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Laatzen EKS-Sporthalle: Darum sind die Baukosten gestiegen
Umland Laatzen

Laatzen: Darum sind die Baukosten bei der EKS-Sporthalle gestiegen

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14:14 20.05.2019
Wichtigste Grundlage bei der Kostenermittlung ist auch bei der Stadt Laatzen der Baukostenindex. Quelle: Johannes Dorndorf
Laatzen-Mitte

Wie kam es zur Kostenexplosion bei der Sporthallensanierung am Erich-Kästner-Schulzentrum? Die Stadtverwaltung sieht die Hauptgründe in unerwarteten Mängeln der Bausubstanz, bei den Schwierigkeiten, überhaupt Firmen zu finden, vor allem aber im Brandschutz: Auflagen der Region als Bauaufsichtsbehörde hätten die Kosten in die Höhe schnellen lassen. Dabei hätten sich einige Kostensteigerungen vermeiden lassen, räumt man auch im Rathaus ein – wenn man die überraschenden Wendungen im Bauablauf gekannt hätte.

Beispiele für Kostenexplosionen bei öffentlichen Projekten gibt es viele – vom BER über die Elbphilharmonie bis hin zu Stuttgart 21. Dass es klassische Kostenfallen gibt, darüber ist man sich auch in der Stadtverwaltung bewusst, wie Bau-Fachbereichsleiter Jürgen Pagels erläutert: von unzureichender Planung über Planungsänderungen beim Bau bis zu Baugrundrisiken. Beim BER etwa habe es mehrere kostenträchtige Umplanungen in der Bauphase gewesen, etwa eine Verlegung des Eingangs. Bei der Laatzener Hallensanierung seien es hingegen äußere Zwänge gewesen, die zu den Probleme führten.

Wie kam es zur Kostenexplosion bei der Sporthallensanierung am Erich-Kästner-Schulzentrum? Die Stadt hat jetzt die Gründe aufgeschlüsselt – und macht insbesondere Fehler im Jahrzehnte alten Dachaufbau und unerwartete Bauauflagen der Region als Ursachen aus.

Region weist besseren Brandschutz an

Hauptverursacher der Kostensteigerung seien die unerwarteten Brandschutzauflagen der Region gewesen: Die Stadt habe im Vorfeld ein Brandschutzgutachten eines renommierten Fachbüros eingeholt und die Planung daran ausgerichtet. „Wir haben und darauf verlassen“, sagt Pagels. Als die ersten Ausschreibungen bereits erfolgt waren und schon mit Abrissarbeiten an der Halle begonnen wurde, habe die Region als Bauaufsichtsbehörde dann umfangreiche Nachforderungen gestellt – mit erheblichen Umplanungen als Folge: So mussten im Dachbereich unter anderem Entrauchungsschächte eingeplant und feuerresistente Verkabelungen von den Entrauchungsöffnungen bis zur Brandmeldeanlage in Halle I verlegt werden. Angeordnet worden sei auch eine Brandmeldeanlage der Kategorie 1, sodass auch Rauchmelder in Hohlräumen dazu kamen.

Völlig unerwartet seien auch erst während der Arbeiten Mängel der bestehenden Bausubstanz aufgefallen – allen voran im Dach, wo eine Dampfsperre nachbeauftragt wurde. „Und dies bei einer Fläche von 1500 Quadratmetern“, sagt Projektleiter Marcus Türr. „Das allein war eine zusätzliche Arbeitsleistung von vier Wochen.“ Probleme bereitet habe darüber hinaus die Auftragslage der Baufirmen – zwei Gewerke mussten mangels Angeboten mehrfach ausgeschrieben werden – und Probleme mit dem Fliesenleger, der neu beauftragt werden musste: Die ursprüngliche Firma habe Fristen nicht eingehalten, ein Rechtsstreit stehe noch aus. Alles in allem hat sich die Bauzeit um sechs Monate verzögert, was eine längere Baustelleneinrichtung und andere Baunebenkosten mit sich zog.

Stadt muss 900.000 Euro nachbeauftragen

Es sind vor allem diese Nachträge, die die Bausumme in die Höhe schnellen ließen, sagt Bau-Fachbereichsleiter Pagels. Deren Summe liege bei 900.000 Euro. Bei den Ausschreibungen habe die Stadt hingegen fast eine Punktlandung hingelegt: Veranschlagt waren 2,81 Millionen Euro, am Ende wurden es 2,94 Millionen. Kalkuliert wurde dies vor allem anhand der Kennzahlen des sogenannten Baukostenindexes (BKI), der die Kosten tausender abgeschlossener Bauprojekte beinhaltet und regelmäßig aktualisiert wird: Die geringe Abweichung zwischen Kalkulation und Ausschreibung spricht für dessen Verlässlichkeit.

Alles in allem liegt das Kosten-Plus bei 34 Prozent. Hatte die Stadt im Dezember 2016 noch 3,5 Millionen Euro veranschlagt, geht die Verwaltung nun nach Abschluss der Arbeiten von 4,7 Millionen Euro aus, wie vor Kurzem bekannt wurde. Immerhin: „Wir haben mehr Leistung dafür bekommen“, sagt Türr – der Brandschutz sei deutlich höher als im Ursprungskonzept. Und unterm Strich bleibt bei der Stadt ein geringeres Minus hängen, als die Zahlen nahelegen. Wegen der energetischen Sanierung habe man Fördermittel in Höhe von 600.000 Euro erhalten, so Stadtsprecher Matthias Brinkmann.

Aber wären Teile der Mehrkosten nicht doch vermeidbar gewesen? Besonders die Fehler im Dachaufbau des Bestandsbaus gibt der Baubehörde zu denken. „Wir werden in Zukunft die Bausubstanz im Vorfeld prüfen“, sagt Türr – bei der Turnhalle hätte eine Öffnung des Dachs im Vorhinein Überraschungen erspart. Und: Nachdem die Region erstmals so gravierende Nachforderungen beim Brandschutz stellte, werde man sich künftig nicht allein auf Gutachten verlassen, sondern im Vorfeld enger mit der Behörde abstimmen, ergänzt Pagels. Für die noch ausstehende Sanierung der Halle I halten die Planer ähnliche Überraschungen für unwahrscheinlich: Die Baugenehmigung sei bereits erteilt und eine Großteil der Arbeiten an der Brandmeldeanlage bereits erfolgt.

Von Johannes Dorndorf

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