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Laatzen Ab Juni wird’s lauter: Bahn erneuert ICE-Trasse
Umland Laatzen Ab Juni wird’s lauter: Bahn erneuert ICE-Trasse
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00:18 08.04.2019
Die Schnellfahrstrecke der Bahn - so wie hier bei Gleidingen - wird grunderneuert. Quelle: Dorndorf
Rethen/Gleidingen

 Schon jetzt zählt Laatzen zu den am meisten von Bahnlärm geplagten Kommunen in Deutschland. Für die Bewohner der südlichen Stadtteile wird es in den nächsten Monaten nun noch lauter: Die Deutsche Bahn hat angekündigt, im Juni mit der Sanierung der ICE-Trasse Hannover-Göttingen zu beginnen. Die Züge werden dann teils über die Leinetalstrecke umgeleitet, die auf Höhe von Gleidingen über keinen Lärmschutz verfügt.

Vor fast 30 Jahren, am 2. Juni 1991, nahm die Deutsche Bahn die neue ICE-Strecke zwischen Hannover und Würzburg in Betrieb. Inzwischen ist die Anlage in die Jahre gekommen. „Nach einem viertel Jahrhundert braucht die ,alte Dame’ ein Frischekur für Gleise, Weichen und Sicherungstechnik“ – mit diesen Worten kündigt die Bahn eine umfassende Generalüberholung an. Den Auftakt macht der Abschnitt zwischen Hannover und Göttingen, der vom 11. Juni bis 14. Dezember saniert wird – einschließlich des Laatzener Abschnitts.

Ab Juni wird es für Anlieger der Bahn lauter – insbesondere in Gleidingen: Die Deutsche Bahn erneuert die ICE-Trasse, so dass Züge teilweise über die parallel verlaufende – und nicht lärmgeschützte – alte Trasse umgeleitet werden.

Vor allem in Gleidingen wird es lauter

Für die Anwohner dürfte die Lärmbelastung in dieser Zeit steigen, insbesondere in Gleidingen: Denn ein großer Teil der Züge, die bislang auf der Schnellfahrstrecke verkehren, sollen während der Bauarbeiten auf die Leinetalstrecke umgeleitet werden, auf der derzeit Güterzüge, Erixx-Züge und S-Bahnen verkehren. Das Problem: Die Trasse führt nicht nur dichter an Gleidingen vorbei, sondern hat im Gegensatz zum Großteil der Laatzener ICE-Strecke auf Höhe des Orts keinen Lärmschutz.

Zurzeit fahren nach Auskunft der Deutschen Bahn 110 Fern- und durchschnittlich 26 Güterzüge auf der Schnellfahrtstrecke. Wie viele davon auf der Leinetalstrecke rollen werden, stehe noch nicht fest, die Umleitungs- und Fahrplankonzepte seien noch in Planung. Die Güterzüge würden aber „zu großen Teilen“ weiträumig umgeleitet, versichert die Bahn – beispielsweise über die Strecke Hannover-Soest. Dennoch werde die Zugdichte höher sein als derzeit, heißt es bei der Pressestelle in Hamburg.

Schall wird von ICE-Trasse reflektiert

In Gleidingen stoßen die Pläne auf wenig Begeisterung. Der Ort kämpft seit Jahren darum, dass die Leinetalstrecke einen Lärmschutz erhält. Stattdessen erhöht sich nun sogar die Zugfrequenz – wenn auch nur temporär. „Das Eisenbahnbundesamt hat gerade bestätigt, dass die Trasse eine der meistbefahrenen Strecken in Deutschland ist. Die braucht keinen zusätzlichen Verkehr mehr“, findet Gleidingens Ortsbürgermeisterin Silke Rehmert. Zumal die ICE- und die Alttrasse hinsichtlich der Lärmbelastung sehr verschieden seien: „Fakt ist, dass der Schall extrem nach Gleidingen hineinschallt“, sagt Rehmert, zumal die Bahngeräusche von der Lärmwand der Schnellfahrstrecke aus noch reflektiert würden. Sie würde sich deshalb wünschen, dass die Bahn möglichst schnell für einen zusätzlichen Schallschutz sorgt – und während der Bauarbeiten möglichst viele Güterzüge über andere Strecken umleitet.

Die Bahn macht den Anwohnern allerdings keine Hoffnungen auf zusätzlichen Lärmschutz. „Sicher ist es für die Anwohner eine Belastung, die jedoch nicht vermeidbar ist“, sagt Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst – man hoffe auf Verständnis. Wann genau am Laatzener Abschnitt der Trasse gearbeitet wird, stehe noch nicht fest. Näheres werde im Mai bekannt gegeben. Für die Fahrgäste verlängere sich die Fahrzeit zwischen Hannover und Göttingen um 30 bis 45 Minuten.

Bundesverkehrsminister Lauritz Lauritzen setzt in Laatzen den ersten Rammstoß für die neue Schnellfahrstrecker der Bahn. Quelle:  

ICE-Netz nahm in Laatzen seinen Anfang

Die Zukunft der Deutschen Bahn hat in Laatzen begonnen: Vor fast 46 Jahren, am 10. August 1973, setzte Bundesverkehrsminister Lauritz Lauritzen hier symbolisch den ersten Rammschlag für die neue Schnellfahrstrecke, die Hannover mit Würzburg verbinden sollte. Ein Ereignis „von historischer Bedeutung“ schrieb damals Laatzens amtliches Mitteilungsblatt „Unsere Gemeinde“ – und übertrieb nicht: War die neue Trasse ursprünglich zur Entlastung und zur Ergänzung der stark befahrenen Nord-Süd-Verbindung gedacht, gewann sie für Bahnreisende vor allem aufgrund des Tempos der später eingeführten ICE-Züge an Bedeutung. Seit 1876, betonte Verkehrsminister Lauritzen 1973 bei der Feierstunde in Laatzen, sei in Deutschland keine vergleichbare Eisenbahnstrecke fertiggestellt worden. Das Interesse der Laatzener an dem Projekt war naturgemäß groß: Etliche Neugierige folgten dem Rammstoß durch Lauritzen, der den symbolischen Akt mit den Worten kommentierte: „Es ist genug geschnackt, jetzt geht es an die Arbeit.“

Der erste Bauabschnitt umfasste die Verbindung der Bahnhöfe Hannover-Bismarckstraße und Rethen, er wurde im Mai 1979 als erstes Teilstück der Schnellfahrstrecke in Betrieb genommen. Die Gesamtstrecke bis Würzburg wurde erst 12 Jahre später, am 2. Juni 1991 eröffnet. Übrigens nach gehöriger Verzögerung: Ursprünglich war die Fertigstellung der Neubaustrecke für 1985 vorgesehen.

Von Johannes Dorndorf

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