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Laatzen Bahn will Tauben-Nistplätze in Rethen verschließen
Umland Laatzen Bahn will Tauben-Nistplätze in Rethen verschließen
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00:16 31.03.2019
Die Deutsche Bahn will die Hohlräume der ICE-Brücke, in denen Tauben nisten, schließen. Quelle: Johannes Dorndorf
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Rethen

Die Anwohner und Mieter rund um das Rethener Zuckerhaus sind genervt von den Tauben, die sich regelmäßig auf dem Dach des fünfgeschossigen Gebäudes versammeln: Viele können angesichts des Kots Terrassen kaum nutzen, geschweige denn Wäsche im Garten aufhängen. Zumindest für einen Teil des Problems zeichnet sich jetzt eine Lösung ab: Die Deutsche Bahn hat angekündigt, die Bahnbrücke, in der die Vögel nisten, zu reinigen und die Hohlräume dort zu verschließen.

Zuckerhaus-Miteigentümer Matthias Odenthal hatte in den vergangenen Monaten wiederholt versucht, die Stadt dazu zu bewegen, an der Lösung des Taubenproblems mitzuarbeiten und insbesondere mit der Deutschen Bahn zu sprechen. Denn ein Großteil der Tiere nistet im Brückenbauwerk der ICE-Trasse, die entlang der Straße Zur Sehlwiese verläuft, rund 100 Meter entfernt vom Zuckerhaus und dem angrenzenden Wohngebiet. Über jedem der Stützpfeiler der ICE-Brücke befinden sich Hohlräume, die den Tieren als Nistplätze dienen.

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Für die Taubenplage am Rethener Zuckerhaus zeichnet sich eine Teillösung ab: Die Bahn hat angekündigt, die Nistplätze in der nahe gelegenen ICE-Brücke zu schließen. Die wegen des Taubenmists leidgeprüften Anlieger atmen auf. Ob die Probleme damit behoben sind, ist allerdings offen.

Inzwischen hat die Stadt mit der Bahn Kontakt aufgenommen – und meldet zumindest einen Teilerfolg: „Die DB Netz hat das Problem ebenfalls für sich erkannt“, sagt Stadtsprecher Matthias Brinkmann. Was konkret unternommen werden soll, wisse man jedoch nicht.

Bahn will Tauben-Nistplätze in Brückenbauwerk schließen

Tatsächlich gibt es schon konkrete Pläne bei der DB Netz. Bei Vorbereitungen für eine Inspektion der Bahnbrücke sei die hohe Taubenpopulation in dem Bereich in Rethen aufgefallen, bestätigt Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst. Das Unternehmen sei verpflichtet, seine Brückenbauwerke im Abstand von drei Jahren zu inspizieren. Im derzeitigen Zustand sei es jedoch nicht möglich, Mängel zu entdecken, die gegebenenfalls behoben werden müssten. „Wir haben uns deshalb entschlossen, für die bevorstehende Inspektion eine Reinigung der Brücke vorzunehmen“, sagt Brunkhorst. Den bisherigen Plänen zufolge soll dies im April geschehen.

Im Anschluss an die Inspektion will die Bahn die Hohlräume verschließen, so dass sich das Problem nicht wiederholt. Brunkhorst betont, dass es der Bahn dabei um die Sicherstellung ihrer Infrastruktur gehe. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Brückenbauwerke sicher bleiben.“ Ob sich damit das Taubenproblem in Rethen löse, sei damit nicht gesagt. „Selbst wenn wir die Hohlräume zumachen, werden die Tiere etwas anderes finden.“

Das weiß auch Zuckerhaus-Gesellschafter Matthias Odenthal, der die Entscheidung der Bahn sehr begrüßt. „Das Problem ist allerdings nur dann gelöst, wenn die Tauben keine Möglichkeit mehr haben, Nester zu bauen.“ Dafür sei es notwendig, die Schlitze über jedem einzelnen der etwa 20 Brückenpfeiler in der Nähe zu schließen. Selbst wenn die Tiere nicht mehr an die Hohlräume herankämen, würden sie sich andere Stellen suchen.

Zuckerhaus-Eigner setzt auf Wanderfalken

Odenthal favorisiert deshalb die Parallelstrategie, in dem Bereich Wanderfalken anzusiedeln, die den Bestand bejagen. Odenthal schätzt die Zahl der Tiere auf insgesamt 300 bis 400 – allein am Donnerstagmittag waren es knapp 200. Ein vom Dachstuhl des Zuckerhauses zugänglicher Raum für einen Falken-Nistkasten auf der Südseite des Gebäudes stehe bereit. Er selbst könne sich allerdings nicht um die aufwändige und Fachwissen erforderliche Beobachtung der Tiere kümmern. „Vielleicht findet die Stadt jemanden, der dies machen kann“, hofft Odenthal.

Denkbar wäre auch eine andere Lösung. In Hannover denken Ratspolitiker derzeit darüber nach, einen Taubenschlag in der Innenstadt einzurichten, der die Vermehrung der Tiere verhindern soll: Nach dem Vorbild eines solchen Taubenschlags in der Kochstraße in Linden-Nord würden die Tiere dort gefüttert und die Eier durch Imitate aus Plastik ausgetauscht. Die Betreuung solcher Nistplätze auch in Rethen wäre aus Sicht Odenthals allerdings zu aufwendig. In Linden übernimmt diese Aufgabe der Tierschutzverein.

Von Johannes Dorndorf