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Laatzen Kritik am Kanalnetz: Diese Gleidinger fürchten den nächsten Starkregen
Umland Laatzen

Kritik am Kanalnetz in Laatzen: Diese Gleidinger fürchten den nächsten Starkregen

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09:02 10.08.2019
Bei Starkregen sind die Sorgen bei den Bewohnern des Langhusveien groß - auch bei Dieter Bohn (von links), Carola Drygas-Bohn, Manfred Klemm, Sabine Scholz und Kai Dupke. Quelle: Johannes Dorndorf
Gleidingen

Der Starkregen in Gleidingen am vergangenen Freitag hat die Bewohner der tief liegenden Wohngebiete in Aufruhr versetzt: Reicht die Abwasserkanalisation in dem Bereich Langhusveien und Gänsewiese, um die Wassermassen bei solchen Regenereignissen abzuleiten? Und drückt womöglich sogar Regenwasser aus dem Kanalsystem durch die Gullydeckel auf die Straße?

Dass die beiden Straßenzüge bei Starkregen besondere Probleme haben, davon sind viele Anlieger überzeugt. An solchen Tagen blicken manche besorgt in die Gullys, um die Pegel abzuschätzen. „Das ist unser Gullymaß: Wenn ein Nachbar am Gully ist, ist es nicht so schlimm. Bei Zweien muss man aufpassen, bei Dreien kriegen alle Panik“, sagt Sabine Scholz, die im Langhusveien wohnt. So wie am vergangenen Freitag, als der Wasserpegel in der Straße so stark gestiegen war, dass er bis auf wenige Zentimeter an manche Haustüren heranreichte.

Straße wird nach fünf Minuten zur Seenlandschaft

Ähnlich war die Situation in der Gänsewiese: Brigitte und Klaus Neumann berichten, das Wasser habe dort wadenhoch gestanden, bis Anwohner als letztes Mittel Gullydeckel zur Schmutzwasserkanalisation öffneten. „Es dauerte nur fünf Minuten, dann hatten wir hier eine Seenlandschaft“, sagt Brigitte Neumann. Etwa 15 Zentimeter höher, so schätzt ihr Mann Klaus Neumann, dann wäre das Wasser in die mit dem Wohnhaus verbundene Garage ihres Nachbarn gelaufen.

Über die Gründe gibt es Vermutungen. Langhusveien-Anwohner Dieter Bohn ist überzeugt, dass die Missstände nicht nur am mangelnden Ablauf des Wassers liegen, sondern Wasser aus anderen, höher liegenden Bereichen durch die Kanäle auf die Straße drückt. „Man hat gesehen, wie es raussprudelte. Ich habe die Hand hingehalten: Da kam eine Strömung aus dem Deckel.“ Sabine Scholz und Kai Dupke bestätigen, dass auch sie dies bei einem ähnlichen Vorfall im August 2018 beobachtet haben.

Stadt: Ablauf erfolgt nur verzögert

Die Stadt Laatzen ist hingegen skeptisch. „Die großen Wassermassen konnten durch die Straßenabläufe und die Kanäle nur langsam ablaufen. Dadurch hat sich das Wasser zeitweise auf der Straßenoberfläche gestaut“, sagt Verwaltungssprecher Matthias Brinkmann. „Dies ist ein normaler Vorgang bei starken Regenfällen.“ Tatsächlich berichten auch Anlieger aus anderen Straßen in Gleidingen, dass das Wasser zeitweise auch bei ihnen gestanden habe.

Anwohner der Wohngebiete nahe der Gleidinger Ritterstraße sorgen sich vor zunehmenden Starkregenfällen: Die Kanalisation sei falsch bemessen, klagen sie. Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf.

Die Stadtverwaltung bestreitet die Beobachtung Bohns, Wasser sei aus den Kanälen auf die Straße gesprudelt. Zwar sei kein Mitarbeiter an dem Abend im Langhusveien, sondern lediglich in der nahe gelegenen Pumpstation gewesen. Aber es gebe einen Notüberlauf am Ende des Regenrückhaltebeckens südlich der Ritterstraße. „Dieser Notüberlauf ist anhand der Kanaldeckelhöhen im Langhusveien berechnet worden“, versichert Brinkmann. Wann immer das Gully-Niveau überschritten werde, laufe das Wasser durch vier grüne Rohre mit je 30 Zentimetern Durchmesser in den Graben südlich des Rückhaltebeckens.

Überlauf zu klein dimensioniert?

Bohn bestätigt, dass am Freitagabend Wasser aus diesen Überlaufrohren sprudelte. „Meine Frau ist da hingefahren“, berichtet der Gleidinger. Das Rückhaltebecken sei an dem Abend voll gewesen. Seine Vermutung: Möglicherweise sei der Überlauf zu klein dimensioniert – oder aber die Niveaus passten nicht zusammen.

Alle Anwohner bestätigen, dass der Freitagsregen außergewöhnlich hoch war. Aber eben auch vor einem Jahr habe es eine ähnliche Situation gegeben – und künftig womöglich häufiger: Denn wenn erst einmal das Baugebiet Erdbeerhof fertig sei, fürchten viele, fließe noch mehr Wasser aus Gleidingen in die Ritterstraße.

Verwaltung warnt, Schächte zu öffnen

Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf – auch der Einbau einer Rückstauklappe sei nicht beabsichtigt. Die Verwaltung warnt eindringlich davor, bei solchen Lagen eigenmächtig Gullydeckel zu öffnen. „Werden Schmutzwasserschächte geöffnet, um Regenwasser abzuleiten, kann dies zu Überlastungen der Kanalisation und Ausfällen von Schmutzwasserpumpstationen führen“, sagt Brinkmann. Im schlimmsten Fall würden dann Keller mit Schmutzwasser überflutet – zumindest bei fehlenden Rückstausicherungen. Anwohner seien deshalb dringend aufgefordert, die Feuerwehr oder die Stadt Laatzen zu alarmieren.

An dem Abend habe das freilich nicht geholfen, erwidern Bohn und Neumann. In beiden Straßenzügen habe es Anrufe an die Feuerwehr gegeben. Die Antwort sei gewesen: Solange keine Keller tatsächlich vollgelaufen oder Personen gefährdet seien, nehme man die Fälle lediglich auf.

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