beschafft oder geliehen werden kann, auf dem Resthof von Alexander Stichnoth in Oerie eingelagert.

Scheunenlager in Oerie

Zu verdanken haben die Theaterleute das Scheunenlager mit Werkstattbereich – der eingezogene Zwischenboden hält einer Traglast von 200 Kilogramm pro Quadratmeter stand – ihrem nun scheidenden Bauleiter Thomas Grüner. Einem „Planer vor dem Herrn“, wie Zebbedies betont. Als seine Frau damals Interesse am Laientheater äußerte, habe er sie eigentlich nur begleiten wollen, doch es kam anders. „Sie hörte wieder auf, ich bin dabei geblieben“, lacht Thomas Grüner, der schon damals beruflich im Innenausbau tätig war. Nach 20 Jahren sei ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören. Er verlasse die Bühne ohne Streit.

„Die Harmonie in der Gruppe ist perfekt“, schwärmt auch Heinz-Otto Fischer. Über die Jahre habe jeder seine Aufgabe gefunden. „Jeder bringt sich hier in seiner Fasson ein“, ergänzt Konrad Engelke nickend. Alle würden gebraucht, sagt Christa Manthey: „Für mich ist das hier Kür und nicht Pflicht.“

In diesem Frühjahr und Sommer werden die Theaterleute die voraussichtlich letzten Male an einer Bühne zimmern. Ohne ihren Bauleiter Grüner und den Techniker Konrad Engelke, der ebenfalls aufhört, sei das Programm nicht mehr zu leisten, stellt die Doppeldorfmitgründerin Zebbedies nüchtern fest.

Theatergruppe gibt im Oktober Materialien ab

Nach der fünften und letzten der vom 18. bis 20. Oktober im Gemeindesaal von St. Nicolai terminierten Vorstellungen will die Doppeldorfbühne sich von möglichst vielen Materialien trennen, auch um weitere Arbeit und Kosten zu sparen.

Nach ihrem finalen Auftritt am 20. Oktober will sich die Doppeldorfbühne von nahezu allen Bühnenbau- und anderen Theatermaterialien trennen. Quelle: Torsten Lippelt

Wer Interesse an Stellwänden, Spanplatten, Paletten, Bühnen- und Tribünenteilen habe, könne sich die Teile vom 4. bis 6. Oktober beim Aufbau anschauen, sagt Zebbedies. Abgeholt werden müssten die Teile dann am Montagvormittag, 21. Oktober – „sonst landet alles als Müll im Container“.

Das Lager in Oerie dürfen sie gleichwohl auch danach noch nutzen, so Zebbedies: „Wir wollen weiter Theater spielen – mal sehen, wie und wo.“

Lesen Sie auch: Doppeldorfbühne Ingeln-Oesselse will nach 20 Jahren aufhören (29.4.19)

Von Torsten Lippelt

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